App-Tipp : Padlet: Die digitale Pinnwand für den Unterricht

Die Digitalisierung bringt viele Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, ihren Unterricht neu zu gestalten, kreativer zu werden und sich effizienter zu organisieren. Das Angebot ist groß. Allein fällt es vielen Lehrkräften jedoch schwer, sich im Dschungel der digitalen Anwendungen zu orientieren. Das Schulportal hat Leserinnen und Leser über Facebook und Twitter nach ihren Empfehlungen gefragt. Jens Lindström, Lehrer für Mathematik und Sport sowie Medienberater des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) arbeitet regelmäßig mit der digitalen Pinnwand „Padlet“. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen damit. Die App bietet viel Potenzial – insbesondere für die Zusammenarbeit sowie als Ergebnis- und Ideensammlung.

23. Oktober 2019
Schülerinnen und Schüler arbeiten mit einer App auf Tablets im Unterricht.
Apps auf Smartphone, Tablet oder dem PC bieten neue Möglichkeit bei der Unterrichtsgestaltung und der Organisation von Schule.
©Thomas Frey/dpa

Was bietet die App?

„Padlet“ ist eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden können. Dabei werden verschiedene Vorlagen geboten, um in die kooperative Arbeit zu starten. Die App macht es beispielsweise möglich, digitale Pinnwände zu erstellen und Live-Chats zu starten. Jede Änderung von verschiedenen Computern kann live mitverfolgt werden, sodass der Inhalt immer auf dem neuesten Stand ist. Eine Klasse kann gleichzeitig an einer Pinnwand arbeiten, sie mit Inhalten füllen, die Einträge kommentieren und so in Echtzeit darüber diskutieren.

Wie kann die App für den Unterricht genutzt werden?

Aus den Möglichkeiten zur ortsunabhängigen Zusammenarbeit in Echtzeit entstehen völlig neue und vielfältige Einsatzmöglichkeiten für den Unterricht. Besonders das Sammeln, Verarbeiten und Vergleichen von Inhalten wird vereinfacht.

Eine Unterrichtsidee, die ich gern als Beispiel präsentiere, beginnt in der Natur. Mit Tablets oder Smartphones fotografieren die Lernenden in der Umgebung der Schule heimische Pflanzen- oder Tierarten. Die Fotos und eventuell auch Videos laden sie in die „Padlet-Pinnwand“ hoch. Da alle von ihren Geräten gleichzeitig Zugriff auf die Online-Pinnwand haben, sieht also die ganze Klasse alle hochgeladenen Fotos und Videos. Sind erst mal verschiedene Tier- und Pflanzenarten gesammelt, sollen anschließend die Namen der Lebewesen bestimmt werden. In dieser Arbeitsphase thematisiert die Lehrkraft, welche Suchstrategien dabei helfen können. Während die ersten Namen (wie „Brennnessel“ und „Löwenzahn“) schnell gefunden werden, sind andere Lebewesen schwieriger zu bestimmen: Welche Schmetterlingsart ist das eigentlich? Was wird später mal aus dieser Raupe? Und woran erkennt man den Unterschied zwischen Biene, Wespe und Hummel? Die Vermutungen können die Lernenden direkt als Kommentar an die Fotos schreiben. So gehen Ideen und Vorschläge nicht verloren und können in der ganzen Klasse diskutiert werden.

Natürlich muss man die Pinnwand nicht mit Fotos füllen. Es können auch einfache Wörter, kurze Sätze oder direkt eingesprochene Audioaufnahmen sein. So könnte ein Glossar aus Fachbegriffen oder Vokabeln entstehen. Die Lernenden ergänzen dann nicht nur Übersetzungen, Paraphrasierungen oder Synonyme. Auch Fotos zum Fachbegriff oder die Aussprache der Vokabel als Sounddatei können hinterlegt werden.

Über den Unterricht hinaus habe ich „Padlet“ auch schon häufig zur Gestaltung von Fortbildungen oder zur Zusammenarbeit mit anderen Lehrkräften eingesetzt. Neben organisatorischen Infos fanden die Teilnehmer hier vorbereitete Spalten für jeden Workshop, in denen sowohl die Referenten Infos, Links und Dateien hinterlegen, aber auch die Teilnehmer Fragen stellen und selbst Tage nach der Veranstaltung noch diskutieren konnten. Auch im Anschluss an eine Veranstaltung eignet sich „Padlet“ als Feedback-Tool.

Mein absolutes Highlight aber ist eine Sammlung für digitale Medien im Fachunterricht. In dieser Pinnwand habe ich für jedes Fach eine Spalte erstellt und viele Ideen von mir und anderen kreativen Köpfen eingetragen. Da jede und jeder hier mitarbeiten kann, haben mittlerweile Dutzende Lehrkräfte aus meinen eigenen Veranstaltungen, aber insbesondere auch Kolleginnen und Kollegen, die ich über Twitter kennengelernt habe, daran mitgearbeitet.

Wieso würden Sie die Anwendung weiterempfehlen?

„Padlet“ ist ein „Schweizer Taschenmesser für die Zusammenarbeit“ und kann vielfältig im Unterricht und darüber hinaus genutzt werden. Das Wichtigste ist für mich dabei, dass hier die Aktivität der Lernenden im Mittelpunkt steht.

Auf einen Blick

Wofür?

Zusammenarbeit jeglicher Art: Wikis, Glossare, Sicherung und Vergleich der Arbeitsergebnisse, Mindmaps …

Kosten?

Die Lehrkraft benötigt einen Account. Bis zu drei Pinnwände sind kostenlos und können von unbegrenzt vielen Bearbeitern auch ohne Account genutzt werden. Will man mehr Pinnwände gleichzeitig nutzen, bezahlt man eine monatliche Gebühr.

Ausstattung?

Der Zugriff erfolgt mit einem Tablet, PC oder Smartphone über einen Link – am besten als QR-Code. Da die App im Browser geöffnet wird, muss keine Software installiert werden, und es funktioniert mit allen halbwegs aktuellen Geräten.

Zur Person

  • Jens Lindström ist Lehrkraft für Mathematik und Sport in Schleswig-Holstein. Seit 2017 ist er als Medienberater für das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) tätig und leitet dort unter anderem die Medienwerkstatt und steuert die Medienberatungsangebote für Schulen.
  • Auf seiner Website schreibt er über Schulentwicklung, Medieneinsatz und den Mathematikunterricht. In seiner Videoreihe „Apps in 90 Sekunden“ hat er „Padlet“ bereits vorgestellt.
  • Auf Twitter (@KaeptnKeks) und Youtube (Käptn Keks) teilt er Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen.

Weitere App-Tipps

Welche Apps empfehlen Lehrerinnen und Lehrer? Die Möglichkeiten sind vielfältig, den Unterricht neu, effizienter und kreativer mit Hilfe digitaler Medien zu gestalten. Trotzdem bleibt die Frage, welche Anwendungen tatsächlich sinnvoll sind. Das Schulportal hat diejenigen gefragt, die direkt betroffen sind: In der Serie „App-Tipp“ stellen Lehrkräfte Apps, Programme und andere digitale Anwendungen vor, die sie gerne in ihrem Unterricht verwenden.