Lern-Apps : Apps für die Schule – was sollten Lehrkräfte beachten?

Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Apps für die Schule. Gerade im Fernunterricht während der Schulschließungen haben sie an Bedeutung gewonnen. Aber auch den Präsenzunterricht können sie auf vielfältige Weise bereichern. Doch wie erkennen Lehrkräfte, was eine gute App ausmacht und welche Anwendung tatsächlich nützlich ist? Das Schulportal nennt Auswahlkriterien und gibt einen Überblick über die Apps für den Unterricht, das Lernen zu Hause und die Organisation des Schulalltags.

Annette Kuhn 15. Juni 2021 Aktualisiert am 28. August 2021 1 Kommentar
Apps für die Schule Kind vor Tablet
Digitale Medien können den Unterricht bereichern. Bei der Fülle des Angebots kommt es aber auf eine gute Auswahl der Apps oder anderer digitaler Tools an.
©Uli Deck/dpa

Bei der Digitalisierung von Schulen spielt auch der Einsatz von Apps eine wichtige Rolle. Doch durch das wachsende Angebot ist es für Lehrerinnen und Lehrer zunehmend schwieriger zu erkennen, welche Apps für den Unterricht tatsächlich sinnvoll sind und zu ihren Bedürfnissen passen. Da jede Lehrkraft eine unterschiedliche Arbeitsweise hat, bietet es sich auf jeden Fall an, Anwendungen auszuprobieren. Viele Apps gibt es in einer einfacheren kostenfreien und einer aufwendigeren kostenpflichtigen Version. So kann man die einfachere Version erst einmal testen, bevor man sich die kostenpflichtige Version der App herunterlädt.

Woran erkennen Lehrkräfte gute Apps für die Schule?

Wer im Internet nach bestimmten Anwendungen sucht, sollte etwas Geduld mitbringen, weil die Apps für die Schule, die ganz oben bei den Suchergebnissen erscheinen, nicht automatisch die besten sind, sondern oft die, die am stärksten beworben werden. Hilfreich ist es auch, Blogs von Lehrkräften zu lesen oder sich in sozialen Netzwerken, zum Beispiel im #twitterlehrerzimmer, über Anwendung und Nutzen von Schul-Apps auszutauschen.

Für welche Themen gibt es Apps für die Schule?

Apps für den Unterricht gibt es für bestimmte Fächer oder auch fachübergreifend. Für den Geschichtsunterricht können Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel Zeitzeugenberichte in den Unterricht holen oder in Geografie mit ihren Schülerinnen und Schülern virtuell in andere Länder oder Klimaregionen reisen.

Im Fernunterricht hat die Kommunikation über Video an Bedeutung gewonnen. Daher gibt es auch viele Apps, über die sich Video-Chats mit einzelnen oder mehreren Personen organisieren lassen. Sie bieten die Möglichkeit, den eigenen Bildschirm zu teilen, sodass eine Lehrerin oder ein Lehrer den Lernenden im Videounterricht etwas zeigen und Aufgaben gemeinsam durchgehen kann.

Nützlich gerade im Fernunterricht sind auch Apps, die kooperatives Lernen ermöglichen. Über sogenannte Cloud-Apps lassen sich Dokumente oder Bilder an einem virtuellen Ort speichern, der für andere Personen zugänglich ist. So können mehrere Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler gemeinsam an einem Dokument arbeiten oder sich von einer zentralen Stelle aus Dateien herunterladen.

Und Apps für die Schule erleichtern auch die Arbeitsabläufe im Schulalltag erheblich. In vielen Schulen hat schon vor Corona das digitale Klassenbuch Einzug gehalten. Außerdem gibt es Schul-Apps, über die Vertretungspläne gemacht oder Leistungsnachweise eingetragen werden können. So sparen Schulleitungen und Lehrkräfte wertvolle Zeit, die sie für die Unterrichtsplanung nutzen können. Einige Apps für digitale Stundenpläne bieten auch die Funktion von Push-Mitteilungen. So können Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schule sofort über kurzfristige Unterrichtsausfälle oder Vertretungen informiert werden.

Großes Angebot an Apps für das Lernen zu Hause

Auch für Schülerinnen und Schüler gibt es viele Apps, die ihnen das Lernen oder die Organisation des Schulalltags erleichtern. Das spielt besonders im Homeschooling eine Rolle.

Apps wie „Schulplaner“ oder „Hausaufgabenheft“ helfen dabei, einen Überblick zu behalten, welche Aufgaben noch anstehen und welche bereits erledigt sind.

Um sich beim Lernen zu Hause nicht abzulenken, gibt es auch Apps, die das Smartphone zu bestimmten Zeiten lahmlegen. In diesen Zeiten können die Schülerinnen und Schüler dann also ihr Smartphone nicht zum Chatten oder Spielen nutzen. Das funktioniert natürlich nur, wenn sie in dieser Zeit analog oder von einem anderen Gerät aus arbeiten.

