Primarstufe : Ideen und gute Praxisbeispiele für die Grundschule

Wie gelingt es, Kindern einen guten Start in ihre Schullaufbahn zu ermöglichen? Wie sieht guter Unterricht in den ersten Schuljahren aus? Welche Fragen stellen sich beim Übergang auf die weiterführende Schule? Welche Unterschiede gibt es in den Bundesländern? Das Schulportal beschäftigt sich mit den wichtigsten Aspekten der Grundschulzeit, hat Expertenmeinungen eingeholt und zeigt Praxisbeispiele.

Annette Kuhn 10. August 2021 Aktualisiert am 11. November 2021
Schulranzen und Kinder im Klassenraum einer Grundschule
Damit Kinder Freude am Lernen haben, müssen sie in der Grundschule gut ankommen und sich wohlfühlen.
©dpa

In der Grundschule werden die Grundlagen für die weitere Schullaufbahn gelegt und die Weichen für die individuelle Bildungskarriere gestellt. Da die Kinder oft mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen an die Schulen kommen, ist es eine große Herausforderung für Grundschulen, alle Kinder da abzuholen, wo sie stehen, und sie entsprechend zu fördern. Das Schulportal will Lehrkräfte bei dieser Aufgabe unterstützen – mit Beispielen aus der Praxis, mit Hintergrundinformationen und Anregungen für den Unterricht und Schulalltag.

Wie können Kita und Grundschule kooperieren?

Damit Kinder überhaupt gut in die Grundschule starten können, ist es hilfreich, den Übergang von der Kita in die Schule zu ebnen. Auch in der Bildungsforschung kommt diesem Aspekt mittlerweile eine immer größere Bedeutung zu. Wenn Kita und Grundschule eng zusammenarbeiten, können Lehrkräfte schon vor der Einschulung Förderbedarfe und Begabungen der Kinder erkennen. In einem Dossier hat das Schulportal dazu viele Praxisbeispiele gesammelt.

Kooperation ist aber nicht nur zwischen Kita und Grundschule wichtig. Viele Schulen arbeiten auch mit anderen Schulen oder mit Einrichtungen vor Ort zusammen, weil die sozialräumliche Verankerung die Zusammenarbeit mit den Familien erleichtert, sich Kräfte bündeln lassen und in der Zusammenarbeit von Schulen mehr Angebote realisiert werden können. Erfolgreiche Praxisbeispiele liefern zum Beispiel die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße oder die Grundschule Altenmünster in Bayern.

Wie lernen Kinder selbstgesteuertes Lernen in der Grundschule?

Gerade in der Corona-Krise ist das selbstorganisierte Lernen stärker in den Fokus gerückt. Für jüngere Schülerinnen und Schüler stellt das aber oft eine große Herausforderung dar, denn an das selbstständige Arbeiten müssen sie erst mal herangeführt werden. Dass Kinder aber durchaus schon in der Grundschule Verantwortung für ihren Lernweg übernehmen können, zeigt zum Beispiel die Grundschule auf dem Süsteresch in Niedersachsen. Hier beginnt jeder Schultag mit einer Selbstlernzeit:

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Aber kann selbstgesteuertes Lernen auch an Schulen in schwieriger Lage mit einer eher leistungsschwachen Schülerschaft gelingen? Das Schulportal hat eine Schulleiterin und einen Schulleiter zweier Hamburger Grundschulen zur Diskussion an einen Tisch geholt, die unterschiedlich dabei vorgehen.

Digitale Medien in der Grundschule

Ein weiteres Thema, das gerade während der Corona-Pandemie und der Schulschließungen zentral wurde, ist der Digitalunterricht. Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es dabei an der Grundschule? Was müssen Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht beachten?

