Infografik

Deutsches Schulbarometer Spezial : Repräsentative Umfrage zur Aufnahme ukrainischer Geflüchteter an Schulen

Von Woche zu Woche kommen mehr geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an die Schulen in Deutschland. Wie viele sind es, und wie werden sie unterrichtet? Wie bereiten sich Schulen auf die neuen Schülerinnen und Schüler vor? Zu diesen Fragen liefert das Deutsche Schulbarometer Spezial der Robert Bosch Stiftung jetzt erstmals repräsentative Daten. Das Schulportal fasst die wichtigsten Ergebnisse der Lehrkräftebefragung in einer Infografik zusammen.

Annette Kuhn 10. Mai 2022
Schulbarometer Grafik Ukraine

Beschulung von Geflüchteten für die meisten Lehrkräfte nicht die größte Herausforderung

Die Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine stellt Schulen vor neue Aufgaben. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer sehen darin allerdings derzeit – noch – keine zentrale Herausforderung. Das zeigt die aktuelle Lehrkräftebefragung für das Deutsche Schulbarometer Spezial im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. In der Befragung, die vom 6. bis 18. April 2022 durchgeführt wurde, gaben nur 8 Prozent der Lehrkräfte die Aufnahme und Beschulung Geflüchteter aus der Ukraine als größte Herausforderung an. Bei Lehrerinnen und Lehrern ohne Leitungsfunktion sind es sogar nur 6 Prozent, bei Mitgliedern der Schulleitung liegt der Anteil bei 18 Prozent. Beide Gruppen sehen im Umgang mit der Corona-Pandemie, im Lehrermangel und der Digitalisierung deutlich größere Herausforderungen.

Knapp die Hälfte der Befragten sagt, dass es an ihrer Schule bereits Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gibt. Hier gibt es allerdings ein großes regionales Gefälle: Während nur 26 Prozent der Befragten in den ostdeutschen Bundesländern angeben, dass ihre Schule Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen hat, sind es in Nordrhein-Westfalen 52 Prozent und in den nördlichen Bundesländern sogar 63 Prozent. Im Schnitt waren zum Befragungszeitraum bis Mitte April an den Schulen, die bereits Geflüchtete aufgenommen haben, acht Schülerinnen und Schüler. Inzwischen werden es deutlich mehr sein. Während nämlich nach Zahlen der Kultusministerkonferenz Mitte April noch 61.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an den Schulen in Deutschland gezählt wurden, waren es bis Anfang Mai bereits fast 92.000.

Schulbarometer Grafik Ukraine

Die meisten Schülerinnen und Schüler lernen in Regelklassen

Bei der Art, wie die geflüchteten Kinder und Jugendliche aus der Ukraine aufgenommen werden, setzen viele Schulen offenbar stärker auf Regelklassen. Von den Lehrkräften an Schulen, die bereits Geflüchtete aufgenommen haben, gaben nur 18 Prozent an, dass die Geflüchteten ausschließlich in Vorbereitungsklassen sind. 46 Prozent sagen hingegen, dass die Kinder und Jugendlichen in Regelklassen kommen, und weitere 32 Prozent, dass die Beschulung in einer angepassten Kombination aus beiden Formen stattfindet.

Die Beschulung in Regelklassen begrüßen auch viele Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher. So beschreibt die Soziologin Juliane Karakayali, die viel zu dem Thema der Beschulung Geflüchteter geforscht hat, das Problem von Vorbereitungsklassen im Interview mit dem Schulportal: „Diese Klassen werden meist nicht aus pädagogischen Gründen, sondern aus Ressourcenmangel eingerichtet, weil es nicht genug Regelschulplätze und nicht genug Lehrkräfte gibt. Oft etablieren sich dabei Parallelsysteme, die meist mit einer zweifelhaften Bildungsqualität einhergehen, weil niemand sie wirklich kontrolliert.“

Kaum herkunftssprachlicher Unterricht

Ein Konzept zur Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit wenigen oder keinen Deutschkenntnissen hat nach Angaben der Befragten für das Deutsche Schulbarometer Spezial allerdings nicht einmal jede zweite Schule. Hier sind vor allem die regionalen Unterschiede auffällig. Während in Nordrhein-Westfalen sowie in den nördlichen Bundesländern Lehrkräfte überdurchschnittlich oft angeben, ein solches Konzept zu haben, ist das in Bayern, Baden-Württemberg und vor allem in den ostdeutschen Bundesländern weniger der Fall.

Auch herkunftssprachlicher Unterricht wird offenbar nur an einer Minderheit von Schulen angeboten. So sagen nur 23 Prozent der Befragten, dass es an ihrer Schule einen solchen Unterricht gibt. An Grundschulen ist der Anteil allerdings mit 39 Prozent deutlich höher als an Gymnasien mit 19 und beruflichen Schulen mit 9 Prozent. Dabei zeigt der neue Faktencheck zur Mehrsprachigkeit des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, dass Schülerinnen und Schüler erheblich davon profitieren, wenn in der Schule ihre Herkunftssprache gefördert wird.

Fokus auf Räumlichkeiten und zusätzlichen Lehrkräften

Die meisten befragten Lehrerinnen und Lehrer sagen, dass ihre Schule sich auf Schülerinnen und Schüler oder noch weitere Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine vorbereitet. Wichtigste Themen sind laut dem Deutschen Schulbarometer Spezial die Vorbereitung von Räumlichkeiten und die Suche nach Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Viele Schulen bemühen sich auch darum, ukrainische Lehrkräfte und/oder Übersetzerinnen und Übersetzer an die Schulen zu bekommen. Tatsächlich ist das bislang aber nur wenigen Schulen gelungen. So sagen lediglich 7 Prozent der Befragten, dass es bereits ukrainische Lehrkräfte an den Schulen gibt.

Repräsentative Umfragen zur Lage der Schulen in Deutschland

Daten zu allen Ausgaben des Deutschen Schulbarometers auf einen Blick

Mehr Daten

Das Deutsche Schulbarometer auf einen Blick

  • Im Fokus der aktuellen Befragung zum Deutschen Schulbarometer Spezial steht das Vorgehen der Schulen bei der Aufnahme und Beschulung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine. Die Befragung unter 1.017 Lehrkräften an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen wurde vom 6. bis 18. April 2022 durchgeführt.
  • Die ermittelten Ergebnisse sind unter Berücksichtigung der bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/-3 Prozentpunkte) repräsentativ für die Gesamtheit der Lehrkräfte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland.
  • Zum aktuellen Deutschen Schulbarometer Spezial hat die Robert Bosch Stiftung auch ein Factsheet veröffentlicht. Es steht hier zum Download bereit:
  • Die Robert Bosch Stiftung lässt seit 2019 regelmäßig repräsentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durchführen, die als „Deutsches Schulbarometer“ veröffentlicht werden.
  • Die erste Befragung fand im Sommer 2019 statt. Dabei wurden Eltern an Grundschulen und weiterführenden Schulen dazu befragt, wie sie die Schule ihrer Kinder sehen.
  • Das erste Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise erschien im April 2020. Im Fokus der Lehrerbefragung standen die Auswirkungen der Schulschließungen infolge der Pandemie.
  • Die zweite Befragung fand im Dezember 2020 unmittelbar vor dem zweiten Lockdown statt.
  • Im September 2021 wurden Lehrkräfte ein drittes Mal zur Situation an den Schulen in der Corona-Krise für das Deutsche Schulbarometer Spezial befragt.