Humor im Unterricht : Müssen Lehrer lustig sein?

Eine positive Stimmung macht das Lernen leichter. Wer will da widersprechen? Aber braucht es Humor, um ein gutes Lernklima zu schaffen? Das Deutsche Schulportal hat sich umgehört und gefragt: Sollten Lehrkräfte an ihrem Humor arbeiten, oder können auch ernste Lehrer gute Lehrer sein?

Sandra Hermes / 27. April 2018
Eine fröhliche, harmonische Stimmung wirkt sich positiv aufs Lernklima aus. Doch wie viel Humor brauchen Lehrerinnen und Lehrer? Müssen sie immer witzig sein? Die Meinungen dazu gehen auseinander.
Eine fröhliche, harmonische Stimmung wirkt sich positiv aufs Lernklima aus. Doch wie viel Humor brauchen Lehrerinnen und Lehrer? Müssen sie immer witzig sein? Die Meinungen dazu gehen auseinander.
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Andreas Dickhäuser unterrichtet Biologie, Chemie und Praktische Philosophie an der Elsa-Brändström-Realschule in Essen, Nordrhein-Westfalen:
„Unbedingt! Echter Humor wirkt in der Schule nämlich auf drei Ebenen. Zunächst als eine Art ‚soziales Schmiermittel‘. Humor ermöglicht die Entstehung tragfähiger Beziehungen und ist besonders dann hilfreich, wenn’s im Getriebe des Alltags mal knirscht. Außerdem wirkt Humor – in der richtigen Dosis eingesetzt – als Lernbeschleuniger. Deshalb setze ich gern fachspezifischen Humor in meinem Unterricht ein. Nicht zuletzt wirkt Humor aber auch für Lehrkräfte präventiv. Studien belegen, dass der richtige Humor-Stil vor Burnout schützen kann.“

Humor gehört zum Leben und damit auch zur Schule.
Ute Volk, Lehrerin an der Johann-Heinrich-Alsted Schule, Mittenaar, Hessen

Ute Volk unterrichtet Biologie, Chemie, Physik und Deutsch als Zweitsprache an der Johann-Heinrich-Alsted Schule (Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe) im hessischen Mittenaar:
„Humor gehört zum Leben – und damit auch zur Schule. Wichtig finde ich, dass der Humor immer wertschätzend bleibt und auch mal über sich selbst gelacht wird. Ich unterrichte unter anderem in einer Intensivklasse mit Flüchtlingskindern aus verschiedenen Ländern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Diese Kinder sind durch ihre Erlebnisse nicht immer in der Lage, sich auf die Unterrichtsthemen einzustellen. Ein befreites Lachen hilft oft, um die Kinder offen für die Aufnahme von Neuem zu machen. Es baut eine Beziehung auf und erleichtert den Schülern und Schülerinnen, sich – auch über Sprachbarrieren hinweg – auf andere einzulassen und angstfrei zu lernen.“

Jan-Martin Klinge, Lehrer für Mathematik, Physik, Arbeitslehre und Technik an der Gesamtschule Eiserfeld in Siegen, Nordrhein-Westfalen:
„Bilden, Erziehen und Fördern funktioniert im Schulalltag nur auf der Basis von Beziehungsarbeit. Und in jeder Beziehung knirscht es manchmal – aber es muss auch gelacht werden dürfen! Ein Beruf, in dessen Zentrum die Arbeit mit Heranwachsenden steht, kann meines Erachtens nur davon profitieren, wenn die Lehrer und Lehrerinnen diesen mit Freude und einem Augenzwinkern ausüben. Humor bedeutet, auch über sich selbst lachen zu können, und das setzt ein hohes Maß an Sicherheit und Selbstbewusstsein voraus. Als Mensch und als Lehrer kann ich nur dann über mich schmunzeln, wenn ich mich in einer positiven, wertschätzenden Umgebung befinde – und das gilt für Kinder gleichermaßen. Die Vorstellung, mit meinen Schülern und Schülerinnen nicht gemeinsam lachen zu können, empfände ich als absurd.“