  • Schulportal-Kolumnistin und Grundschullehrerin Sabine Czerny hält es zum Beispiel für wichtig, dass sich gerade jüngere Kinder erst mal in einem geschützten Übungsnetz bewegen, um Medienkompetenz zu entwickeln.
  • Die Hamburger Grundschule Sterntalerstraße führt Kinder an digitale Medien heran, indem sie sie selbst zu Akteurinnen und Akteuren macht. Die Schule hat in der Pandemie mit E-Books gearbeitet, in denen Erklärvideos gesammelt wurden, die die Kinder selbst erstellt haben.
  • Die Offene Ganztagsgrundschule Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen hat in der Pandemie aus der Not heraus eine einfache Stadt-App zu einer eigenen Lernwelt weiterentwickelt.

Inklusion an der Grundschule

Wenn Inklusion nicht in der Grundschule gelingt – wie soll sie es dann in der weiterführenden Schule? Die Otfried-Preußler-Schule in Hannover, die 2020 den Deutschen Schulpreis gewonnen hat, verinnerlicht Inklusion in allen Bereichen und betrachtet sie als große Bereicherung. „Wenn das Wort ,Inklusion‘ gar nicht mehr benutzt wird, dann fühlt es sich richtig an“, sagte eine Lehrerin der Schule beim Besuch der Jury des Deutschen Schulpreises.

Wie aufwendig aber die Entwicklung zu einer inklusiven Schule ist, zeigt die Langzeit-Reportage über die Meusebach-Grundschule in Brandenburg. Das Schulportal hat die Schule auf diesem Weg begleitet:

Inklusion setzen viele Schulen auch in jahrgangsgemischten Klassen um. An der Jenaplan-Schule, einer Gemeinschaftsschule in Jena, wird an diesem Prinzip über die Grundschulzeit hinaus bis zur Oberstufe festgehalten – mit Erfolg, wie dieser Film zeigt:

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Demokratie leben – wie sieht das an der Grundschule aus?

Viele Schulen machen vor, wie schon junge Schülerinnen und Schülern an der Gestaltung der Schule beteiligt werden können. Das Schulportal hat sich hier einige Beispiele angeschaut:

  • An der Marktschule in Bremerhaven übernehmen Kinder Verantwortung, arbeiten bei vielen Aufgaben mit den Erwachsenen in Teams zusammen und lernen auf diese Weise demokratische Teilhabe.
  • In der Waldschule Flensburg erlernen Kinder Methoden, mit denen sie eigenständig Konflikte lösen und Streit schlichten können.
  • In der Grundschule Gau-Odernheim in Rheinland-Pfalz können Kinder wichtige Fragen der Schulentwicklung im Kinderparlament mitentscheiden. Auch ihre Lernwege gestalten sie weitgehend selbstbestimmt.
  • In der Grundschule St. Michael im Saarland spricht jedes zweite Kind kein Deutsch oder hat größere Sprachprobleme. Dennoch schafft es die Schule, allen Schülerinnen und Schülern im Klassenrat eine Stimme zu geben. An der Schule wird das Projekt „Wir lernen Demokratie“ Schritt für Schritt umgesetzt, um Kinder stärker am Schulleben zu beteiligen.

Interessante Projekte für Grundschulen

Es gibt viele Projekte, die Kindern Lernerfahrungen an einem außerschulischen Ort ermöglichen und sie Fächer und Themen neu erleben lassen. Das Schulportal stellt auch Projekte vor, die sich gezielt an Grundschulkinder richten. Hier zwei Beispiele:

  • Die GemüseAckerdemie ist ein nachhaltiges Projekt, bei dem Kinder etwas über gesunde Ernährung erfahren und selbst zu Gemüsebauern werden. Wir haben eine Grundschule in Brandenburg besucht, die mit der GemüseAckerdemie zusammenarbeitet.
  • Wie spannend Mathematik sein kann und wie viel das Fach mit der eigenen Lebenswelt zu tun hat, erfahren Grundschulkinder im Programm „Mathe.Forscher“. Wie die Umsetzung in der Praxis aussieht, hat das Schulportal an der Heidelberger  Wilckensschule erlebt:

Die wichtigsten Fragen zur Grundschule

Wann beginnt die Schulpflicht?

