Film-Tipp : „Die Odyssee“ – ein Flüchtlingsdrama für Jugendliche

Am 28. April kommt „Die Odyssee“ ins Kino. Der Film, der in eindrucksvollen Bildern vom Krieg und von der Flucht zweier Geschwister erzählt, wirkt, als würde er Bezug auf die aktuelle Situation nehmen. Dabei begann seine Entstehung bereits vor mehr als zehn Jahren. Für Schulklassen bietet der Animationsfilm viel Raum und Anstoß für die Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Ukraine und an anderen Orten der Welt. Das Schulportal hat sich den Film vorab angeschaut und weiteres Unterrichtsmaterial zum Thema Krieg, Flucht und Vertreibung zusammengestellt.

Annette Kuhn 27. April 2022 Aktualisiert am 28. April 2022
Inhalt
Odyssee Film Still
Mit ihrer Flucht endet die Kindheit für die Geschwister Kyona und Adriel abrupt.
©Florence Miailhe/Grandfilm

Kyona ist 13 und ihr Bruder Adriel 12, als sie Heimat, Kindheit und Eltern von einem Moment auf den anderen verlieren. Das Dorf, in dem sie bis dahin gelebt haben, wird eines Tages überfallen, die Familie wie viele andere Menschen des Dorfes fliehen. Für die beiden Kinder, die auf der Flucht auch von ihren Eltern und Geschwistern getrennt werden, beginnt eine jahrelange Odyssee. Wenn sie glauben, irgendwo angekommen zu sein, Menschen gefunden zu haben, denen sie vertrauen können, zerplatzt dieser Traum meist schnell wieder. Sie sehen sich neuen Gefahren ausgesetzt, müssen weiterziehen oder einen Weg finden, sich zu befreien. Überall sind sie Fremde und meist wenig willkommen.

„Die Odyssee“ – von der Flucht der Urgroßmutter aus Odessa inspiriert

Es ist eine fiktive Geschichte, die die altgewordene Kyona im Film „Die Odyssee“ aus dem Rückblick Jahrzehnte später erzählt. Das Dorf, in dem die Geschwister aufwachsen, gibt es nicht. Oder vielleicht eher: Den Krieg, die Flucht könnten die beiden an jedem Ort, zu jeder Zeit erlebt haben – wie viele andere Tausende Kinder auch.

Der Anstoß zum Film beruht allerdings auf einer wahren Geschichte, die aktueller kaum sein könnte: Die französische Regisseurin und Animationskünstlerin Florence Miailhe hat sich für ihren Film von der Flucht ihrer Urgroßmutter, die 1905 mit ihren Kindern aus Odessa fliehen musste, inspirieren lassen.

Besondere Animationstechnik im Film

„Die Odyssee“ ist ein besonderer Film. Vor allem wegen der beeindruckenden Bilder. Miailhe bringt handgemalte Ölbilder direkt vor der Kamera in Bewegung. Insgesamt 120.000 Ölgemälde auf Glas sind für den Film entstanden. Ein enormer Aufwand, daher verwundert es kaum, dass der Film zehn Jahre für seine Entstehung brauchte. Die besondere Animationstechnik bringt farbenfrohe, märchenhafte Kulissen auf die Leinwand, die im nächsten Augenblick vom Schwarz der Gewalt und Düsternis verdeckt wird.

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Der Film beschönigt nichts. Menschen werden niedergeknüppelt, Hass lässt viele Gesichter fratzenhaft erscheinen, die Angst ist den Kindern in vielen Momenten des Films ins Gesicht geschrieben. Es erscheint daher passend, dass der Film erst ab 12 Jahren empfohlen wird – das Alter, in dem auch die Flucht der Geschwister beginnt.

Am Schluss wird die altgewordene Kyona, der Hanna Schygulla in der deutschen Fassung ihre Stimme verleiht, sagen: „Die Flucht hat unsere Kindheit verschlungen und mit ihr unser ganzes bisheriges Leben.“ Es ist ein Satz, der hängenbleibt, der zum Nachdenken anregt und der im Unterricht sicher viel Anlass geben kann, um über das, was viele Menschen gerade jetzt in der Ukraine oder in anderen Kriegsgebieten erleiden müssen, zu sprechen.

Zum Film gibt es auch hier Schulmaterial, zum Beispiel Arbeitsblätter mit möglichen Fragen zur Nachbereitung ab Klasse 7 und ab Klasse 10.