Lern-App Anton

Viele Apps zum Lernen zielen auf den Fremdsprachenunterricht

Für den Fremdsprachenunterricht bieten sich zum Beispiel Wörterbuch-Apps an. Da gibt es inzwischen für die meisten Sprachen mehrere Anwendungen. Außerdem sind unterstützende Sprachlernangebote verfügbar. Viele davon sind allerdings kostenpflichtig.

Ebenfalls für den Fremdsprachenunterricht, aber auch für andere Fächer, bieten sich Lernkarten-Apps an. Die meisten Schülerinnen und Schüler kennen das Prinzip der Karteikarten als Lernhilfe, das sich auch sehr gut digital umsetzen lässt.

Die Plattform „School to go“ bietet geprüfte Inhalte an

Bei Lern-Apps für Schülerinnen und Schüler ist eine Abstimmung mit den Lehrkräften sinnvoll. Die Apps sollten einen Bezug zu den Lehrinhalten des Unterrichts haben und das Alter der Zielgruppe berücksichtigen. Eine Auswahl geprüfter digitaler Angebote bietet die Initiative „School to go“. Auf der Plattform sind Lernangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zusammengestellt. Sie sind nach Alter und Themenbereichen sortiert und umfassen verschiedene Lernformate. Hinter der Initiative „School to go“ steht das Forschungsinstitut Bildung Digital und die DFKI-Forschungsgruppe Smart Enterprise Engineering. Im Interview mit dem Schulportal hat die Mitinitiatorin der Plattform, Julia Knopf, erklärt, was dahinter steckt und was ein gutes digitales Lernformat ausmacht.

Apps und Datenschutz: Was müssen Lehrkräfte beachten?

Ein wichtiges Thema bei der Nutzung von Apps und anderen digitalen Anwendungen ist der Datenschutz. Bevor Lehrkräfte eine App im Unterricht nutzen, müssen sie sichergehen, dass sie mit ihr datenschutzkonform arbeiten. Das lässt sich allerdings oft gar nicht auf den ersten Blick erkennen. Und auch wer das Kleingedruckte in den Datenschutzbestimmungen liest, muss schon eine gewisse Erfahrung mit dem Thema haben, um „übersetzen“ zu können, was die Bestimmungen eigentlich bedeuten.

Viele Lehrkräfte fühlen sich daher bei Fragen zum Datenschutz alleingelassen und fordern immer wieder verbindliche Vorgaben von den Schulverwaltungen und Datenschutzbehörden oder „Positiv-Listen“ zu Apps in der Schule, damit die Verantwortung nicht auf ihren Schultern lastet. So schreiben Svenja Holper und David Muschke, die an einem Berliner Gymnasium unterrichten, in ihrem Gastbeitrag für das Schulportal: „Da auch Weiterbildungen oder Nachbesserungen in der Ausbildung bei uns Lehrkräften kein Jurastudium ersetzen, benötigen wir also Unterstützung. Bei kleineren digitalen Unterrichtsvorhaben wie der Nutzung einer gängigen Lern-App wären Muster und Vorlagen für die Erstellung der nötigen datenschutzrechtlichen Dokumente wünschenswert, die auf den Seiten der Datenschutzbehörden zum Download bereitgestellt werden sollten.“

Eine Schule entwickelt eigene App

Die Offene Ganztagsgrundschule (OGS) Heiligenhaus in Overath in Nordrhein-Westfalen hat in der Corona-Pandemie eine eigene App entwickelt. Sie hat die App „#stadtsache” weiterentwickelt, die ursprünglich als Stadtbeteiligungsprojekt gedacht war, und zu einer App für die Schule umgebaut. So ist „#digiclass“ entstanden. Mit dieser App arbeiten arbeiten inzwischen auch andere Grund- und Förderschulklassen in mehreren Bundesländern. Mit ihrem Konzept war die Offene Ganztagsgrundschule Heiligenhaus war für den Deutschen Schulpreis 20I21 Spezial nominiert.

