Dieser Artikel erschien am 22.01.2019 auf SPIEGEL ONLINE

Technik aus den USA : Stirnband misst Aufmerksamkeit von Schülern

Konzentriert bei der Sache? Lehrer in China konnten das auf einen Blick sehen: Ihre Schüler trugen bei einem Test Stirnbänder, die ihre Aufmerksamkeit anzeigten. Die Technik aus den USA soll Schülern angeblich helfen.

EEG-Stirnbänder der Firma BrainCo (Firmenbild)
EEG-Stirnbänder der Firma BrainCo (Firmenbild)
©BrainCo

Bei dieser Technik nützt kein Schauspielern mehr: Etwa 10.000 Schüler in China haben bei einen groß angelegten Test im Unterricht Stirn­bänder getragen, die die Aktivität ihres Gehirns maßen. Das berichtet die wissen­schaftliche Fach­zeit­schrift „New Scientist“.

Die Lehrer konnten demnach auf einer App die durch­schnittliche Aufmerksamkeits­spanne ihrer Schüler sehen. Außerdem zeigten unter­schiedlich farbige Lämpchen an den EEG-Stirnbändern an, ob die Schüler konzentriert bei der Sache waren.

Die Technik dafür stammt dem Bericht zufolge von der im US-Bundes­staat Massachusetts ansässigen Firma BrainCo. Dessen Gründer Bicheng Han sagte, das Gerät helfe Lehrern zu erkennen, welche Schüler besondere Unter­stützung benötigten.

Angebliche Förderung der Konzentration

Die Schüler im Alter von 10 bis 17 Jahren, die an dem Test teilnahmen, mussten zu Hause zudem täglich 25 Minuten ein bestimmtes Handy­spiel spielen. Das sollte ihre Konzentrations­fähig­keit erhöhen.

„Nach einigen Runden lernen sie, wie man konzentriert bleibt“, sagte Han dem „New Scientist“. Je mehr sie sich konzentrierten, desto weiter kamen sie im Spiel voran. Han zufolge haben die Studien­teil­nehmer ihre Noten um zehn Prozent verbessert. Außerdem hätten sie weniger Zeit für die Hausaufgaben gebraucht.

Ethische und wissen­schaftliche Bedenken

Neben ethischen Bedenken wegen der Überwachung der Schüler äußern Wissen­schaftler auch Zweifel an der Aus­sage­kraft der Daten. Dem Bericht zufolge kann die Aufmerk­samkeit mittels der Hirn­ströme nicht exakt bestimmt werden. Auch eine Verbesserung der Leistung lasse sich nicht belegen. Hierbei handele es sich oftmals um einen Placebo-Effekt.

Brian Anderson von der Texas A&M University brachte noch einen weiteren Kritik­punkt an: „Was ist, wenn die Schüler sehr klug sind, so dass sie nicht so viel Aufmerksamkeit brauchen, um etwas zu verstehen?“ Diese Schüler hätten aus Sicht der Lehrer dann einen besonderen Unter­stützungs­bedarf.

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