Umfrage

Grundschule : Sollten Kinder eine Schreibschrift lernen?

Viele Schulen verzichten mittlerweile auf das Erlernen der verbundenen Ausgangsschrift – auch Schreibschrift genannt – und setzen stattdessen auf die Grundschrift, die auf den Druckbuchstaben basiert. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Florentine Anders / 22. Dezember 2020 / 3 Kommentare
©Pia Bublies

Dass Kinder in der Grundschule Schreiben  lernen sollen, ist unumstritten. Doch um das „Wie“ ist seit Jahren eine kontroverse Diskussion im Gange. Ein Grund für die Debatte sind die unterschiedlichen Vorgaben dazu in den Bundesländern. Viele Schulen verzichten mittlerweile auf das Erlernen der verbundenen Ausgangsschrift (Schreibschrift) und setzen stattdessen auf die  Grundschrift, die auf den Druckbuchstaben basiert. Ohnehin lernen die Kinder in der Schule zuerst die Druckbuchstaben. Der zweite Schritt –  das Erlernen der Schreibschrift – ist mühsam, zeitaufwendig und bringt aus der Sicht der Wissenschaft wenig. Die Bildungsstandards der KMK geben vor, dass Schülerinnen und Schüler eine individuelle „gute lesbare Handschrift flüssig schreiben”.

Welche Schreibschrift in der Grundschule?

Je nach Bundesland und Lehrkraft erlernen die Kinder in der Grundschule die Lateinische Ausgangsschrift, die Vereinfachte Ausgangsschrift, die Schulausgangsschrift oder die Grundschrift.

Was ist die Lateinische Ausgangsschrift (LA)?
Die Lateinische Ausgangsschrift wurde 1953 in Deutschland eingeführt. Die verschnörkelte Schrift mit vielen Drehrichtungswechseln vor allem bei den Großbuchstaben ist für viele Kinder schwer zu erlernen. Bei der Lateinischen Ausgangsschrift wird eine maximale Verbundenheit angestrebt.

Lateinische Ausgangsschrift 1953
Lateinische Ausgangsschrift 1953
©Wikimedia Commons/Vfol/CC BY-SA 4.0

Was ist die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA)?
Die Vereinfachte Ausgangsschrift wurde 1969 entwickelt. Grundlage bietet die Lateinische Ausgangsschrift. Ziel war es, auf unnötige Schnörkel zu verzichten, um die Schrift einfacher erlernbar zu machen.

Vereinfachte Ausgangsschrift
Vereinfachte Ausgangsschrift
©Wikimedia Commons/gemeinfrei_
Schulausgangsschrift 1968
Schulausgangsschrift 1968
©Wilkimedia Commons/Tost, Renate/CC BY-SA 4.0

Was ist die Schulausgangsschrift (SAS)?
Die Schulausgangsschrift wurde 1968 in der DDR eingeführt, sie wird aber heute auch in eingen westlichen Bundesländern erlernt. Auch die Schulausgangsschrift ist eine vereinfachte Schreibschrift. Die Großbuchstaben orientieren sich an den Druckbuchstaben. Ziel war es, ohne den Umweg über die Druckschrift, von Anfang an eine Schreibschrift in der Grundschule zu erlernen

Was ist die Grundschrift?
Die Grundschrift wurde im Auftrag des Grundschulverbandes entwickelt und 2010 als Konzept vorgestellt. Ziel ist es, dass die Kinder aus den Druckbuchstaben eine individuelle, lesbare und flüssige Handschrift entwickeln. Nicht alle Buchstaben müssen dabei verbunden sein. Der Zwischenschritt über das Erlernen einer verbundenen Ausgangsschrift entfällt. In einigen Bundesländern wie Hamburg oder Bremen, können die Schulen auch die Grundschrift wählen.

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

Hamburger Druckschrift
Hamburger Druckschrift 2011
©Wikimedia Commons/gemeinfrei

Faktencheck Schreibschrift oder Tastatur?

Als wäre es nicht schwierig genug, zwischen den vier Varianten zu unterschieden, wird inzwischen auch diskutiert, ob es nicht sinnvoller wäre in der Grundschule zunächst das Schreiben mit der Tastatur zu erlernen. Schließlich machen viele Kinder schon vor der Einschulungen Erfahrungen mit der Tastatur. Dort könnte man beim Schreibenlernen in der Grundschule ansetzen.

Um die Debatte über den Stellenwert der Handschrift zu versachlichen, hat das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache nun einen Faktencheck „Handschrift in der digitalisierten Welt“ veröffentlicht.

