Expertentipps : Humor weckt die Aufmerksamkeit

Von Humor im Unterricht können Lehrerinnen und Lehrer genauso profitieren wie Schüler­innen und Schüler. Denn eine fröhliche, entspannte Atmos­phäre fördert den Lern­erfolg. Aber natürlich sollen Lehrkräfte nicht Stand-up-Comedians sein. Die Geistes­wissen­schaftlerin Kareen Seidler vom Deutschen Institut für Humor gibt praktische Tipps für den Unter­richt und erklärt, welche Sorte Humor im Klassen­raum nicht gut ankommt.

Sandra Hermes / 12. April 2018
Lachen ist gesund – und wirkt sich positiv auf eine entspannte und lockere Atmosphäre im Unterricht aus.
Lachen ist gesund – und wirkt sich positiv auf eine entspannte und lockere Atmosphäre im Unterricht aus.
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Deutsches Schulportal: Frau Seidler, humor­voller Unter­richt – das hört sich toll an! Aber was ist eigentlich Humor?
Kareen Seidler: Im Duden stand mal die Definition „Humor ist, den Widrigkeiten des Lebens mit heiterer Gelassen­heit zu begegnen“. Das können Lehrer­innen und Lehrer ja vielleicht ganz gut nach­voll­ziehen.

Nicht jeder Lehrer ist ein geborener Stand-up-Comedian. Ist Humor erlernbar?
Lehrer müssen gar keine Stand-up-Comedians sein. Humorvoll zu sein bedeutet ja nicht, dass man 24 Stunden am Tag Witze reißt. Jeder Mensch hat Humor – manchmal ist er vielleicht verschüttet und muss wieder aus­gegraben werden. Wir vom Deutschen Institut für Humor helfen sozusagen bei den Aus­grabungs­arbeiten. Also: Ja, man kann seinen Humor trainieren und lernen, ihn bewusst einzu­setzen.

Jeder Mensch hat Humor, manchmal ist er vielleicht verschüttet und muss wieder ausgegraben werden.
Kareen Seidler, Deutsches Institut für Humor

Warum ist aus Ihrer Sicht ein humorvoller Unterricht besser?
Wenn im Unterricht eine entspannte und lockere Atmos­phäre herrscht, hilft das allen. Außerdem kann man Humor gezielt im Unter­richt einsetzen. Das kann helfen, die Aufmerk­samkeit der Schüler­innen und Schüler zu wecken und auch Gelerntes besser zu behalten. Es gibt einige Studien, die genau das zeigen.

Was macht Humor mit dem Klassenklima?
Man muss als Lehrkraft nicht ständig witzig sein. Ein paar humorvolle Momente pro Schul­stunde reichen aus. Das kann spontaner oder geplanter Humor sein. So bleiben alle wach und interessiert. Und natürlich kann man ebenfalls den Humor von Schülern zulassen. Auch das sorgt für ein entspannteres Klassen­klima, in dem Schüler gern lernen.

Ironie ist, laut Duden, „feiner, versteckter Spott“. Verstehen Schüler Ironie?
Ironie verstehen Kinder generell erst mit etwa acht oder zehn Jahren. Wir haben aber von Erziehern gehört, dass Kinder das auch früher lernen können, wenn sie viel Ironie aus­gesetzt sind, wenn also in der Schule oder zu Hause von den Erwachsenen viel Ironie benutzt wird.

Ein paar humorvolle Momente pro Schulstunde reichen aus.
Kareen Seidler, Deutsches Institut für Humor

Humor ist oft eine Sache der Chemie. Wie finden Lehrer heraus, worüber ihre Schüler lachen können?
Einfach ausprobieren. Humor bedeutet immer auch Mut zum Risiko. Wichtig dabei: Vergessen Sie nicht, dass auch professionelle Comedians mit der „9er-Regel“ arbeiten. Neun von zehn Witzen werden sozusagen in die Tonne gekloppt. Trauen Sie sich! Und wenn’s nicht klappt, dann versuchen Sie das nächste Mal was anderes.

Welche Art von Humor geht im Unterricht nach hinten los?
Die Humorwissenschaft unterscheidet zwischen aufwertendem und abwertendem Humor. Aggressiver Humor, Spott und Hohn sind im Unter­richt nicht so empfehlens­wert. Humor auf Kosten anderer – ins­besondere auf Kosten eines einzelnen Schülers – ist selten ratsam. Natürlich kann aggressiver Humor auch mal helfen, Dampf abzu­lassen. Denn mit aggressivem Humor kann man Distanz schaffen.

Und welchen würden Sie empfehlen?
Die Maxime ist: Humor, der keinem wehtut. Lehrer sollten in ihrem Humor wert­schätzend bleiben, die Schüler gut dastehen lassen. Und natürlich darf sich die Lehr­kraft auch gern mal selbst auf die Schippe nehmen. Sie kann zeigen, dass selbst sie nicht perfekt ist. Dabei braucht man keine Angst zu haben, sich zu blamieren. Denn an­schließend geht man wieder in den üblichen Hoch­status zurück. Studien – zum Beispiel von unserer Humor­forscherin Tabea Scheel – haben ergeben, dass auf­wertender, sozialer Humor für ein besseres Klassen­klima sorgt und dass Schüler dadurch auch kreativer sind. Man kann es zum Bei­spiel auch mit wohl­wollenden, über­triebenen Komplimenten probieren. Wichtig dabei ist, dass man es ernst meint und empathisch bleibt. Auch mit seiner Körper­sprache kann man signalisieren, dass man sein Gegen­über wert­schätzt. Humor ist auch immer sehr nützlich, um für Aufmerk­sam­keit zu sorgen. Das kann man im Unter­richt aus­nutzen. Wer sich aller­dings zum Humor zwingen muss, der sollte es lieber bleiben lassen.

Natürlich kann aggressiver Humor auch mal helfen, Dampf abzulassen.
Kareen Seidler, Deutsches Institut für Humor

Der Schulalltag ist für viele Lehrer immer weniger zum Lachen. Haben Sie den ultimativen Tipp, wie sie dennoch nicht den Spaß am Lehren verlieren?
Versuchen Sie es mit der Einstellung: „Hurra, ein Problem! Da kann ich heute noch was dazulernen.“ Im Impro-Theater nennt man diese Technik „Angebote annehmen“ – egal, was für Angebote das sind. So kann man auch im Alltag Humor­angebote annehmen: „Diese Klasse ist nicht kompliziert! Sie ist eine Heraus­forderung!“

Welcher Witz bringt jede Klasse zum Lachen?
Das ist wirklich eher schwierig zu beantworten. Eine Garantie auf Witze gibt es nicht. Clint Eastwood hat mal gesagt: „Wenn Sie eine Garantie wollen, dann kaufen Sie sich einen Toaster.“ Natürlich hängt es auch immer vom Alter der Kinder ab, was die Klasse zum Lachen bringt. Erst­klässler finden vielleicht Scherz­fragen interessant, weil sie die Antwort kennen und damit schlau da­stehen. In der Pubertät sind dann eher Witze über Jungs und Mädchen beliebt und wie sich die Körper verändern. Ein Geheim­rezept gibt es da leider nicht. Haben Sie Mut zum Risiko, nutzen Sie Humor­angebote – trauen Sie sich!

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Noch mehr Ideen, um Schüler zum Lachen zu bringen, finden Sie auf den Seiten des Deutschen Instituts für Humor:

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