Integration : Arabisch boomt

Immer mehr Schulen bauen ihr Fremdsprachen-Angebot aus und setzen sich auf diese Weise mit der Vielfalt ihrer Schülerschaft auseinander. Das Schulportal zeigt, wie die aktuelle Situation in Hamburg, Berlin und Bayern aussieht – am Beispiel des Arabisch-Unterrichts.

Antje Tiefenthal / 29. Oktober 2018
Das Wort "Liebe" in verschiedenen Schriftsystemen.
Immer mehr Schulen etablieren zusätzliche Arabisch-Angebote.
©Theodor Barth (Robert Bosch Stiftung)

Die arabische Sprache ist eine Weltsprache: Sie gehört zu den meistgesprochenen Sprachen weltweit, Tendenz steigend. Aktuellen Schätzungen zufolge sprechen derzeit rund 313 Millionen Menschen Arabisch als Muttersprache, und die Zahl derer, die Arabisch als Fremd- oder Zweitsprache sprechen, wächst. Auch immer mehr Schulen etablieren hierzulande zusätzliche Arabisch-Angebote für ihre Schülerinnen und Schüler – vor allem, um arabischstämmigen Kindern und Jugendlichen ihre Muttersprache näher zu bringen. Je nach Bundesland fallen die Angebote unterschiedlich aus. Eine Auswahl:

Hamburgs Abiturientinnen und Abiturienten konnten im vergangenen Schuljahr 2017/2018 erstmals Prüfungen im Fach Arabisch absolvieren. Bereits seit November 2017 hatte die Hamburger Schulbehörde in der Mittelstufe einiger Schulen Arabisch-Unterricht eingeführt, da die Zahl der arabischsprachigen Schülerinnen und Schüler zuvor stark gestiegen war. „Der Arabischunterricht wird von qualifizierten Arabischlehrkräften auf Grundlage des Hamburger Bildungsplans für den herkunftssprachlichen Unterricht erteilt. Die Leistungen sind zeugnis- und versetzungsrelevant“, heißt es in einer Mitteilung der Schulbehörde zum ausgebauten Fremdsprachenangebot. In der Hansestadt können Abiturprüfungen jetzt in insgesamt zwölf Fremdsprachen-Fächern abgelegt werden – neben Arabisch sind seit vergangenem Schuljahr auch erstmals die Fächer Farsi und Italienisch dabei.

In Berlin plant der Senat, dass an den Schulen der Hauptstadt künftig mehr Sprachen gelehrt werden sollen. Eine im Mai 2018 veröffentlichte Umfrage der Bildungsverwaltung kommt aber zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Berliner Schulen das Vorhaben als kritisch betrachtet – vor allem vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels. Demnach haben sich nur 20 Schulen bereit erklärt, weitere Fremdsprachen für die Schülerinnen und Schüler anzubieten. Ebenso viele Schulen haben einen erhöhten Bedarf für Arabisch-Unterricht gemeldet.

In Bayern weist „die Sprachenpalette an Gymnasien neben den fortgeführten Fremdsprachen auch eine breite Palette an Fremdsprachen auf, die lediglich als spät beginnende Fremdsprache erlernt werden können, dazu zählen beispielsweise Japanisch, Neugriechisch, Polnisch, Türkisch oder Tschechisch“, erklärt Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag auf Anfrage des Schulportals. Waschler: „Im Wahlfachangebot können alle Fremdsprachen unterrichtet werden, sofern die Schule die nötigen Mittel bereitstellt oder ein Sammelkurs, an dem sich mehrere Schulen beteiligen, eingerichtet werden kann. Für Arabisch als Wahlfach (zweistündig) haben für das Schuljahr 2018/2019 das Maximiliansgymnasium München sowie erstmals auch das Pirckheimer-Gymnasium München genehmigte Anträge gestellt. Ein erstmals im Schuljahr 2017/2018 am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg laufender und von der Universität Bamberg unterstützter Sammelkurs Arabisch wird mangels Interesses an einem weiteren Kursjahr mit Ablauf dieses Schuljahres eingestellt.“

Auf einen Blick

Das Schulportal berichtet regelmäßig darüber, wie Schulen Integration ermöglichen und Vielfalt stärken.

Eine Auswahl:

  • Jugendliche Geflüchtete erlernen am Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft in Kiel Deutsch als Zweitsprache – mit Hilfe von persönlichen Arbeitsplänen und kreativen Angeboten wie Basteln, Malen, Spielen und Singen. Hier geht es zum praxiserprobten Konzept „DaZ-Cluster“.
  • Juliane Karakayali lehrt und forscht an der Evangelischen Hochschule Berlin zu den Schwerpunkten Rassismus, Migration und Geschlechterforschung. Sie ist überzeugt: Vorbereitungsklassen sind für geflüchtete Kinder nicht die beste Lösung. Hier geht es zum Gastbeitrag von Juliane Karakayali.
  • Der 13-jährige Arshia aus Teheran ist vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen und spricht neben seiner Muttersprache Farsi nun auch schon gut Deutsch. Wie er sich integriert hat und was sein Lieblingssport damit zu tun hat, erfahren Sie hier.
  • Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können im herkunftssprachlichen Unterricht die Kompetenzen und Kenntnisse in ihrer Muttersprache stärken. Das Schulportal sammelt hier relevante Zahlen und Fakten über herkunftssprachlichen Unterricht.
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