Einschulung : Ideen für den ersten Schultag

Mehr als 700.000 Erstklässler fiebern nach der feierlichen Einschulung ihrem ersten Schul­tag entgegen. Wie heißen Lehrer ihre neuen Klassen willkommen, wenn der Schul­all­tag beginnt? Drei Grund­schul­lehrerinnen und -lehrer erzählen uns, worauf es ihnen besonders am ersten richtigen Schultag ankommt.

Sandra Hermes / 05. August 2019
Grundschulkinder
Der erste Schultag ist für Grundschulkinder besonders aufregend.
©dpa

Janina Huesmann, Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm: „Wichtig ist, dass man den Kindern das Gefühl gibt, willkommen zu sein!“, findet Janina Huesmann vom Erste-Klasse-Team der Gebrüder-Grimm-Schule in Hamm. Und genau das vermittelt die Lehrerin den Erst­klässlerinnen und Erst­klässlern auch gleich am ersten Schul­tag. In der Klasse steht auf dem Platz, den sie sich am Tag der Einschulung ausgesucht haben, ein Willkommens­schild mit ihrem Namen. „So wissen die Kinder gleich, wo sie hingehören“, sagt die Grund­schul­pädagogin. Und um sich nicht nur im Klassen­zimmer schnell „zu Hause“ zu fühlen, wird gleich am ersten Tag ein Schul­rund­gang gemacht. Huesmann findet es wichtig, dass die Kinder von Anfang an wissen, wo das Sekretariat und bestimmte Lernräume sind, und dass sie auch beim Schul­leiter anklopfen dürfen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben.

Neben der Orientierung und dem Kennenlernen unter­einander steht an der Gebrüder-Grimm-Schule aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt auf der ersten Tages­ordnung: das Portfolio. Diese persönliche Lern­sammlung begleitet das Kind die gesamte Grund­schul­zeit über, und begonnen wird damit gleich am ersten Tag. Die Botschaft für die Erst­klässlerinnen und Erst­klässler: „Hier geht’s jetzt richtig los!“ – „Die Kinder wollen keine Kita-Kinder mehr sein“, so Huesmann. Daher sei es wichtig, auch am ersten Schul­tag schon etwas Mathe und Deutsch zu unterrichten, bereits die ersten Rituale – wie den täglichen Morgen­kreis – einzuführen und vielleicht auch eine Hausa­ufgabe mitzugeben.

Findet das Kind die Hausaufgabe gelungen, darf sie im Portfolio abgeheftet werden. So wird die Mappe eine Sammlung der persönlichen Grund­schul­schätze. Wie man einen ersten Schul­tag gut gestaltet, habe sie nicht im Studium gelernt, so die Grund­schul­lehrerin. Die Lehrerinnen und Lehrer entwickeln die Ideen an der Gebrüder-Grimm-Schule gemeinsam und lernen von Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Jahren, eine erste Klasse geleitet haben, erzählt sie im Gespräch mit dem Deutschen Schulportal. So entstand auch die Idee vom „Klassen­tier“. Huesmanns neue Klasse bekam bereits in den Ferien Post von „Hase Helge“. 32 Pfoten­abdrücke zum Ausmalen weisen den Weg zur Einschulung. Sind alle bunt, kann’s endlich losgehen.

Mark Winter, Kettelerschule, Bonn: In der Kettelerschule in Bonn hören die künftigen Erst­klässler schon vor der Einschulung von ihrer neuen Schule. Bereits in der Kita-Zeit werden sie zu vier Schul­besuchen eingeladen, erzählt Mark Winter, Klassen­lehrer der „Igel-Lernfamilie“. An diesen Tagen werde gebastelt, vorgelesen, und hier würden einfache mathematische Lern­spiele ausprobiert. Immer dabei: ein älteres Paten­kind, das jedem Kita-Kind an die Seite gestellt wird. „Das ist das Besondere bei uns: Wir lernen jahr­gangs­über­greifend“, erklärt Winter. Insofern gebe es an der Ketteler­schule keine neue erste Klasse, sondern Schulneulinge, die in die bestehenden Lern­gruppen integriert werden. Unter­stützt wird der Klassen­lehrer dabei von einer Bezugs­erzieherin und, bei Bedarf, von einer Sonder­pädagogin. Dass die Eingewöhnung schon vor dem ersten richtigen Schul­tag beginnt, nehme viel Druck von den Kindern, findet der Grund­schul­lehrer. Wenn es dann nach den Sommer­ferien richtig losgeht, haben sich die älteren Kinder und die Schul­neulinge schon ausgiebig beschnuppert. Und in der Klasse hängen auf einem großen Igel schon ihre Tonpapier-Hände, die sie beim ersten Schul­besuch selbst ausgeschnitten haben.