Die Schulpflicht in Deutschland greift, wenn Kinder das sechste Lebensjahr vollendet haben. Der Stichtag ist in den Bundesländern allerdings unterschiedlich festgelegt. In der Hälfte der Länder ist der 30. Juni bzw. in Hamburg der 1. Juli der Stichtag. Für alle Kinder, die bis dahin ihren sechsten Geburtstag hatten, beginnt die Schulzeit im selben Jahr. Es können aber auch jüngere Kinder eingeschult werden, das sind dann sogenannte „Kann-Kinder“. In einigen Ländern ist für eine vorzeitige Einschulung ein Gutachten erforderlich.

In einigen Ländern weicht der Stichtag allerdings ab: In Baden-Württemberg gilt als Stichtag der 31. Juli, in Thüringen der 1. August, in Rheinland-Pfalz der 31. August, in Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen der 30. September. In Berlin wurde der Stichtag eine Zeitlang sogar auf den 31. Dezember gelegt.

Bevor die Kinder eingeschult werden, wird ihre Schulfähigkeit bei einer Schuleingangsuntersuchung von einer Schulärztin oder einem Schularzt überprüft. Mit einem entsprechenden schulärztlichen Gutachten kann ein Kind ein Jahr zurückgestellt werden, das heißt, es kommt dann ein Jahr später zur Schule.

Nicht nur für die Kinder, auch für Eltern ist der Eintritt in die Schule meist ein großer Schritt. Und die Ablösung fällt nicht leicht, wie Schulportal-Kolumnistin Sandra Garbers in ihrem Beitrag zur Einschulung beschreibt.

Wie lange dauert die Grundschulzeit?

Die Grundschule dauert in Deutschland in der Regel vier Jahre. Nur in Berlin und Brandenburg erfolgt der Wechsel auf die weiterführende Schule erst nach sechs Jahren.

Wer entscheidet über den Schulübergang nach der Grundschule?

In den meisten Ländern gibt der Elternwille den Ausschlag, auf welche weiterführende Schule ein Kind nach der Grundschule wechselt. Nur in wenigen Ländern hat die Grundschulempfehlung der Lehrkräfte ein höheres Gewicht. In einer Umfrage auf dem Schulportal hat sich allerdings die Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Entscheidung von der Grundschulempfehlung abhängig gemacht werden sollte.

Die unterschiedlichen Verfahren in den Ländern hat das Schulportal in einer großen Infografik dargestellt. Die Grafik und weitere Beiträge zum Übergang auf die weiterführende Schule sind in diesem Dossier gesammelt:

Was sollen Kinder in der Grundschule lernen?

Einen Überblick über die Lehrpläne für die Grundschule in den einzelnen Ländern bietet das Informationsportal Bildungsserver. In erster Linie lernen Kinder in der Grundschule Rechnen, Schreiben und Lesen. Im Fokus stehen die Fächer Deutsch und Mathematik, aber die Kinder bekommen auch Grundkenntnisse in weiteren Fächern vermittelt: Sachunterricht, Kunst, Musik, Sport, Religion/Ethik, Fremdsprachenunterricht (ab Klasse 1 oder Klasse 3) gehören zum Fächerkanon. Neben den fachlichen Inhalten geht es in der Grundschule natürlich auch um den Erwerb sozialer Kompetenzen.

Die Kultusministerkonferenz gibt einen Überblick über Bildungsstandards und Empfehlungen zur Arbeit in der Grundschule.

Kontrovers diskutiert werden immer wieder die Methoden, wie Kinder Basiskompetenzen am besten erlernen. Das Schulportal bildet den aktuellen Stand dazu in diesen Dossiers ab:

  • Dossier: Wie lernen Kinder richtig Lesen? Die Lesekompetenz lässt bei Schülerinnen und Schülern nach, wie die jüngste PISA-Studie ergeben hat. Welche Schülerinnen und Schüler sind besonders betroffen? Wie können Schulen darauf reagieren? Das Schulportal hat diese und weitere Fragen in verschiedenen Beiträgen beleuchtet und in diesem Dossier zusammengefasst.
  • Dossier: Wie Kinder besser Mathe lernen Für viele Kinder und Jugendliche ist Mathe ein ungeliebtes Fach und für einige ist es sogar mit Angst verbunden. Warum ist das so? Brauchen Schülerinnen und Schüler einen anderen Mathe-Unterricht, und welche neuen Ansätze gibt es da? Das Schulportal hat dazu Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft befragt und stößt Diskussionen an.

