Umfrage unter Schülern : Befriedigendes Zeugnis für Lehrer in Corona-Zeiten

Homeschooling sorgt für Verzweiflung bei Eltern und Frust bei Lehrern. Auch viele Schülerinnen und Schüler sind gestresst, können dem Unterricht zu Hause aber Positives abgewinnen.

Dieser Artikel erschien am 08.02.2021 in DER SPIEGEL
Marie-Charlotte Maas
Schüler im Homeoffice
Kind beim Homeschooling (Symbolfoto)
©Getty Images

Verzweiflung, Druck, Panik. Spricht man mit betroffenen Familien, so scheint Homeschooling in Corona-Zeiten eine Erfahrung zu sein, die die meisten so schnell nicht noch einmal erleben wollen. Neben der Mutter- oder Vaterrolle noch die der Lehrerin oder des Lehrers zu übernehmen und neben dem eigenen Beruf auch noch die schulischen Leistungen der Kinder voranzutreiben, ist für viele Eltern ein Kraftakt. Während Mütter und Väter in den vergangenen Monaten häufig zu Wort kamen und ihre Lage bewerten durften, hörte man von den Schülerinnen und Schülern nur wenig.

Doch wie geht es eigentlich dem Nachwuchs mit dem Unterricht am heimischen Küchentisch? Mit dieser Frage hat sich eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im Auftrag der Onlinelernplattform Simpleclub beschäftigt. 1000 Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren bewerteten ihre momentane Situation und erklärten, was ihnen aktuell besonders fehlt und was sie sich wünschen würden.

Lehrer erhalten befriedigendes Zeugnis

Die Ergebnisse überraschen, denn ganz so negativ wie die Eltern sehen die Schülerinnen und Schüler das Homeschooling nicht.

Immerhin 44,5 Prozent bewerten die Situation als »mittelmäßig«, knapp ein Viertel gab sogar an, »sehr zufrieden« zu sein, als »nicht zufrieden« bezeichnete sich nur ein knappes Drittel.

Angesprochen auf die Leistungen ihrer Lehrer gaben die Befragten diesen eine befriedigende Durchschnittsnote von 2,79. Als ausbaufähig bezeichneten die Schülerinnen und Schüler allerdings organisatorische Punkte, etwa größere Spielräume bei Abgabefristen. Dabei zeigten sich die älteren Schüler besonders kritisch.

Jüngere Schüler bemängelten vor allem den fehlenden Kontakt zu ihren Lehrern, auch ein Ersatz des Präsenzunterrichts durch beispielsweise Videochats komme zu kurz. Bauchschmerzen bereiten den Befragten auch überlastete und nicht funktionierende digitale Tools.

Präsenzunterricht fehlt über alle Altersstufen hinweg

Trotz der überwiegend zufriedenstellenden Bewertung der Lehrer in Sachen Fernunterricht vermissen viele Befragte den Präsenzunterricht. Dabei stehen jedoch nicht in erster Linie fachliche Gründe im Vordergrund, wie die fehlende Unterstützung durch die Lehrer oder die nicht vorhandene Möglichkeit, offene Fragen schnell zu klären – etwas, das immerhin rund die Hälfte aller Befragten als Manko erlebt –, sondern der persönliche Austausch mit Freunden.

Positiv hingegen wird das Wegfallen von klaren Lernzeiten und eines regelmäßigen Tagesablaufs eingeschätzt. Ein überwiegender Teil der Befragten gab zudem an, im Verlauf der Pandemie gelernt zu haben, sich Lernstoff ohne die Hilfe von Lehrerinnen und Lehrern anzueignen (69,1 Prozent), sich selbst zu organisieren (68,8 Prozent) und sich eigenständig Quellen zum Finden von Lösungen zu suchen (67 Prozent).

Insgesamt scheinen die Schülerinnen und Schüler die momentane Situation besser zu verkraften als ihre Eltern: Auf die Frage, wie lange sie den Lockdown und Schulschließung noch durchhalten können, sagten nur 16 Prozent, dass sie am Limit seien. Zwei Drittel gaben an, noch ein Weilchen ausharren zu können, wenn es sein müsse, und 16,6 Prozent wünschen sich gar, das Homeschooling würde für immer so weitergehen.