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App-Tipps von Lehrkräften

Welche Apps empfehlen Lehrerinnen und Lehrer? Die Möglichkeiten sind vielfältig, den Unterricht mithilfe digitaler Medien neu, effizienter und kreativer zu gestalten. Das Schulportal hat Lehrkräfte gefragt, welche digitalen Tools sie sinnvoll finden. In der Serie „App-Tipp“ stellen Lehrkräfte digitale Anwendungen und Apps für die Schule vor, die sie gerne in ihrem Unterricht verwenden. Die Sammlung wird fortlaufend erweitert. Diese Apps haben Lehrkräfte bereits vorgestellt:

  • Blue Brain Club: Die App „Blue Brain Club“ (BBC) eignet sich besonders für den Biologieunterricht. Die Anwendung erklärt auf spielerische Art die verschiedensten Funktionsweisen des Gehirns.
  • ClassroomScreen: Die App „ClassroomScreen“ ist eine kostenlose browserbasierte App zur Gestaltung einer Lerneinheit über Beamer und Whiteboard.
  • EdPuzzle: Mit „EdPuzzle“ können Lehrkräfte der Klasse Videos als Vorbereitung für den Unterricht übermitteln. Außerdem bietet die App die Möglichkeit, Fragen (Multiple Choice oder offene Fragen) in Videos einzubauen.
  • EF Class: Die App „EF Class“ ist eine Ergänzung für den digitalen Englischunterricht. Über sie können lehrplanrelevante Inhalte, die nach Kompetenzbereichen und Sprachniveau gegliedert sind, zugewiesen werden.
  • Kahoot: Mit der App „Kahoot!“ können Lehrerinnen und Lehrer ganz einfach ein Quiz entwickeln und es in ihren Unterricht einbeziehen. Auch ganze Rätselrunden lassen sich so erstellen.
  • Mentimeter: Mit der App „Mentimeter“ lassen sich niedrigschwellig Stimmen der Schülerinnen und Schüler einbinden und so möglichst viele am Unterricht teilhaben.
  • meetzi: Mit „meetzi“ ist es möglich, den Unterricht vollständig digital zu halten. In einem virtuellen Unterrichtsraum treffen sich Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften. Dort können sie auf verschiedene Weise miteinander in den Austausch gehen. Neben einem Video-Chat gibt es eine digitale Tafel.
  • Moodle: Das Lernmanagementsystem „Moodle“ wird in vielen Bundesländern eingesetzt und bietet die Möglichkeit, virtuelle Klassenräume und Arbeitsplätze einzurichten. Über Moodle können vielfältige Aufgaben oder Lernmaterial zur Verfügung gestellt werden.
  • Nearpod: Mit „Nearpod” lassen sich Präsentationen interaktiv aufbereiten. Zum Beispiel können unterschiedliche Fragefunktionen, Aufgaben, Lückentexte, aber auch kollaborative Formate eingebaut werden.
  • notyz: Die kostenfreie App „notyz“ hilft bei der Gestaltung des Fernunterrichts. Über die App können Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern Informationen, Aufgaben und Videos für das Homeschooling zukommen lassen.
  • Oncoo: „Oncoo“ steht für „Online Cooperation“ und ist eine internetbasierte Plattform, die mehrere Web-Apps für eine persönliche und onlinegestützte Kommunikation und Zusammenarbeit vereint.
  • Padlet: „Padlet“ ist eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden können.
  • Plickers: „Plickers“ ist ein praktisches Tool für Multiple-Choice-Fragen, Wahr/Falsch-Fragen oder Umfragen. Sie kann zum Beispiel für Wiederholungsfragen zur letzten Unterrichtsstunde, für Verständnisfragen zu einem Text, fürs tägliche Übungen, zur Diagnose oder für eine Stundenreflexion genutzt werden.
  • QuizAcademy: Mit „QuizAcademy” können Lehrkräfte Quizze und Karteikarten erstellen, um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu prüfen und gleichzeitig das selbstorganisierte Lernen zu fördern.
  • Schulmanager Online: Der „Schulmanager Online“ erleichtert Organisationsprozesse. Einzelne Funktionen könnten mittels Baukastenprinzip entsprechend den Bedürfnissen der Schule kombiniert werden – vom Antrag auf Beurlaubung über ein digitales Klassenbuch bis zum Vertretungsplan.
  • Scobees: Mit der Lern-App „Scobees” lässt sich das eigenverantwortliche Lernen fördern. Die Schülerinnen und Schüler können dabei individuell begleitet werden.
  • TeacherTool: Die App „TeacherTool“ ist eine Software, die die Unterrichtsplanung unterstützt. Ihre Funktionen ermöglichen zum Beispiel Schüler- und Notenverwaltung, Kursorganisation und Dokumentation.
  • WiseLab 2.0: „WiseLab 2.0“ ist eine von Lehrkräften entwickelte Alternative zu den gängigen Lernplattformen. Mithilfe der App ist es möglich, digitalen Unterricht zu erstellen und durchzuführen.

Bei den App-Tipps handelt es sich um Empfehlungen von Lehrkräften für Lehrkräfte. Das Deutsche Schulportal hat diese nicht mit Blick auf die aktuellen DSGVO-Richtlinien geprüft. Wenn Sie die App an Ihrer Schule einsetzen möchten, wenden Sie sich am besten an die zuständige Schulbehörde für eine datenschutzrechtliche Beurteilung.