Digitale Kompetenzen : Wie andere Länder „Computational Thinking“ lehren

Die internationale Vergleichsstudie ICILS 2018 lenkt die Aufmerksamkeit auf den relativ neuen Bildungsbereich „Computational Thinking“ (CT) an Schulen. Der Kompetenzbereich umfasst das Verständnis von Problemlösungsprozessen und deren Verarbeitung in Algorithmen für ein digitales System. In elf europäischen Ländern ist „Computational Thinking“ bereits seit 2016 in den Lehrplänen verankert. Das Schulportal hat sich einige Länder genauer angesehen.

Florentine Anders / 06. November 2019
zwei Schülerinnen arbeiten an einem Laptop
Der Bildungsbereich „Computational Thinking“ beinhaltet unter anderem das Verstehen und Anwenden von Algorithmen.
©dpa

Österreich: Im österreichischen Lehrplan ist die digitale Grundbildung seit 2018 verbindlich im Lehrplan vorgesehen. Die Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen, umfassen explizit auch den Bereich „Computational Thinking“. Insbesondere sind die beiden Teilbereiche „Mit Algorithmen arbeiten“ und „Kreative Nutzung von Programmiersprachen“ im Lehrplan verankert. Das beinhaltet zum Beispiel für die ersten Jahrgänge der weiterführenden Schulen das Erstellen einfacher Programme, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Auch unterschiedliche Programmiersprachen sind im Lehrplan vorgesehen.

Dänemark: Die Standards für digitale Kompetenzen sind im dänischen Lehrplan in allen Fächern integriert. Das dänische Bildungsministerium hat im Sommer 2018 einen Schulversuch gestartet, an dem 46 Schulen des Landes teilnehmen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Produzenten digitaler Medien zu befähigen. Dabei wird „Computational Thinking“ als gesondertes Fach und als fächerübergreifender Ansatz erprobt.

Finnland: In Finnland sind digitale Kompetenzen fächerübergreifend im Lehrplan integriert. Spezielle Kurse zum Programmieren werden wahlweise in den Jahrgangsstufen acht und neun angeboten. In Mathematik wurden seit 2014 auch Standards zum „algorithmischen Denken“ für die Jahrgangsstufen sieben bis neun aufgenommen. Dazu gehört unter anderem das Entdecken von Mustern, das Verstehen von Algorithmen und das Programmieren. Die in der ICILS-Studie 2018 getesteten Schülerinnen und Schüler wurden jedoch noch nach den alten Lehrplänen unterrichtet.

Deutschland: In einigen Bundesländern sind Teilkompetenzen aus dem Bereich „Computational Thinking“ im Informatikunterricht verankert, allerdings nicht verpflichtend. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat den neuen Kompetenzbereich „Algorithmen erkennen und formulieren“ in der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ bereits 2016 aufgenommen, doch an der Umsetzung in den Lehrplänen wird in den Ländern noch gearbeitet. In der Studie ICILS 2018 formulieren die Autorinnen und Autoren die Handlungsempfehlung für Deutschland, länderübergreifende Rahmenvorgaben und länderspezifische Curricula für den Bereich „Computational Thinking“ zu entwickeln.

Mehr zum Thema

  • In der am 5. November veröffentlichten Studie ICILS 2018 wurde erstmals der Bereich „Computational Thinking“ in verschiedenen Ländern unter die Lupe genommen.
  • Die Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland lagen in der Leistungsvergleichsstudie im Mittelfeld.
  • Besonders gute Ergebnisse in diesem Bereich hatten die Schülerinnen und Schüler in den Ländern Republik Korea, Dänemark und Finnland.
  •  Jungen erreichen im Bereich „Computational Thinking“ in Deutschland etwas bessere Ergebnisse als Mädchen.