Digitale Medien : Mit dem Handy Vokabeln lernen

Englischlehrerin Cathrin Zahavi zeigt ihren Schülerinnen und Schülern, wie sie ihre Smartphones nicht nur zum Chatten, sondern auch zum Lernen nutzen können. Von den zahlreichen Hürden beim Einsatz digitaler Medien lässt sie sich nicht abschrecken.

Regina Köhler / 16. Juli 2018
Schüler sitzen im Klassenzimmer und arbeiten mit Smartphones und Tablets
Der Einsatz von Smartphones im Unterricht ist an vielen Schulen schon Reaität.
©Getty Images

Ein bisschen ist es wie bei „Wer wird Millionär?“. Auf dem Smart­board in der 6b steht ein Satz auf Deutsch, den die Schüler­innen und Schüler ins Englische über­setzen sollen. Vier Möglich­keiten (a bis d) haben sie dafür zur Aus­wahl. Wer sich entschieden hat, hält eine vier­eckige Karte hoch, und zwar so, dass der darauf abgebildete Buch­stabe deutlich zu sehen ist. Lehrerin Cathrin Zahavi scannt nun mit ihrem Handy die Antworten aller Kinder. Kurz darauf sind diese auch auf dem Smart­board zu sehen, außerdem ein Diagramm mit vier Balken, das abbildet, wie oft welche Antwort gegeben worden ist. „85 Prozent von euch haben mit C geantwortet – Antwort C ist richtig!“, sagt Cathrin Zahavi. Dann besprechen sie, warum die Antworten a, b und d nicht stimmen.

Jede Stunde muss gut geplant sein

„Plickers“ heißt die App, mit der die Kinder der sechsten Klasse der Neuköllner Herman-Nohl-Grund­schule gerade arbeiten. „Die Schüler­innen und Schüler mögen das Programm und lernen Englisch fast nebenbei“, sagt Zahavi. Auch „Quizlet“, eine Lern-App, mit der die Schüler­innen und Schüler zu Hause auf ihrem Handy oder an ihrem Computer Vokabeln üben oder ganze Sätze vom Deutschen ins Englische (oder umgekehrt) über­setzen können, ist längst fester Bestand­teil von Zahavis Englisch­unter­richt. Die Lehrerin legt dafür zuvor in der App die Vokabel­sets, die von den Kindern geübt werden sollen, für jeden Jahr­gang selbst an. Dieser Aufwand lohne sich, sagt sie.

Cathrin Zahavi nutzt häufig das Handy im Unterricht. Alle Schülerinnen und Schüler haben ein Smartphone, sagt sie. Die meisten wüssten aller­dings nicht, was man alles damit machen könne. Im Unterricht würden sie gemeinsam die verschiedenen Möglich­keiten entdecken. Spielerisch könne Gelerntes so wieder­holt und vertieft werden. Sehr bestimmt fügt Zahavi aller­dings hinzu, dass der Einsatz digitaler Medien noch lange keinen guten Unter­richt mache. „Wichtig ist, dass jede Stunde gut geplant ist. Nur wenn es ein trag­fähiges Grund­gerüst gibt, sind digitale Medien ein sinn­volles Mittel, um den Unterricht interessanter und für die Schülerinnen und Schüler greifbarer zu machen“, sagt sie.

Englischlehrerin Cathrin Zahavi
Englischlehrerin Cathrin Zahavi
©Regina Köhler

Die Eltern werden um Zustimmung gebeten

Zahavi setzt Lern-Apps wie „Quizlet“ oder „Plickers“ aller­dings nur dann ein, wenn zuvor die Eltern zugestimmt haben. Das hat auch mit dem Daten­schutz zu tun. Dies­bezüglich gebe es noch so manche Grau­zone, sagt sie. „Ich erkläre den Eltern die einzelnen Anwendungen deshalb sehr genau und bitte sie um ihr Einverständnis.“

Cathrin Zahavi hat sich vor vier Jahren entschieden, digitale Medien in ihrem Unterricht zu nutzen, und verschiedene Fort­bildungen besucht. Es gebe viele Angebote zur Weiter­bildung – die Lehrerinnen und Lehrer müssten nur wollen, sagt sie. Viele hätten aber noch immer Vorbehalte. Hinzu komme, dass die künftigen Lehr­kräfte während ihrer Ausbildung nach wie vor wenig über den Einsatz digitaler Medien im Unterricht lernen würden. „Es gibt noch immer kein separates Studien­angebot.“ Medien­bildung müsse in den einzelnen Fach­bereichen unter­kommen, weshalb es vor allem von den Dozentinnen und Dozenten sowie vom eigenen Interesse der Referendar­innen und Referendare abhänge, wie viel diese darüber lernten, sagt Zahavi, die selbst in der Lehrer­ausbildung tätig ist.

An den Schulen fehlen Fach­kräfte, die die Technik warten

Zahavi räumt aber auch ein, dass es den Lehrkräften nicht immer leicht gemacht werde, digitale Medien zu nutzen. Viele Schulen hätten niemanden, der die Technik in ausreichendem Umfang warte. Oft sei etwas kaputt und könne deshalb nicht eingesetzt werden. „Schulen, die nur noch mit Smart­boards arbeiten, haben in solchen Fällen dann nicht mal mehr eine Tafel, an die die Lehr­kraft etwas anschreiben kann“, sagt sie. Auch ihr sei es kürzlich so gegangen. Sie habe dann alles, was die Kinder wissen sollten, auf DIN-A3-Blätter geschrieben. Ein anderes Beispiel seien die Tablets an ihrer Schule. Die könne sie derzeit nicht nutzen, weil sich das Datum auf den Geräten verstellt habe: „Jedes Tablet müsste jetzt händisch umgestellt werden.“ Und dazu fehle ihr gerade die Zeit. Also bleiben die Geräte im Schrank.

Mehr zum Thema

  • Mit der „Plickers“-App lassen sich Umfragen im Klassen­zimmer zu selbst angelegten Fragen realisieren. Um „Plickers“ anzuwenden, braucht man einen PC mit Beamer oder ein inter­aktives White­board oder ein Smart­phone oder Tablet, auf dem die „Plickers“-App (verfügbar für IOS und Android) installiert ist. Die Schüler müssen nicht mal eigene Smart­phones besitzen – sie können die Antworten mit ausgedruckten Barcodes geben.
  • Das Lerntool „Quizlet“ wird im Sprach­unterricht zum Lernen von Vokabeln angewendet. Die Schülerinnen und Schüler können zwischen „Hören“, „Schreiben lernen“, „Spielen“ oder „Testen“ auswählen.
  • Informationen zu Apps und Tools, die von Lehr­kräften empfohlen werden, gibt es unter anderem im Magazin „sofatutor“.
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