Buch-Tipp

Deeper Learning : Vermittlung von Kompetenzen für die Zukunft

Schülerinnen und Schüler sollen sich nicht Wissen aneignen, sondern Wissen anwenden. Lehrerinnen und Lehrer sollen zu Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern werden. Leistungsbewertung erfolgt nicht über Klausuren, sondern über „authentische“ Leistungen. Lässt sich all das in der Praxis wirklich umsetzen? Die Bildungswissenschaftlerinnen Anne Sliwka und Britta Klopsch haben da keinen Zweifel, und sie liefern auch gleich das Konzept dazu: Deeper Learning. Im gleichnamigen Buch stellen sie diesen pädagogischen Ansatz ausführlich vor.

Annette Kuhn 04. November 2022
Deeper Learning Buchcover

Deeper Learning – das ist so ein Begriff, der sich zwar leicht als vertieftes Lernen übersetzen lässt, aber bei dem man sich dennoch fragt: Was heißt das eigentlich konkret? Und wie geht Deeper Learning in der Praxis? Anne Sliwka, Professorin für Schulpädagogik an der Universität Heidelberg, und Britta Klopsch, Juniorprofessorin für Schulpädagogik am Karlsruher Institut für Technologie, befassen sich schon lange mit dem Thema, haben sich im Ausland angeschaut, wie das Konzept dort praktiziert wird, haben entsprechende Lernprozesse an Schulen in Deutschland begleitet und eine Deeper-Learning-Initiative gegründet.

Ihre Erkenntnisse stellen sie nun in dem Buch „Deeper Learning in der Schule. Pädagogik des digitalen Zeitalters“ ausführlich dar. Sie zeigen, wie eine gelingende Deeper-Learning-Einheit aufgebaut ist, welchen Gewinn Schülerinnen und Schüler daraus ziehen können und wie sich die Rolle von Lehrkräften dabei verändert.

Rolle der Lehrkräfte ändert sich durch Deeper Learning

Sie wollen Lehrkräfte und Schulleitungen „ermutigen, den Schritt in die Zukunft der Pädagogik durch das Umsetzen dieser innovativen Lehr-Lern-Praxis selbst zu vollziehen“, denn sie sind überzeugt, dass Deeper Learning die Arbeit für Lehrerinnen und Lehrer interessanter macht.

Das Konzept sei weltweit nicht identisch, schreiben die beiden Wissenschaftlerinnen, aber alle Varianten verfolgten das Ziel, Schülerinnen und Schüler die Kompetenzen zu vermitteln, die sie für die Zukunft brauchen, vor allem die sogenannten „21th Century Skills“, konkret die „4Ks“: Kommunikation, Kollaboration, Kritisches Denken, Kreativität. Und allen Varianten gleich ist auch, dass sie die Möglichkeiten der Digitalität nutzen – sei es durch die Nutzung von Erklärvideos, Recherchen über digitale Medien oder durch digital gestützte Formen der Kooperation.

Anwendung und Reflexion von Wissen

Eine Deeper-Learning-Einheit gliedert sich in drei Phasen: Zunächst gibt die Lehrkraft einen kurzen Input, eine Instruktion. Darauf aufbauend können Schülerinnen und Schüler durch eigenständige Arbeit ihr Wissen vertiefen und Einstiege in ein Thema auf ihrem individuellen Niveau finden. Manche haben vielleicht zu einem Thema wenig Vorwissen und holen sich in einem Erklärvideo erst mal die Basisinformationen, andere haben bereits Vorwissen und überspringen diese Stufe.

In der zweiten Phase bilden Schülerinnen und Schüler kleine Teams und entscheiden in der Gruppe, welchen Aspekt eines Themas sie vertiefen und wie sie dabei vorgehen wollen. Für Lehrkräfte ergeben sich dabei neue Möglichkeiten der Lernbegleitung. Sie können phasenweise in die Teams reingehen und formatives Feedback geben. Sie sehen, wie sich die Arbeit der Schülerinnen und Schüler entwickelt, und daraus resultiert in der dritten Phase auch eine andere Leistungsdarstellung und -beurteilung: Die Schülerinnen und Schüler präsentieren ihre Arbeitsergebnisse vor der Gruppe und reflektieren den Arbeitsprozess. Es geht hier also nicht um das Abfragen von Wissen wie in einer klassischen Klausur, sondern um die Anwendung und Reflektion von Wissen.

Praktische Beispiele zu Deeper Learning

Im Buch zeigen die Autorinnen an vielen Beispielen, wie Deeper Learning in den drei Phasen konkret aussehen kann, welche Voraussetzungen es dafür braucht, welche lerntheoretischen Hintergründe wichtig sind, welche Lerneffekte erzielt werden können und wie eine angemessene Bewertung gelingt.

Ausführlich widmet sich das Buch auch der Frage, was Deeper Learning für Lehrerinnen und Lehrer bedeutet, wie sich ihre Rolle im Klassenzimmer verändert, wie aber auch die Kooperation im Kollegium gestärkt werden kann und wie die Schule darüber ihre Schul- und Unterrichtsentwicklung voranbringen kann. Also einfach mal zur Tat schreiten, raten die Autorinnen, und „sich auf das Neue und Unbekannte einlassen“.

Auf einen Blick

  • Anne Sliwka, Britta Klopsch: „Deeper Learning in der Schule”, Beltz Verlag, 221 Seiten, 19,95 Euro.
  • Mehr zum Thema gibt es auch auf der Seite der Deeper Learning Initiative der School of Education der Universität Heidelberg.