Klima-Botschafterin : Schule muss En­gagement ermöglichen

Annalena Stöger hat gerade erst ihr Abitur gemacht und studiert jetzt Jura und Politikwissenschaften. Und die junge Frau engagiert sich ehrenamtlich als Klima-Botschafterin: Sie zeigt Schülerinnen und Schülern, was sie gegen den Klimawandel tun können und wie sie nachhaltige Veränderungen an ihrer Schule anstoßen können. In ihrem Gastbeitrag für das Schulportal erklärt Annalena Stöger, warum junge Menschen mehr Verantwortung übernehmen sollten und warum Schule Engagement fördern sollte.

Annalena Stöger Annalena Stöger / 12. Dezember 2018
Eine Klima-Botschafterin hält einen Stift und schreibt das Wort Klimawandel
Klima-Botschafterin Annalena Stöger hat einen Wunsch: Sie möchte, dass sich noch mehr Schülerinnen und Schüler für eine nachhaltige Zukunft stark machen.
©SV-Bildungswerk e.V. | Karim Rieg

Warum ich Klima-Botschafterin geworden bin

Klimawandel ist ein Thema, das uns alle betrifft. Ich bin Teil einer Generation, die mit den Folgen des Klimawandels leben muss. Die Bedingungen und Voraussetzungen für den anthropogenen Klimawandel wurden strukturell über mehrere Generationen hinweg geschaffen, als die Ausmaße weder denkbar noch in irgendeiner Weise ersichtlich waren.

Die aktuelle Klimapolitik wird gemacht von Erwachsenen, die die Konsequenzen ihrer Beschlüsse nicht mehr zu spüren bekommen. Es ist also möglich, dass deren heutige Entscheidungen dazu beitragen, dass meine Generation später die Folgen des Klimawandels mehr denn je zu spüren bekommt. Da wird aus meiner Sicht eine Abhängigkeit geschaffen, die ungerecht ist. Deshalb liegt es an uns jungen Menschen, uns einzumischen, konträre Positionen zur aktuellen Klimapolitik zu formulieren und ein erstes „Anders-Denken“ –gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten – anzustoßen.

Es liegt an uns jungen Menschen, uns einzumischen, konträre Positionen zur aktuellen Klimapolitik zu formulieren und ein erstes „Anders-Denken“ –gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten – anzustoßen.
Klima-Botschafterin Annalena Stöger

Aus diesem Grund engagiere ich mich im Rahmen des Projekts „Schule·Klima·Wandel“ als Klima-Botschafterin. Das Projekt wurde 2016 vom SV-Bildungswerk ins Leben gerufen und bietet jungen Menschen einen konzeptionellen Rahmen, in dem sie sich für Klimaschutz einsetzen und andere Menschen für die Thematik sensibilisieren können.

Es freut mich immer wieder immens, im Nachgang eines Workshops zu erfahren, dass durch unsere Arbeit langfristige Projekte ins Leben gerufen wurden. Ganz gleich, ob das nun die Bildung einer Arbeitsgruppe ist, die unterschiedliche nachhaltige Projektideen umsetzt, oder eine Workshop-Gruppe, die sich im Anschluss an unser Klima-Seminar mit den Lehrkräften und der Schulleitung zusammensetzt, um einen Wasserspender für die Schulgemeinschaft anzuschaffen oder selber Vogelhäuschen zu bauen.

Schule·Klima·Wandel bietet Workshops und einen Kongress für junge Menschen

In unseren Klima-Workshops entwickeln junge Menschen gemeinsam Ideen des Anders-Denkens und -Machens. Sie tauschen sich aus, diskutieren und erarbeiten konkrete Handlungsalternativen. Diese Workshops finden häufig im Rahmen von Projektwochen oder bestimmten Unterrichtseinheiten zu Nachhaltigkeit und Klimawandel an Schulen statt und werden von mindestens zwei Klima-Botschafterinnen und -Botschaftern begleitet. Oft wird innerhalb der Workshops die Grundlage für weiteres Engagement im schulischen Alltag gelegt.

Eine junge Frau schreibt beim Klima-Workshop auf ein großes Plakat
Bei den Klima-Workshops entwickeln junge Menschen gemeinsam Ideen.
©SV-Bildungswerk e.V. | Karim Rieg

Ein weiteres Format des alternativen Lernens ist unser „Learning by Doing: Kongress für Klima & Wandel“ im Dezember 2018 in Würzburg. Dabei setzen sich 100 junge Menschen in verschiedenen Formaten mit den Dystopien und Utopien des Klimawandels auseinander.

Neue Impulse für die Zukunft

Von diesen Formaten können sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler profitieren. Denn die Jugendlichen bekommen zum einen die Möglichkeit, sich „praktisch“ mit ihrer Zukunft auseinanderzusetzen, und erhalten zum anderen neue Impulse, wie sie konkret ihren Alltag und ihre Zukunft gestalten können.

Ich denke, dass es im Interesse der Lehrerinnen und Lehrer ist, wenn ihre Schülerinnen und Schüler frühzeitig damit beginnen, für ihre Um- und Mitwelt Verantwortung zu übernehmen, und ihre Erfahrungen aus anderen Kontexten einbringen, um den Schulalltag auch im Interesse der Schülerschaft aktiv zu gestalten.

Gemeinsames Lernen auf Augenhöhe

Die Institution Schule hat sich zum Ziel gesetzt, Schülerinnen und Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten und im Verlauf der gesamten Schulzeit das Lernen zu lehren. Alle Kinder sind wissbegierig und wollen sich neues Wissen und neue Fähigkeiten aneignen. Doch leider lassen diese erhaltenswerten Eigenschaften häufig im Laufe der Schulzeit infolge einer verbreiteten Trägheit und einer Eintönigkeit des Lernstoffs und dessen Vermittlung nach.

Im Gegensatz dazu vermitteln wir in unseren Workshops die Inhalte auf Augenhöhe, und die Schülerinnen und Schüler lernen nur das, was alle Beteiligten gleichermaßen interessiert. So begreifen die jungen Menschen die Relevanz des Themas – die Motivation, Neues zu lernen und sich intensiv damit auseinanderzusetzen, erhöht sich.

Mein „Kollege“ Tibor Neuling, ebenfalls Klima-Botschafter, hat das so zusammengefasst:Bei den Workshops ist es uns wichtig, nicht nur Nachhaltigkeit mit den Teilnehmenden zu lernen, sondern auch das Lernen an sich nachhaltig zu gestalten. So wird mit den Teilnehmenden auf einer Ebene gearbeitet, so werden Hierarchien vermieden, und so wird ein Kontrast zur sonst meist eintönigen Lehrmethodik von Lehrkräften gebildet. Neben den wichtigen Inhalten, die vermittelt werden, sehe ich das als einen der wichtigsten Aspekte.“

Mehr Mut, mehr Verantwortung, mehr Unterstützung

Ich wünsche mir von den Schülerinnen und Schülern, dass sie den Mut aufbringen, sich für ihre Interessen einzusetzen, sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen und zu vernetzen und nachhaltige Veränderungen (in der Schule) zu fordern.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich leider viel zu spät damit begonnen habe. Ich merkte sehr schnell, dass ich durch mein Engagement nur gewinnen kann: Ich habe neue Leute kennengelernt, mich mit ihnen vernetzt und gemeinsam mit ihnen unterschiedliche Projekte auf den Weg gebracht. Das hat mir geholfen, mich selbst besser kennenzulernen. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich an Projekten mitarbeiten kann, die ich mir vor der Arbeit als Klima-Botschafterin niemals zugetraut hätte.

Und ich habe einen Wunsch: Ich möchte, dass Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler in den vielfältigen Formen des Engagements unterstützen und sich auf alternative Ideen von Schülerseite einlassen. Es ist wichtig, dass Schule Engagement ermöglicht!

Wir alle können unsere Zukunft nachhaltig gestalten und davon profitieren, wenn wir uns gegenseitig unterstützen, statt einander Barrieren in den Weg zu legen.

Mehr zum Thema

  • „Schule·Klima·Wandel“ ist ein Kernprojekt des SV-Bildungswerks.
  • Das 2016 gestartete Projekt bietet jungen Erwachsenen vielfältige Möglichkeiten des Engagements. Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte können Workshops zu diversen Themen in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit anfragen.
  • Diese Workshops werden von jungen Peer-Moderatorinnen und -Moderatoren gehalten. Die sogenannten Klima-Botschafterinnen und -Botschafter kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und gehen meist selbst noch zur Schule. Sie haben sich im Rahmen einer sechstägigen Ausbildung für diese Aufgabe weitergebildet.
  • „Schule·Klima·Wandel“ wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert. Dadurch ist es möglich, alle Angebote kostenlos anzubieten.
  • Hier erfahren Sie mehr über das Projekt „Schule·Klima·Wandel“.
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