Ein Streitthema in der Grundschule ist auch das Thema Schreibenlernen. Dabei geht es oft um die umstrittene Methode Schreiben Schreiben nach Gehör.  Und Stoff für Diskussionen bietet auch das Thema Schreibschrift.

Wann gibt es einen Rechtsanspruch auf Ganztag?

Nach Plänen der Großen Koalition sollen Kinder ab 2026 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung haben. Eigentlich sollte das entsprechende Gesetz schon Im Juni durch den Bundesrat gehen, doch dort gab es Widerstand, weil die Länder noch Probleme bei der Finanzierung sehen. Damit das Gesetz nicht scheitert, muss es noch vor der Bundestagswahl am 26. September 2021 eine Einigung geben. Ein Ausschuss soll nun vermitteln. Beispiele für gelungenen Ganztag gibt es aber heute schon:

Was verdienen Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen?

Lange haben Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen weniger verdient als an weiterführenden Schulen. Während Lehrkräfte an Gymnasien und anderen weiterführenden Schulformen in die Besoldungsstufe A13 für Beamte eingestuft wurden, galt für die Besoldung an Grundschulen A12. In der Stufe A13 liegt das Einstiegsgehalt je nach Bundesland zwischen 3.900 und 4.600 Euro (Stand: 2020). Um die Arbeit an Grundschulen attraktiver zu machen, haben inzwischen aber viele Bundesländer die Gehälter angeglichen. Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein haben die Angleichung der Gehälter bereits vorgenommen. Zuletzt ist auch Thüringen diesem Beispiel gefolgt. Ab dem Schuljahr 2021/22 verdienen Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen nun auch hier so viel wie an weiterführenden Schulen. In Hamburg erfolgt die Angleichung an A13 zwischen 1. August 2021 und 1. August 2023 in drei Schritten. In Niedersachsen wurde 2019 ein Stufenplan über fünf Jahre beschlossen, nach dem Grundschullehrkräfte monatlich eine Zulage bekommen, bis sie dann ab 2025 bei der Besoldungsstufe A13 landen.

Aktuelle Zahlen zur Grundschule

Die neuesten Zahlen zur Grundschule, die dem Statistischen Bundesamt vorliegen:

  • Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler: 820.666 Kinder verteilten sich auf 134.925 Klassen.
  • Zahl der Grundschullehrkräfte: An den allgemeinbildenden Grundschulen unterrichteten 204.837 Lehrkräfte. 89,4 Prozent davon waren Lehrerinnen.
  • Zahl der Grundschulen: Es gab 15.431 öffentliche und 926 private allgemeinbildende Grundschulen.
  • Zahl der Einschulungen: Im Schuljahr 2021/22 wurden bundesweit 771.700 Kinder an allgemeinbildenden öffentlichen Grundschulen eingeschult. Das ist ein Anstieg von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Geschichte der Grundschule

Eine Grundschule, die alle Kinder gemeinsam besuchen, gibt es erst seit 1919. Bis dahin bekamen die Kinder aus reicheren Familien meist Hausunterricht, die Kinder ärmerer Familien haben die Volksschule besucht. Der Bildungshistoriker Jürgen Oelkers beschreibt, wie sich die Grundschule seit ihrer Gründung 1919 entwickelt hat. Und die Herausforderungen an Grundschulen heute beschreibt Grundschulforscher Hans Brügelmann in seinem Gastbeitrag.

Und wie gut wissen Sie Bescheid? Machen Sie mit bei unserem Quiz: