Digitalisierung : Wenn IT-Firmen Lehrkräfte fortbilden

Immer häufiger nennen sich Lehrerinnen und Lehrer „Apple Teacher“ oder „Google Certified Educator“. Sie haben umfang­reiche Fort­bildungen bestimmter IT-Konzerne durch­laufen, weil entsprechende Angebote bei den staatlichen Fortbildungen oft fehlen. Schulportal-Kolumnist Matthias Förtsch beschreibt, welche Probleme das birgt und wie diese gelöst werden können.

Matthias Förtsch Matthias Förtsch / 06. Februar 2019
Immer häufiger lassen sich innovative Lehrkräfte in Sachen Digitalisierung von großen IT-Firmen fortbilden.
Immer häufiger lassen sich innovative Lehrkräfte in Sachen Digitalisierung von großen IT-Firmen fortbilden.
©dpa

In den sozialen Medien ist eine Metapher sehr verbreitet, mit der sich die Struktur der Lehrer­kollegien anschaulich beschreiben lässt: der Bleistift. Das Bild eines Blei­stifts zeigt, dass es in der Frage der Digitalisierung – wie sicherlich auch bei weiteren Themen – verschiedene Akteure gibt: eine kleine innovative Spitze, einen großen Schaft, zu dem jene gehören, die die Innovationen bereit­willig annehmen, aber auch die Radierer, die alle Weiter­entwicklungen direkt ausradieren wollen.

Es soll hier aber nur um ebendiese oben erwähnte „Spitze“ gehen. Es ist nämlich genau an dieser Spitze ein interessantes Phänomen zu beobachten: Immer mehr innovative Lehr­kräfte bezeichnen sich – im Lebens­lauf oder auch öffentlich – als „Apple Teacher“, „Microsoft Innovative Education Expert“ oder „Google Certified Educator“. Sie haben also umfang­reiche Fort­bildungen dieser Firmen für Lehrerinnen und Lehrer durch­laufen und wollen dies auch zeigen.

Die Konzerne bieten Inhalte, die in staatlichen Fort­bildungen oft fehlen

Zunächst scheint die Nutzung von solchen Angeboten der großen IT-Konzerne nur konsequent: Der Staat bietet oft nur Fortbildungen im Stile von „Das Tablet im Unterricht“ an; vieles bleibt an der Ober­fläche oder bedient Lehr­kräfte, die nur wenig Ahnung von technischen Geräten haben. Wenn ich also meinen Unterricht tief greifend verändern will, benötige ich Tools und Ideen, die weit darüber hinaus­gehen. Die großen Firmen können dies in kosten­losen (!) Programmen bieten und helfen bei einem weiteren wichtigen Aspekt, der den staatlichen Fort­bildungen bisher häufig fehlt: der Bildung einer Community für den Austausch.

Zum Problem werden diese Programme jedoch genau dann, wenn unser ursprünglicher Auftrag als Lehrerinnen und Lehrer dadurch verwischt wird; wenn wir uns also einer bestimmten Firma verpflichtet fühlen und dies Einfluss nimmt auf die Bildung unserer Schüler­innen und Schüler. Die öffentlich getragenen Labels der Lehrerinnen und Lehrer zeigen eine solche vermeintliche Verpflichtung recht deutlich.

Schulen sollten technisch flexibel aufgestellt werden

Zunächst mal sollte man das Engagement dieser Lehrerinnen und Lehrer wert­schätzen – sie bilden sich in Eigen­initiative fort und haben ein Interesse an der Weiter­entwicklung ihres Unterrichts. Und genau dieses Engagement braucht Kanäle, am besten in Form von Bottom-up-Strukturen, in denen die Anstöße der Einzelnen von der gesamten Einrichtung aufgenommen werden. Könnten diese Lehrkräfte ihr Wissen nicht einfach weiter­vermitteln, also direkt wieder als Fortbildner aktiv werden?

Die Leitfrage hierbei sollte folgende sein: Welche Elemente des Gelernten sind auf alle Systeme und andere Software übertragbar, haben also unabhängig von der Platt­form einen Wert für die Weiter­entwicklung des Unterrichts?

Des Weiteren sollten Schulen grund­sätzlich technisch flexibel aufgestellt werden. Das W-LAN ist sowieso universell, die Platt­formen müssen system­unabhängig nutzbar sein (was sowieso inzwischen meist Standard ist), und auch die Streaming-Sticks am Beamer sollten möglichst viele Verbindungs­möglich­keiten bieten.

Nicht zuletzt ist es aber auch Aufgabe des Staats, mehr in die Fort­bildung von Lehr­kräften zu investieren, damit diese dafür nicht immer wieder zu den Firmen abwandern müssen.

Mein Vorschlag: Es braucht finanzielle Mittel für die Bildung von Communities in denen ein Ideen­aus­tausch statt­findet, gerne angeleitet von der „Spitze“ des Bleistifts.

Zur Person

  • Matthias Förtsch ist Lehrer für Englisch und Gemeinschaftskunde (Politik, Wirtschaft und Soziologie) an einem privaten, gebundenen Ganztagsgymnasium in Baden-Württemberg.
  • Zusätzlich ist er hauptverantwortlich für die Schulentwicklung an seiner Schule.
  • Die Zukunft der Schule interessiert ihn so sehr, dass er darüber auch twittert und regelmäßig in seinem Blog berichtet.
  • Für Das Deutsche Schulportal schreibt Matthias Förtsch regelmäßig eine Kolumne.