Buchtipp : In neun Schritten zum unglücklichen Lehren

Jede Menge Stress und Ärger: Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich in ihrem Job oft stark belastet und gefordert. Erziehungswissenschaftler Detlef Scholz weiß, wie viel Verantwortung die Pädagoginnen und Pädagogen in ihrem Beruf übernehmen müssen und kennt die vielen Momente, die für Frustrationen verantwortlich sein können. Deshalb hat er in seinem Buch „Die Kunst des unglücklichen Lehrens“ eine Anleitung in neun Schritten entwickelt, die Lehrkräften helfen soll, dem alltäglichem Frust im Klassenzimmer zu entfliehen.

Antje Tiefenthal / 25. April 2018
Detlef Scholz fordert seine Leserinnen und Leser auf: „Schließen Sie die Augen und lassen Sie uns träumen: von Schule als einem Ort, an den (fast) alle gern kommen.“
Detlef Scholz fordert seine Leserinnen und Leser auf: „Schließen Sie die Augen und lassen Sie uns träumen: von Schule als einem Ort, an den (fast) alle gern kommen.“
©Getty Images / pinstock

35 Jahre ist es her, dass der österreichisch-amerikanische Psychologe Paul Watzlawick seine „Anleitung zum Unglücklichsein“ veröffentlichte – ein Sachbuch, das sich seitdem millionenfach verkaufte und den Lesern vor Augen führt, „was wir täglich gegen unser mögliches Glück tun“. Inspiriert von Watzlawicks Klassiker hat der Erziehungswissenschaftler Detlef Scholz nun eine entsprechende Anleitung für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt. Wer die ironischen und doppelbödigen Ratschläge in seinem Buch „Die Kunst des unglücklichen Lehrens“ wörtlich nimmt, wird garantiert an seinem Beruf verzweifeln:

  • Schritt eins: „Seien Sie immer objektiv und positionieren Sie sich – möglichst sofort!“
  • Schritt zwei: „Gehen Sie davon aus, dass andere genau das tun, was Sie erwarten!“
  • Schritt drei: „Schauen Sie nur auf die Schüler selbst – nie auf Ihre Beziehung zu ihnen!“
  • Schritt vier: „Nur was gesagt wird, zählt!“
  • Schritt fünf: „Behalten Sie immer den Überblick und die Kontrolle – vor allem über sich selbst!“
  • Schritt sechs: „Verändern Sie nie Ihr bestehendes Bild von einem Schüler!“
  • Schritt sieben: „Die Fehlerbeseitigung ist das große Ziel!“
  • Schritt acht: „Seien Sie, wie die anderen Sie brauchen – auch ohne zu wissen, wer Sie sind!“
  • Schritt neun: „Schauen Sie immer auf das Wohl Ihrer Schüler – nie auf Ihr eigenes!“

Auf einen Blick

Detlef Scholz: „Die Kunst des unglücklichen Lehrens. Eine Anleitung in neun Schritten“.
Aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“, Band 19, Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 110 Seiten, 9,95 Euro. Erschienen 2018.

Oder aber man interpretiert das Handeln Dritter als absichtsvoll und oft auch kritisch-aggressiv. „Wer Letzteres nur radikal genug annimmt, findet stets Gründe, sich verletzt, angegriffen oder entwertet zu fühlen“, zitiert der Carl-Auer Verlag seinen Autor.

Schließen Sie die Augen und lassen Sie uns träumen: von Schule als einem Ort, an den (fast) alle gern kommen.
Detlef Scholz, Erziehungswissenschaftler und Autor

Wer sich bewusst nicht an Watzlawicks Vorschläge zum Unglücklichsein hält und seine Tipps vermeidet, findet vielleicht einen Weg zum eigenen Glück. Das gleiche Prinzip gilt für Scholz’ Anti-Ratgeber und seine Anleitung in neun Schritten: Wer sich auf seinen ungewöhnlichen Denkansatz einlässt und bereit ist, das eigene Handeln zu reflektieren und aus einer neuen, vielleicht auch ungewohnten Perspektive heraus zu betrachten, kann es schaffen, dem täglichen Frust zu entkommen – und dabei sogar Spaß haben!

Zur Person

Der Autor Detlef Scholz ist Erziehungswissenschaftler, Medienpädagoge, systemischer Therapeut und psychologischer Berater. Er leitet das Kompetenzzentrum und die Beratungsstelle für exzessive Mediennutzung und Medienabhängigkeit der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern. Dabei ist Detlef Scholz landesweit zuständig für die Weiterbildung von Beratern, Therapeuten und Pädagogen im Bereich Internetsucht.

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