Klimabildung : Wie setzt sich Ihre Schule mit der Klimakrise auseinander?

Am 24. September stand das Thema Klimabildung wieder besonders im Fokus. Mehrere Bündnisse hatten wieder zum globalen Klimastreik aufgerufen. Bis kurz vor Beginn  waren allein in Deutschland 471 Aktionen von „Fridays for Future“ angekündigt. Den Klimastreik nimmt das Schulportal zum Anlass, zu schauen, wie Schulen sich mit der Klimakrise auseinandersetzen. Und wie ist es an Ihrer Schule? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Annette Kuhn 17. September 2021 Aktualisiert am 28. September 2021 1 Kommentar
Klimabildung Demonstrationen
In vielen Städten wie hier in München haben sich Tausende Menschen am achten globalen Klimastreik beteiligt und für effektive Maßnahmen demonstriert, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
©Sven Hoppe/dpa
Klimabildung Schülerinnen beim Klimastreik
Viele Schilder der meist jungen Demonstrantinnen und Demonstranten stimmen nachdenklich, wie dieses in Potsdam...
©Monika Skolimowska/dpa
Klimastreik september 2021
... und auch dieses bei einer Demonstration in Frankfurt am Main.
©Boris Roessler/dpa

Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit Greta Thunberg zum ersten Mal mit ihrem Schild „Skolstrejk för Klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm saß. Es war der 20. August 2018, der erste Schultag nach den Sommerferien, ein Freitag. Was dann passierte, ist bekannt. „Fridays for Future“ ist heute eine globale Bewegung, die Millionen vor allem junger Menschen mobilisiert.

Klimabildung Greta Thunberg bei Fridays for Future
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (M.) hat am 24. September 2021 an einer Demonstration von „Fridays for Future“ in Berlin teilgenommen.
©Jörg Carstensen/dpa

Pandemiebedingt fiel der Protest auf der Straße in den vergangenen 18 Monaten leiser aus, aber am 24. September 2021 fand der inzwischen achte globale Klimastreik wieder überwiegend auf der Straße statt. Allein in Deutschland hatten die Organisatorinnen und Organisatoren von „Fridays for Future“ auf ihrer Website im Vorfeld  471 Aktionen angekündigt. Die größten Demonstrationen fanden In Berlin, Hamburg, Köln und Freiburg statt. In Berlin war auch die Aktivistin Greta Thunberg beim Klimastreik dabei.

Unumstritten ist der Schulstreik von Schülerinnen und Schülern nicht. „Wir lehnen es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen – etwa im Rahmen eines sogenannten Klimastreiks – aufgehoben wird”, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies darauf, dass auch in der Schule Zeichen gegen den Klimawandel gesetzt werden könnten – „ohne dafür den Unterricht zu schwänzen“.

Deutschland verpflichtet sich zur Förderung der Klimabildung

Doch was hat die Bewegung bislang tatsächlich erreicht? Die schwedische Klimaaktivistin hat am dritten Jahrestag ihrer ersten Protestaktion eine ernüchternde Bilanz gezogen: „Seitdem ist nicht viel passiert. Wir haben immer noch eine Klimakrise, die Emissionen steigen an.“

Auch in den Schulen ist Klimabildung aus Sicht von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivsten nicht ausreichend verankert. Zwar hat sich Deutschland 2015 mit der Unterzeichnung der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen (UN) zur Förderung einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) verpflichtet. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel.

Keine Standards zur Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen

Doch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede, wie das Thema BNE in die Lehrpläne integriert und in den Schulen umgesetzt wird. In einigen Fächern würden zwar Aspekte des Klimawandels behandelt, einheitliche Standards für die Klimabildung an Schulen und die Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen gebe es aber nicht, so Gerhard de Haan, Leiter des Instituts Futur, dem Arbeitsbereich für erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin. Oft gebe es dafür auch zu wenig Platz in den Bildungsplänen, wird de Haan, der auch wissenschaftlicher Berater der Nationalen Plattform BNE ist, in der Deutschen Welle zitiert.

In Berlin hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im August 2021 einen Beirat eingesetzt, in dem unter anderem „Fridays for Future“, der Landesschülerausschuss und die Jugendorganisation des BUND vertreten waren. Gemeinsam haben sie eine Mustervorlage für Klimavereinbarungen erarbeitet, die vor allem von Schülerinnen und Schülern ausgestaltet werden sollen. So können langfristige Klimaschutzprojekte in Schulen und kurzfristig umsetzbare Klimaschutzideen festgelegt werden, mit denen sich zum Beispiel Strom sparen, Müll vermeiden, Plastik verwerten oder Schulgebäude energetischer gestalten lassen.

