Deutschunterricht : Rechtschreibung an Schulen rückt in den Fokus

Seit dem letzten Vergleichstest im IQB-Bildungstrend 2016 steht fest, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Bereich Rechtschreibung in vielen Bundesländern nicht ausreichen. Für das neue Schuljahr haben jetzt die ersten Länder eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um die Orthografie zu verbessern.

Florentine Anders / 11. Juli 2018
Die Rechtschreibung der Schülerinnen und Schüler soll besser werden – mehrere Bundesländer haben zum neuen Schuljahr dazu Maßnahmen angekündigt.
©Theodor Barth (Robert Bosch Stiftung)

Im neuen Schuljahr werden viele Schülerinnen und Schüler mehr Diktate schreiben als bisher. Angesichts der mangelhaften Ergebnisse im Bereich Rechtschreibung haben gleich mehrere Bundesländer angekündigt, das richtige Schreiben im Unterricht stärken zu wollen. Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin stellten in den vergangenen Wochen dazu didaktische Handreichungen für ihre Lehrkräfte vor. Die Ziele sind ähnlich, die Wege jedoch verschieden.

Fast ein Viertel der Schülerinnen und Schüler erreicht nicht den Mindeststandard

Auslöser für diese Rechtschreib-Offensive waren der IQB-Bildungstrend 2016, der im vergangenen Herbst vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin vorgestellt wurde. Die Vergleichstests in der vierten Jahrgangsstufe hatten ergeben, dass im bundesweiten Durchschnitt 22 Prozent der Schülerinnen und Schüler schon am Mindeststandard im Bereich Orthografie scheiterten. Nur etwas mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler (53,9 Prozent) erreichte den Regelstandard oder mehr. Im Vergleich zum Jahr 2011 haben sich die Werte im Schnitt deutlich verschlechtert. Damals waren es nur 12,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die den Mindeststandard verfehlten.

Wir müssen und wir wollen in diesem Bereich mehr tun und besser werden: Rechtschreibung ist eine Schlüsselkompetenz
Ties Rabe (SPD), Schulsenator in Hamburg

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch nach wie vor groß. Am besten fielen 2016 die Rechtschreibtests in Bayern aus. Hier lagen nur 12,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter den von der Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegten Standards. Schlusslicht war Bremen, wo sogar 40,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter dem Mindeststandard blieb. Auch Berlin, Niedersachsen und Hamburg gehörten zu den Bundesländern, die deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt lagen.

In Hamburg sollen mehr Klassenarbeiten in Rechtschreibung geschrieben werden

Hamburg, Baden-Württemberg und Berlin wollen nun gegensteuern. Der Hamburger Senator für Schule und Berufsbildung, Ties Rabe (SPD), kündete Ende Juni ein ganzes Maßnahmenpaket an: „Wir müssen und wir wollen in diesem Bereich mehr tun und besser werden: Rechtschreibung ist eine Schlüsselkompetenz“, sagte Rabe. Unterrichtsroutinen sollen verändert werden, dabei habe sich Hamburg an den Bundesländern mit besseren Rechtschreibleistungen orientiert.

Für das kommende Schuljahr hat die Schulbehörde festgelegt, dass mindestens ein Sechstel aller Deutschstunden an Grundschulen für den reinen Rechtschreibunterricht eingesetzt werden muss. Mindestens ein weiteres Sechstel der Stunden soll für das Schreiben von Texten eingesetzt werden. Außerdem wurde der Test zur Rechtschreibdiagnose überarbeitet, damit die Schülerinnen und Schüler die gefragten Wörter nicht mehr so schnell auswendig lernen können. Und alle Schülerinnen und Schüler der dritten bis achten Klassenstufen müssen in Deutsch sechs statt bisher vier Rechtschreib-Klassenarbeiten schreiben.

Baden-Württemberg setzt neuen Rechtschreibrahmen

In Baden-Württemberg hat die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Ende Juni einen neuen Rechtschreibrahmen[MO3] für die Jahrgänge eins bis zehn vorgestellt.

Unsere Schulen als zentrale Orte der Wissensvermittlung sind gefordert, die Rechtschreibung wieder stärker in den Fokus zu nehmen
Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin Baden-Württemberg

Bereits Ende 2016 hatte die CDU-Ministerin die didaktische Methode „Schreiben nach Gehör“, nach der die Kinder zunächst lautgerecht schreiben lernen, an den Grundschulen untersagt. Nun legte sie einen didaktischen Rahmen für die Klassen eins bis zehn vor.

„Unsere Schulen als zentrale Orte der Wissensvermittlung sind gefordert, die Rechtschreibung wieder stärker in den Fokus zu nehmen“, sagte Eisenmann. Der neue Rechtschreibrahmen soll die Lehrkräfte dabei unterstützen. Für die Ausarbeitung der neuen Vorgaben hat sich das Ministerium vom Rat für deutsche Rechtschreibung  und vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache wissenschaftlich beraten lassen. Der Rechtschreibrahmen bietet mit vielen Beispielen eine konkrete Unterrichtshilfe für Lehrkräfte.

Berlin sieht Erklärungsbedarf für Methode „Schreiben nach Gehör“

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte Ende Mai einen Fachbrief für das Schreibenlernen veröffentlicht und sich dabei wissenschaftliche Unterstützung von Jörg Ramseger, Bildungsforscher der Freien Universität Berlin, geholt. Anlass war die öffentliche Diskussion um die Methode „Schreiben nach Gehör“ nach dem schlechten Abschneiden von Berlin im IQB-Bildungstrend. Der Fachbrief mit zahlreichen Praxistipps für Lehrkräfte verteidigt die Methode, allerdings müsse sie richtig umgesetzt werden: Solange die Kinder noch nicht lesen können, müssen diese Fehler eigentlich nicht korrigiert werden. Um Kinder von Anfang an an Rechtschreibnormen zu gewöhnen, sollen die Wörter aber in korrekter Form vom Lehrer neben die Lautschrift des Schülers geschrieben werden, heißt es in dem Brief.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Aktuelle Browser finden Sie hier. x