Tipps und Material für Lehrkräfte

Unterrichtsmaterial, Bücher und weitere Medien zu den Themen Krieg und Flucht

  • Eine umfangreiche Sammlung mit Materialien und Links zum Krieg in der Ukraine und zum Umgang mit dem Thema im Unterricht finden Lehrerinnen und Lehrer in einem Dossier des Deutschen Bildungsservers. Das Material ist nach Grundschule sowie Sekundarstufe I und II unterteilt. Außerdem gibt es Audio-Link-Empfehlungen im Podcast des Bildungsservers.
  • Die Deutsche Presseagentur hat für die Nutzung im Unterricht ein kostenloses Grafikpaket Zum Beispiel gibt es zur Ukraine und zu Russland jeweils ein Factsheet mit Zahlen, einen Überblick zur Sprachverteilung oder einen Vergleich, wie beide Länder militärisch aufgestellt sind.
  • Auch Unicef hat Unterrichtsmaterial zum Thema Kinder und Krieg zusammengestellt. Hier liegt der Fokus vor allem auf Flüchtlingskindern.
  • Viele Kinder- und Jugendbücher befassen sich altersgerecht mit dem Thema Krieg und Flucht. Das Schulportal hat ein Interview mit einer Expertin dazu geführt, wie Bücher bei der Verarbeitung der aktuellen Geschehnisse helfen können, und dazu eine umfangreiche Bücherliste für verschiedene Altersstufen zusammengestellt:
  • Der Kindernachrichtenkanal Kika von ARD und ZDF hat hier eine Reihe von Erklärvideos und Berichten zum Krieg erstellt, die vor allem in den Kindernachrichten logo! erschienen sind. Weitere Beiträge gibt es im Reportermagazin für Kinder Neun 1/2.
  • Auf Youtube beantwortet MrWissen2go aktuelle Fragen zum Krieg in der Ukraine.

Unterrichtsmaterial für ukrainische Schülerinnen und Schüler

  • Im Dossier des Deutschen Bildungsservers gibt es eine Online-Bibliothek mit Büchern für Deutsch als Fremdsprache für jede Klassenstufe. Die Bücher stehen als PDF zum Download bereit.
  • Ukrainische Lehrwerke und weiterführendes Material hat die Datenbank Mundo zusammengestellt.
  • Auch einige Verlage bieten kostenloses Unterrichtsmaterial für Deutsch als Zweitsprache an. Der Klett-Verlag stellt zum Beispiel zwei Bücher zum Download für Grundschulen und weiterführende Schulen zur Verfügung. Außerdem gibt es hier einen Erste-Hilfe-Wortschatz in Deutsch, Englisch, Ukrainisch und Russisch.
  • Auf der offenen Plattform ZUM, einem Projekt der Zentralstelle für Unterrichtsmedien im Internet gibt es eine umfangreiche Sammlung mit Wörterbüchern, Materialien – unterteilt nach Sprachniveau A1 und A2 – und weiterführenden Informationen zum Ankommen der Geflüchteten.

Link-Sammlungen und weiterführende Hinweise zum Thema

  • Die meisten Landesinstitute für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung haben Links und Hinweise zusammengestellt, wie Lehrkräfte die Themen Krieg und Flucht vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs im Unterricht behandeln können. Eine umfangreiche Sammlung gibt es zum Beispiel beim Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Auf der Seite gibt es auch Hinweise dazu, wie Lehrkräfte Sorgen und Ängsten der Schülerinnen und Schülern begegnen können. Das Landesinstitut Hamburg hat eine Sammlung für Grundschule bis Oberstufe/Berufsschule zusammengestellt. Eine umfangreiche Materialsammlung bietet auch die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
  • Die Stiftung Bildung hat Links und Anregungen zum Umgang mit dem Krieg in der Ukraine für Lehrkräfte zusammengestellt.
  • Um Kinder für Fake News zu sensibilisieren, ist eine Stunde mit einem der Journalisten von LieDetectors zu empfehlen, die auch Unterrichtsbesuche machen.

Informationen für Eltern

  • Der Medienratgeber „Schau hin!“ wendet sich direkt an Eltern. Er gibt ihnen hier Hinweise, wie sie mit ihren Kindern sprechen können und wo sie altersgerechte Formate finden.
  • Außerdem bekommen Eltern und Lehrkräfte Hinweise zum Umgang mit dem Krieg in der Ukraine über den Ratgeber Flimmo auf dieser Seite. 
  • Die Servicestelle Jugendschutz vom Verband junger Medienmacher Sachsen-Anhalt hat hier einige Punkte zusammengestellt, die Erwachsene beim Gespräch über den Krieg beachten sollten.