Ich bin überzeugt: Mehr Klima-Bildung wird auf längere Sicht zu weniger CO₂-Ausstoß führen.
Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ruft dazu auf, der Klimabildung in der Schule ein stärkeres Gewicht zu verleihen. Im Mai sagte sie zum offiziellen Auftakt für die nächste Dekade zur weltweiten Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen: „Ich bin überzeugt: Mehr Klima-Bildung wird auf längere Sicht zu weniger CO₂-Ausstoß führen.“ Zwar sei Deutschland aus ihrer Sicht ein Vorreiter beim Ziel, Bildung für nachhaltige Entwicklung breit zu verankern. Zugleich betonte Karliczek aber: „Wir sind noch nicht am Ende angelangt, sondern werden unsere Bemühungen weiter intensivieren.“

Die Initiative „Teachers for Future“, in der sich Lehrerinnen und Lehrer zusammengeschlossen haben, um für eine stärkere Klimabildung einzutreten, wünscht sich daher auch, BNE-Themen stärker und vor allem auch fächerübergreifend zu behandeln.

Und wie sieht es an Ihrer Schule mit der Klimabildung aus: Gibt es eine fächerübergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema Klimawandel?

Machen Sie bis zum 9. Oktober bei unserer Umfrage mit!

Umfrage zur Klimabildung in der Schule

53 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen.

Ideen für Projekte an Schulen

Wir haben auch in unserem Newsletter und im #Twitterlehrerzimmer gefragt, welche klimafreundlichen Maßnahmen und Projekte bereits an Schulen umgesetzt werden. Schreiben Sie uns auch gern, welches fächerübergreifende Konzept oder Projekt Sie zum Thema Klimawandel und Klimaschutz an Ihrer Schule umsetzen. Spannend ist dabei auch zu erfahren, welche Erfahrungen Sie in welcher Klassenstufe gemacht haben. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar – entweder direkt unter diesem Beitrag oder bei Twitter und Facebook!

Ein Lehrer der Heinz-Brandt-Schule in Berlin hat zum Beispiel geschrieben:
„Wir haben an der Heinz-Brandt-Schule einen schulischen Projekttag ,Global Goals’ für die Jahrgänge 7 und 8 eingeführt. Nach Einführung in die Nachhaltigkeitsziele der UN arbeiten die Schüler:innen in selbstgewählten Projekten zu den Nachhaltigkeitszielen. Dies sorgt inhaltlich zum einen für eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Problemen der Zukunft bei hoher Lernmotivation. Methodisch hat diese Herangehensweise zudem den Vorteil, dass die Schüler:innen in echten Projekten arbeiten, sich also Problemstellung und Lösungsweg selbst kreativ erschließen müssen. Dies funktioniert nur mit den zuletzt vielgepriesenen 4K (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken) der Bildung des 21. Jahrhunderts, weil es wirklicher Projektunterricht ist. Wir verbinden also Zukunftsthemen mit Arbeitsweisen der Zukunft, da wir denken, dass man die Herausforderungen der Zukunft nicht durch die Bearbeitung irgendwelcher Arbeitsblätter bewältigen kann.”

Und hier Beiträge auf Twitter:

Mehr zum Thema

Im Internet gibt es viele Materialien, Filme und Anregungen für Klimabildung im Unterricht – hier einige Quellen:

  • „Teachers for future”: Die Initiative hat vom 20. bis 24. September 2021 eine „Aktionswoche Klima“ angekündigt. Lehrerinnen und Lehrer können sich hier auch vernetzen und kostenlos Arbeitsmaterialien und Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung herunterladen. Dabei werden verschiedene Niveaus angeboten.
  • „Public Climate School“: Die studentische Initiative veranstaltet vom 22. bis 26. November ihre nächste Aktionswoche. Dort wird ein breites Programm speziell für Grundschulen und weiterführende Schulen angeboten. Es gibt Livestreams, aber auch Unterrichtseinheiten, die zu beliebigen Zeiten abgerufen werden können. Abrufbar sind auch noch die Unterrichtseinheiten der letzten Aktionswoche von Mai 2021.
  • Grips Theater: Das bekannte Kinder- und Jugendtheater in Berlin hat für Schulen ein „Klima-Power-Paket” für Kinder ab 9 Jahren geschnürt: Es bietet einen spielerischen Einstieg in das Thema Klimaschutz und Klimawandel. Alle Übungen zielen darauf ab, Kinder darin zu stärken, ihre Handlungsfähigkeit in Bezug auf die kleinen und großen Themen und Fragen rund um Klimawandel und Klimaschutz zu entdecken und selbst aktiv zu werden. Die unterschiedlichen Übungen können Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Klassen auch im digitalen Raum durchführen. Das Klima-Power-Paket steht hier zum Download bereit.