„Wichtig ist, dass wir auch die älteren Kinder nicht vergessen“, sagt Winter. Wenn die Schülerinnen und Schüler aus der bestehenden Gruppe die künftigen Schul­kinder an den Besuchs­tagen begrüßen, sollen sie nicht jedes Mal das gleiche Programm durch­laufen. Daher würden die Tage immer etwas anders gestaltet. Auch in der Ketteler­schule geschieht das im Team. „,Schule statt Klasse‘ ist das Motto“, so Winter. Das frühe Kennen­lernen der neuen Erst­klässler sei nicht nur für die Schüler ein großer Vorteil. Auch die Lehrer hätten so die Chance, sich individueller auf die Neulinge einzustellen. In Winters Klasse wird nach dem Sommer ein Kind mit Down-Syndrom eingeschult. Während der Besuchs­tage stellte sich heraus, dass der Junge ein großer Fan des Indianer­jungen Yakari ist, berichtet der Grund­schul­lehrer. Über die Ferien sei nun Zeit, solche Informationen als Anknüpfungs­punkte zu nutzen und sich entsprechend vorzubereiten. Ein Yakari-Malbuch liege schon bereit.

Cornelia Fritz, Franz-Leuninger-Schule, Mengerskirchen: Auch in der Franz-Leuninger-Schule im hessischen Mengers­kirchen besuchen sich die angehenden Erst­klässler, Klassen­lehrer, Paten und Förder­schul­lehrer bereits in der Kita-Zeit, erzählt Grund­schul­lehrerin Cornelia Fritz. Es gebe den Kindern Halt, die künftigen Bezugs­personen und Räumlichkeiten schon zu kennen und gemeinsam mit den Kita-Freundinnen und -Freunden in eine Klasse zu kommen, so die Lehrerin. Das schaffe ebenso Vertrauen wie feste Rituale, Strukturen und Orte, wie der eigene Spind mit dem eigenen Namen, den jedes Kind am ersten Tag bekommt.

Und noch etwas sei vom ersten Schultag an wichtig, betont die Grund­schul­pädagogin: „Wir wollen den Kindern vertrauen, sie einbinden und ihnen etwas zutrauen. Das gilt natürlich auch für Kinder, die mit unterschiedlichen Förder­schwer­punkten bei uns eingeschult werden.“ Die Perspektive „Stärken stärken!“ gehört zum Schulmotto der Franz-Leuninger-Schule. Für den Schulstart der Erst­klässler bedeute das, „dass wir nicht auf die Schwächen der Kinder schauen und darüber reden, wer den Stift noch nicht richtig hält und wer noch keinen Buchstaben kennt“, erklärt Fritz. „Wir versuchen, die Kinder vom ersten Tag an mit ihren Stärken willkommen zu heißen und auch ihren eigenen Blick auf das zu lenken, was sie schon gut können.“ Dazu gehört auch das „Ich bin ich“-Plakat, das die Schul­anfänger am ersten Schul­tag frei gestalten dürfen. Ob gemalt, geklebt oder geschrieben – hier zeigen sie, wer sie sind, was sie gern mögen, was sie schon gut können und was sie in der Schule gern lernen würden. Ein offener Start, bei dem ohne Wertung jeder und jede etwas über sich erzählen kann und spürt, dass er oder sie wichtig und willkommen ist.