Klimabildung : Wie setzen sich Schulen mit der Klimakrise auseinander?

Am 23. September 2022 steht das Thema Klimabildung besonders im Fokus. Mehrere Bündnisse haben wieder zum globalen Klimastreik aufgerufen. Einen Tag vor dem Beginn waren allein in Deutschland 271 Demonstrationen von „Fridays for Future“ angekündigt. Anlässlich des Klimastreiks zeigt das Schulportal, wie Schulen sich mit der Klimakrise auseinandersetzen.

Annette Kuhn 17. September 2021 Aktualisiert am 23. September 2022 1 Kommentar
Klimastreik Berlin
Beim 11. globalen Klimastreik am 23. September 2022 gingen Tausende Menschen wieder auf die Straße, wie hier in Berlin.
©Monika Skolimowska/dpa

Mehr als vier Jahre sind vergangen, seit Greta Thunberg zum ersten Mal mit ihrem Schild „Skolstrejk för Klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm saß. Es war der 20. August 2018, der erste Schultag nach den Sommerferien, ein Freitag. Was dann passierte, ist bekannt. „Fridays for Future“ ist heute eine globale Bewegung, die Millionen vor allem junger Menschen mobilisiert. Zu den jüngsten Forderungen der Aktivistinnen und Aktivisten von „Fridays for Future“  gehört ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für Klima und Sicherheit.

Klimabildung Greta Thunberg bei Fridays for Future
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (M.) hat im September 2021 an einer Demonstration von „Fridays for Future“ in Berlin teilgenommen.
©Jörg Carstensen/dpa

Pandemiebedingt fiel der Protest auf der Straße in den vergangenen zweieinhalb Jahren leiser aus, aber geschwiegen haben die Aktivistinnen und Aktivisten nicht. Organisatorinnen und Organisatoren von „Fridays for Future“ haben einen Tag vor dem 11. globalen Klimastreik am 23. September deutschlandweit 271 Demonstrationen angekündigt. Eine der größten Protestveranstaltungen wird wieder in Berlin erwartet. Im vergangenen Jahr war auch Greta Thunberg zum Klimastreik in die Hauptstadt gekommen.

Unumstritten ist der Schulstreik von Schülerinnen und Schülern nicht. „Wir lehnen es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen – etwa im Rahmen eines sogenannten Klimastreiks – aufgehoben wird”, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor dem achten globalen Klimastreik 2021. Er verwies darauf, dass auch in der Schule Zeichen gegen den Klimawandel gesetzt werden könnten – „ohne dafür den Unterricht zu schwänzen“.

Deutschland verpflichtet sich zur Förderung der Klimabildung

Doch was hat die Bewegung bislang tatsächlich erreicht? Die schwedische Klimaaktivistin hatte am dritten Jahrestag ihrer ersten Protestaktion eine ernüchternde Bilanz gezogen: „Seitdem ist nicht viel passiert. Wir haben immer noch eine Klimakrise, die Emissionen steigen an.“

Auch in den Schulen ist Klimabildung aus Sicht von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivsten nicht ausreichend verankert. Zwar hat sich Deutschland 2015 mit der Unterzeichnung der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen (UN) zur Förderung einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) verpflichtet. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel.

Keine Standards zur Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen

Doch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede, wie das Thema BNE in die Lehrpläne integriert und in den Schulen umgesetzt wird. In einigen Fächern würden zwar Aspekte des Klimawandels behandelt, einheitliche Standards für die Klimabildung an Schulen und die Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen gebe es aber nicht, so Gerhard de Haan, Leiter des Instituts Futur, dem Arbeitsbereich für erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin. Oft gebe es dafür auch zu wenig Platz in den Bildungsplänen, wird de Haan, der auch wissenschaftlicher Berater der Nationalen Plattform BNE ist, in der Deutschen Welle zitiert.

In Berlin hat die damalige Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im August 2021 einen Beirat eingesetzt, in dem unter anderem „Fridays for Future“, der Landesschülerausschuss und die Jugendorganisation des BUND vertreten waren. Gemeinsam haben sie eine Mustervorlage für Klimavereinbarungen erarbeitet, die vor allem von Schülerinnen und Schülern ausgestaltet werden sollen. So können langfristige Klimaschutzprojekte in Schulen und kurzfristig umsetzbare Klimaschutzideen festgelegt werden, mit denen sich zum Beispiel Strom sparen, Müll vermeiden, Plastik verwerten oder Schulgebäude energetischer gestalten lassen.

Auch die frühere Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat 2021 dazu aufgerufen, der Klimabildung in der Schule ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Im Mai 2021 sagte sie zum offiziellen Auftakt für die nächste Dekade zur weltweiten Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen: „Ich bin überzeugt: Mehr Klima-Bildung wird auf längere Sicht zu weniger CO₂-Ausstoß führen.“ Zwar sei Deutschland aus ihrer Sicht ein Vorreiter beim Ziel, Bildung für nachhaltige Entwicklung breit zu verankern. Zugleich betonte sie aber: „Wir sind noch nicht am Ende angelangt, sondern werden unsere Bemühungen weiter intensivieren.“

Die Initiative „Teachers for Future“, in der sich Lehrerinnen und Lehrer zusammengeschlossen haben, um für eine stärkere Klimabildung einzutreten, wünscht sich daher auch, BNE-Themen stärker und vor allem auch fächerübergreifend zu behandeln.

Umfrage zur Klimabildung in der Schule

Im September 2021 haben wir gefragt, ob es an Ihrer Schule eine fächerübergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel gibt. Hier das Ergebnis der Umfrage:

53 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen.

Ideen für Projekte an Schulen

Wir haben auch in unserem Newsletter und im #Twitterlehrerzimmer gefragt, welche klimafreundlichen Maßnahmen und Projekte bereits an Schulen umgesetzt werden. Schreiben Sie uns auch gern, welches fächerübergreifende Konzept oder Projekt Sie zum Thema Klimawandel und Klimaschutz an Ihrer Schule umsetzen. Spannend ist dabei auch zu erfahren, welche Erfahrungen Sie in welcher Klassenstufe gemacht haben. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar – entweder direkt unter diesem Beitrag oder bei Twitter und Facebook!

Ein Lehrer der Heinz-Brandt-Schule in Berlin hat zum Beispiel geschrieben:
„Wir haben an der Heinz-Brandt-Schule einen schulischen Projekttag ,Global Goals’ für die Jahrgänge 7 und 8 eingeführt. Nach Einführung in die Nachhaltigkeitsziele der UN arbeiten die Schüler:innen in selbstgewählten Projekten zu den Nachhaltigkeitszielen. Dies sorgt inhaltlich zum einen für eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Problemen der Zukunft bei hoher Lernmotivation. Methodisch hat diese Herangehensweise zudem den Vorteil, dass die Schüler:innen in echten Projekten arbeiten, sich also Problemstellung und Lösungsweg selbst kreativ erschließen müssen. Dies funktioniert nur mit den zuletzt vielgepriesenen 4K (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken) der Bildung des 21. Jahrhunderts, weil es wirklicher Projektunterricht ist. Wir verbinden also Zukunftsthemen mit Arbeitsweisen der Zukunft, da wir denken, dass man die Herausforderungen der Zukunft nicht durch die Bearbeitung irgendwelcher Arbeitsblätter bewältigen kann.”

Und hier Beiträge auf Twitter:

Arbeitsmaterialien zum Thema

Auf dem Deutschen Bildungsserver finden Sie eine Linksammlung zu vielfältigen Materialien für Schule und Unterricht rund um das Thema Klimabildung.

Mehr zum Thema

Im Internet gibt es viele Materialien, Filme und Anregungen für Klimabildung im Unterricht – hier einige Quellen:

  • Klima-App: Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat für Schülerinnen und Schüler eine Klima-App entwickelt. Dank Augmented Reality steht man damit plötzlich in einem brennenden Wald oder in den Wassermassen der Flut im Ahrtal. Junge Menschen aus NRW schildern ihr Leben mit dem Klimawandel, aber erzählen auch, wie sie selbst aktiv werden. Ein Teil der Klima-App ist ein interaktives Spiel, bei dem Nutzerinnen und Nutzer in die Unterwasserwelt eintauchen und Plastikmüll aus dem Meer fischen. Die App ist als Ergänzung für den Unterricht konzipiert und richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren.
  • „Public Climate School“: Die studentische Initiative veranstaltet zweimal im Jahr Aktionswochen. Dort wird ein breites Programm speziell für Grundschulen und weiterführende Schulen angeboten. Es gibt Livestreams, aber auch Unterrichtseinheiten, die zu beliebigen Zeiten abgerufen werden können. Abrufbar sind auch noch Unterrichtseinheiten früherer Aktionswochen.
  • Grips Theater: Das bekannte Kinder- und Jugendtheater in Berlin hat für Schulen ein „Klima-Power-Paket” für Kinder ab 9 Jahren geschnürt: Es bietet einen spielerischen Einstieg in das Thema Klimaschutz und Klimawandel. Alle Übungen zielen darauf ab, Kinder darin zu stärken, ihre Handlungsfähigkeit in Bezug auf die kleinen und großen Themen und Fragen rund um Klimawandel und Klimaschutz zu entdecken und selbst aktiv zu werden. Die unterschiedlichen Übungen können Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Klassen auch im digitalen Raum durchführen. Das Klima-Power-Paket steht hier zum Download bereit.
  • Der Schulbuch-Verlag Westermann hat ein neues Format #WirHandeln entwickelt, das  Schülerinnen und Schüler ins Nachhaltigkeitshandeln bringen will. Auf der Website zum Thema gibt es Best-Practice-Beispiele zu den 17 Sustainable Development Goals und Tipps, wie Schülerinnen und Schüler Projekte entwickeln und umsetzen können.
  • Mit einem neuen Programm will die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate Schulen in Nordrhein-Westfalen bei der Umsetzung von Themen zum Klimaschutz unterstützen. Lehrkräfte können dabei zum Beispiel für die Klassen 5 bis 10 eine Doppelstunde mit einem Referenten buchen. Darin bauen Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf und sechs etwa ein Modell-Wasserrad. Beim Angebot KlimaTeens für die Klassen 7 bis 9 erfahren Jugendliche etwas über verschiedene Kunststoffarten, Herstellungs-, Entsorgungs- und Recyclingprozesse. Die Angebote eignen sich für alle weiterführenden Schulen und alle Fächer mit naturwissenschaftlichem Bezug, sagte eine Sprecherin bei der Vorstellung des Programms im August 2022. Mehr zum Angebot gibt es hier.