Dieser Artikel erschien am 28.12.2018 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Kurioser Wunsch : Steht Schafkopf bald im bayerischen Lehrplan?

Der Bayerische Philologenverband überrascht zum Jahresende mit einer interessanten Idee: Ein traditionelles Kartenspiel soll an Schulen des Freistaats einen festen Platz bekommen. Warum nur?

Kartenspiel
Ein echt mieses Schafkopf-Blatt - kein einziger Trumpf auf der Hand.
©dpa

Schafkopf gehört zu Bayern wie Bier und Brezn. Kaum eine Familie, in der das Karten­spiel für vier Mit­spieler nicht wenigstens an Weihnachten hervor­geholt wird und denk­würdige Sprüche fallen wie „Schneider sind auch nur Leut’“ oder „quod lumen lumen“ (sehr frei über­setzt: „Was licht (liegt), das licht.“)

Doch in den jüngeren Generationen scheint die Beliebtheit rapide abzunehmen. Das legt zumindest der Wunsch des Bayerischen Philologen­verbands nahe, über den nun die dpa berichtet.

Denn geht es nach dem Verband, sollte Schafkopf künftig eine Art Schul­fach werden und in den Stunden­plan integriert werden, beispiels­weise in Form eines Turniers.

Kein Platz mehr in den Familien

Weniger Schüler als früher spielten inzwischen das traditionelle Karten­spiel, erklärte der Vorsitzende Michael Schwägerl. Schafkopf müsse daher an den Schulen gefördert werden.

„Wir wünschen uns, dass das Kartenspiel gerade in digitalen Zeiten wieder mehr an Bedeutung gewinnt, auch in der Schule“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes der Lehr­kräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen.

Für Schwägerl ist ein Grund für die Entwicklung, dass „das Spiel in den Familien nicht mehr gespielt und damit nicht mehr gelernt wird.“ Zwar gebe es Apps zum Schafkopfen, aber der Reiz liege in der Interaktion der Spieler unter­einander.

Schafkopf fördert viele Kompetenzen

In Zeiten der globalisierten Welt, so der Verband­vorsitzende, gebe es eine Rückbesinnung auf Heimat und Tradition, dazu zählten auch Spiele wie Schafkopf. „Nicht zuletzt ist es in ganz Bayern verbreitet, vereint also Franken, Schwaben und Altbayern in Form eines Spiels und ist somit Abbild der Vielfalt und Einheit Bayerns.“

Unterstützung bekommt Michael Schwägerl für seine Forderung vom Augsburger Schulpädagogik-Professor Klaus Zierer. „Der Bildungs­gehalt des Schafkopfs ist nicht hoch genug einzuschätzen“, erklärte er in einer Mitteillung des Philologen­verbandes.

Mathematische, soziale und strategische Kompetenzen

Schüler könnten mit dem Kartenspiel unter anderem mathematische, soziale und strategische Kompetenzen erlernen. Für den Stunden­plan wäre die Organisation eines Schafkopf-Turniers eine Möglichkeit, sagte Zierer. „Dem Bildungs- und Erziehungs­auftrag wird dabei in einem umfassenden Sinn nachgekommen.“

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, begrüßte den Vorschlag. „Ich freue mich immer, wenn Jugendliche in den Pausen nicht am Handy rumdaddeln oder Haus­aufgaben abschreiben, sondern sich miteinander beschäftigen. Das Schafkopfen kann da viel Freude bereiten und hat eine lange Tradition in Bayern“, sagte der Direktor des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk.

Zustimmung von bayerischem Kultus­minister

Das Kartenspiel könne unter anderem als Wahlfach an den Schulen angeboten werden. Für Kultus­minister Michael Piazolo (Freie Wähler) ist Schafkopf eine gute bayerische Tradition.

„Ich freue mich, wenn Schafkopf und andere bayerische Kartenspiele einen Platz im Schul­leben haben – sei es in Arbeits­gemein­schaften oder bei entsprechenden Schul­veranstaltungen“, so Piazolo auf Anfrage der dpa.

Im Schulleben gebe es verschiedene Möglichkeiten, Dialekt und regionale Kultur zu pflegen, hieß es aus seinem Ministerium. Unter anderem sei das im Wahl­unterricht oder an Projekt­tagen möglich. Grund­sätzlich liege die Entscheidung, welche Schwer­punkte beim Thema regionales Brauchtum gesetzt werden, bei den Schulen selbst.