Mathias Trauschke ist Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie und Lehrbeauftragter für die Ausbildung von Biologielehrkräften an der Leibniz Universität Hannover, Niedersachsen:
„Von mir ein klares Jein! Unbestritten ist, dass eine gute, vertrauens- und natürlich auch humorvolle Atmosphäre im Klassenzimmer sehr hilfreich ist. Um es mit den Worten von John Hattie zu formulieren: ‚What teachers do, matter!‘ Wenn also beispielsweise der individuelle Humor einer Lehrkraft dazu beiträgt, eine positive Stimmung in einer Lerngruppe herzustellen und somit das Lehren und Lernen fördert: bitte gern! Wer hat denn auch Interesse an einer bierernsten und verdrießlich agierenden Lehrkraft?

Was aber Schülerinnen und Schüler bekanntlich gar nicht anspricht, sind Versuche von Lehrenden, konstruiert witzig zu sein und sich dabei zudem erfolglos dem Humorempfinden jüngerer Generationen in Stil und Sprache nähern zu wollen. Das erweist sich für das Lernen fachlicher Inhalte als ebenso wenig dienlich wie für die dauerhaft gelingende Kommunikation zwischen Lehrkraft und Lernenden – und letztere ist für erfolgreiche Pädagogen unabdingbar.

Und dies noch: Erheiternd finde ich ganz persönlich den Ansatz, humorvollen Unterricht geplant zu initiieren und dies zudem wissenschaftlich zu erforschen. Das dürfte wohl ein recht landestypisches Vorgehen sein, es wird jedenfalls von einigen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland wiederum auch mit Humor genommen: ‚Dear me! You do research on the effect of humor in science education? That’s rather Germanic!‘“

Wir sind keine Entertainer und keine Zirkusclowns.
Sarah Bade, Lehrerin an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten, Niedersachsen

Sarah Bade, Lehrerin für Englisch, Kunst und themenorientierten Unterricht an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten in Niedersachsen:
„Die Frage ist eigentlich unnötig, denn Lehrer oder Lehrerin ist ein Beruf. Sie fragen ja auch nicht, ob ein Postbote oder eine Postbotin Humor braucht oder eine Verkäuferin, ein Verkäufer. Jeder Mensch, der mit anderen Zeit verbringt, verbringt sie lieber angenehm und mit Personen, die auf derselben Wellenlänge sind. Und Humor gehört dazu. Ob dieser nun albern, schwarz oder gemein ist, ist eher zweitrangig – Gleich und Gleich gesellt sich gern!

Es ist allerdings nicht unsere Aufgabe, Kinder zu bespaßen. Es ist unsere Aufgabe, ihnen etwas beizubringen, ihnen auf ihrem Weg des Erwachsen-Werdens die nötige Sicherheit und Wissen mitzugeben und sie zu unterstützen. Da kann Humor sicherlich hilfreich sein, aber jede Grundschullehrkraft wird mir zustimmen, wenn ich sage: Kinder haben einen anderen Humor als Erwachsene. Der ,Duden‘ sagt, Humor sei ,die Fähigkeit, Unangenehmes und alltägliche Schwierigkeiten gelassen und heiter zu betrachten‘. Diese Fähigkeit ist sicherlich nicht nur im Lehrberuf hilfreich. Genauso ist Humor aber auch ,die Fähigkeit, Witze zu machen und zu verstehen‘ – und hier sind wir beim Knackpunkt: Es gibt Witze, die man sich als Lehrkraft einfach mal sparen kann und die nicht witzig sind.

Was Lehrkräfte brauchen, sind Geduld und die Fähigkeit, Dinge, die Schüler und Schülerinnen von sich geben, auch mal nicht so ernst zu nehmen – insbesondere, wenn die Pubertät zuschlägt. Da ist es dann gut, das Gesagte manchmal nicht allzu ernst zu nehmen. Wer aber unter Humor verstehen möchte, dass jemand in der Lage ist, permanent Witze zu machen oder lustig und albern zu sein … – das braucht eine Lehrkraft nicht! Wir sind keine Entertainer und keine Zirkusclowns.“

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