In einem  Interview mit dem Schulportal sagte der Direktor des Mercator-Instituts, Michael Becker-Mrotzek dazu: „Die Schriftform macht keinen Unterschied. Das ist etwa so, als würden Sie fragen, ob das Schwimmenlernen mit roten oder blauen Schwimmflügeln besser gelingt.“ Die Schreibschrift sei auch nicht flüssiger als die Druckschrift.

Uns interessiert Ihre Meinung dazu. Stimmen Sie ab und schreiben Sie uns Ihre Meinung in der Kommentarfunktion!

120 Personen haben an der Abstimmung teilgenommen.

Umfrage

Alle Umfragen

3 Kommentare

Diskutieren Sie mit über diesen Artikel.

21.11.2019 Marie-Liesel V.

Druckschrift und Verbundene Schrift

Alles zu seiner Zeit! Im KiGa sollten ab 4 Jahren Druckbuchstaben eingeführt werden, da Kinder schon daran interessiert sind, Namen, Ortsschilder usw. i. d. Umgebung zu entziffern. Sie können Wörter mit Buchstaben legen o. stempeln. Sie sind ganz stolz auf Ihre "Werke", können ausschneiden, kneten uvm. Wenn sie anfangen zu schreiben, sollten ErzieherInnen auf d. richtige Stifthaltg+Schr.richtg. achten u. diesen sorgsam auch i. Umgang mit and. Materialien einführen. In England ist d.Usus. Es macht d. meisten Kindern Spaß. Im fr. Alter kann schon d. Bewusstein f. d. Lautierung v.Buchstaben o. Buchstabenkombin. geweckt werden. Phonemen werden bereits Grapheme zugeordnet. Mit 6 Jahren beginn man bereits mit d. Schreiblehrgang -SAS o. Lat.Ausgangsschrift - jedes Kind i. eig. Tempo u. ggfs. mit feinmot. Angeboten. Motor.Gedächtnis u.Motivation d. Schulneulinge beschleunigen d. Lernprozess. Verbund. Buchstaben bilden lesbare Silben u.Wörter i. Schreibfluss, beste LRS-Prävention!
04.10.2019 Özlem W.

„Feinmotorik“ = Förderung neurophysiologischer Entwicklungsprozesse

Die Feinmotorik (Hand-Finger-Motorik) hat großen Einfluss auf die Vernetzung neuronaler Strukturen (Gehirn, Synapsen,Nervenbahnen). Ein „Training“ der Feinmotorik im Sinne der Übung von Schreibschrift kann die neurophysiologische Entwicklung des Kindes unterstützen, indem es die für das Lernen notwendigen (Teil-)Kompetenzen „Konzentrationsfähigkeit“, Kreativität“, „Ausdauer“, „Wahrnehmung“ etc. anbahnt.Kurz:Die Feinmotorik stellt für mich das Grundgerüst für Lernprozesse dar. Die Trauerfeier mit einer Geburtstagsparty zu verwechseln, wäre natürlich äußerst peinlich und unmenschlich. Dass aber sogar die Wahl der Schriftart beim Verfassen einer Karte und somit bei der Anteilnahme solch eine entscheidende Rolle spielen soll, halte ich für überzogen. Entscheidend ist für mich (in Bezug auf die o.g. Feierlichkeiten) der Inhalt und erst dann die Verpackung (die Form)! Trotz und gerade wegen des digitalen Zeitalters, sollte wir das menschliche Können nicht so leichtfertig untergraben. LG
24.09.2019 Jean-Marc A.

Es ist ein falsches Problem

Es ist sinnvoller, die verschiedene Schriftarten und ihreBeteutungen zu erkennen. Was beteuten Comic Sans, Arial, usw. Es ist sinnvoller, dass jedes Kind seine eigene Schriftart wählt, damit er sich identifiziert. gleich sollen wir nicht denken, dass es besser ist, auf papier zu zeichnen, als alle die Sketch und Vectorprogramme zu lernen, die eigentlich mehr bringen können. Bei dem Schreibschrift lernen die Kinder, die Feinmotorik zu üben, aber am Ende wäre es besser, dass sie erkennen, warum man kein Comic Sans in einer Trauerkarte und kein Fraktur in der Einladungskarte einer Geburstagsparty nutzen soll. Wir mussen die Kenntnisse und das Wissen verbreiten. Die Geschichte der Schriftarteneinhält viel mehr als Formen. Wir sprechen von Structur, Lesbarkeit, Kunst, etc. Schreibschift ist nur eine Schriftart. aber es gibt tausenden davon. Dazu,Schreibschrift heiß mehr Papier...