Die Deutsche Schulakademie : Wie lassen sich nachhaltige Fortbildungen erkennen?

Auch Lehrkräfte lernen nie aus: Zahlreiche Veränderungen fordern von Lehrerinnen und Lehrern, sich regelmäßig weiterzubilden. Die unterrichtsfreie Zeit wird an vielen Schulen für die Fortbildungsplanung und für die Fortbildungsveranstaltungen genutzt. Doch es herrscht Uneinigkeit darüber, wie wirksam einige Weiterbildungsmaßnahmen sind. Alexandra Marx von der Deutschen Schulakademie erklärt, wie Schulleitungen und Lehrkräfte gute Fortbildungen erkennen können und von welchen Kriterien sich die Deutsche Schulakademie bei der Entwicklung ihres Programms leiten lässt.

Alexandra Marx Alexandra Marx / 23. Juli 2019
Ein Dozent hält einen Vortrag vor mehreren Erwachsenen.
Das Angebot an Fortbildungen für Lehrkräfte ist vielfältig, einheitliche Regelungen gibt es nicht.
©Getty Images

Lehrerinnen und Lehrer müssen sich im Laufe ihres beruflichen Lebens immer wieder Neuerungen stellen. Bildungspolitische Reformen, die Anpassung von Lehr- und Bildungsplänen oder eine veränderte Schülerschaft, aber auch neue pädagogische und didaktische Konzepte machen eine fortlaufende Weiterqualifizierung notwendig. Demzufolge sind Lehrkräfte auch formal dazu angehalten, sich während ihrer beruflichen Tätigkeit in der sogenannten dritten Phase der Lehrerbildung kontinuierlich fortzubilden.

In allen Bundesländern existieren entsprechende Bestimmungen – wobei die Regelung nur in Brandenburg in erster Linie als ein Fortbildungsrecht und nicht als eine Fortbildungspflicht formuliert wird. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass Lehrkräfte dieser Verpflichtung im Großen und Ganzen auch nachkommen: Deutschlandweit berichten mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte davon, Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen.

Unklar bleibt allerdings, ob dies dazu führt, dass Lehrkräfte neues Wissen erwerben, Routinen und Praktiken reflektieren und ihr unterrichtliches Handeln ändern – oder kurz gesagt: Es ist fraglich, inwiefern diese Fortbildungen wirksam darin sind, guten Unterricht und gute Schule weiterzuentwickeln. Insbesondere für die Lehrkräfte selbst ist es im Vorfeld häufig schwierig, zu erkennen, ob eine Fortbildung so angelegt ist, dass sie auch nachhaltig wirken kann: Welche Kriterien sollten dafür angelegt werden? Gibt es Merkmale einer Veranstaltung, die besonders wichtig sind, um wirksam zu sein?

Nachhaltige Fortbildungen entwickeln: Der Ansatz der Deutschen Schulakademie

Wirksame Fortbildungen zu finden ist nicht einfach. Selbst wer die Kriterien einer nachhaltig angelegten Fortbildungsveranstaltung kennt, wird häufig feststellen, dass solche Angebote bislang eher die Ausnahme als die Regel sind. Nach wie vor ist eine Großzahl der in Deutschland stattfindenden Lehrkräftefortbildungen nicht darauf ausgerichtet, einen Transfer der Inhalte in den schulischen Alltag zu erleichtern oder gar die Entwicklung der Schule als Institution voranzutreiben.

Davon heben sich die Angebote der Deutschen Schulakademie mit ihrem Fokus auf nachhaltige Schulentwicklung ab. 2015 gründeten die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung die Deutsche Schulakademie mit dem Ziel, aufbauend auf der innovativen Praxis der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises Fortbildungsangebote für alle Schulen in Deutschland zu entwickeln. Die Deutsche Schulakademie orientiert sich an den wesentlichen Kriterien wirksamer Fortbildungen, wie sie beispielsweise in den Arbeiten von Prof. Dr. Frank Lipowsky und Daniela Rzejak („Das Lernen von Lehrpersonen und Schülern/-innen im Fokus. Was zeichnet wirksame Lehrerfortbildungen aus?“, 2015) identifiziert wurden.

Wie erkenne ich eine gute Lehrkräftefortbildung?

Eine typische Lehrkräftefortbildung ist eine kurzfristig angelegte Veranstaltung: Lehrerinnen und Lehrer kommen für eine kurze Zeit – in der Regel höchstens einen Tag – zusammen, hören sich Vorträge zu einem Thema an und führen einige Übungen durch. Mit etwas Glück nimmt an einer solchen Veranstaltung auch eine Kollegin oder ein Kollege aus der eigenen Schule teil. Dadurch ergibt sich eventuell die Gelegenheit, das Gelernte im Schulalltag noch einmal anzuwenden und gemeinsam durchzusprechen.

Häufig verpufft die Wirkung solcher Veranstaltungen im Schulalltag allerdings recht schnell: Handlungsroutinen und Gewohnheiten lassen sich eben nicht an einem Nachmittag verändern. Eine nachhaltige Fortbildung muss tiefer greifende Lernprozesse ermöglichen und zur Reflexion anregen; sie muss es erlauben, das Gelernte anzuwenden, Fehler zu machen und auch aus diesen zu lernen.

Aus der wissenschaftlichen Literatur und der empirischen Forschung sind Merkmale bekannt, die dabei helfen können, zu erkennen, ob eine Fortbildung auf diese Weise nachhaltig konzipiert ist. Fortbildungsveranstaltungen, die nach diesen Prinzipien angelegt sind, eignen sich besonders, um guten Unterricht und gute Schule weiterzuentwickeln.

Mehr zum Thema

Die Autorin weist auf die Kriterien für wirksame Fortbildungen hin, an denen sich die Deutsche Schulakademie orientiert. Diese werden zum Teil abgeleitet aus den folgenden Arbeiten:

  • Darling-Hammond, L., Hyler, M. E. & Gardner, M.: Effective Teacher Professional Development. Learning Policy Institute, 2017.
  • Daschner, P. & Hanisch, R. (Hrsg.): Lehrkräftefortbildung in Deutschland. Bestandsaufnahme und Orientierung. Beltz Juventa, 2019.
  • Lipowsky, F. & Rzejak, D.: Das Lernen von Lehrpersonen und Schülern/-innen im Fokus. Was zeichnet wirksame Lehrerfortbildungen aus? in: Loccumer Protokoll, Band 26/14, Reihe Forum Lehrerfortbildung, Heft 46/2015, S. 11-49.

Zur Person

  • Alexandra Marx ist wissenschaftliche Referentin der Deutschen Schulakademie.
  • Sie promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.
  • Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam forschte sie hauptsächlich im Bereich der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften.