Buch-Tipp

Ferienlektüre : Zehn spannende Romane aus der Welt der Schulen

Sie sind auf der Suche nach Lesestoff für die Ferien? Schule beschäftigt jeden: Zuerst beginnt man als Schülerin oder Schüler und viele kehren dann als Eltern oder sogar als Lehrkraft an die Schule zurück. Damit kommt genug Stoff zusammen für fesselnde Geschichten. Das Schulportal-Team hat zehn spannende Bücher ausgewählt, in denen Schule, Lehrer- und Schülerpersönlichkeiten eine besondere Rolle spielen. Haben auch Sie einen literarischen Tipp rund um das Thema Schule? Dann nutzen Sie gern die Kommentarfunktion!

08. Juli 2021 Aktualisiert am 11. Juli 2021
Cover des Romans Hard Land von Benedict Wells erschienen im Diogenes Verlag
Benedict Wells: "Hard Land", Diogenes
©Diogenes Verlag

Es gibt immer ein erstes Mal

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb“, mit diesen Worten begrüßt Sam, der Protagonist von „Hard Land“, seine Leserinnen und Leser. Und dieser Sommer 1985 wird sich für den fünfzehnjährigen Sam als einer jenen entpuppen, die man gerne als „Sommer meines Lebens“ bezeichnet. Das erste Mal Liebe. Das erste Mal Trauer. „Hard Land“ steckt voller erster Male und dieser besonderen Stimmung zwischen Nervosität und Euphorie, die diese mit sich bringen. Der „Coming-of-Age“-Roman eignet sich für die Integration im Unterricht; Verlag und Autor stellen dafür Ideen und Materialien in einer Sammlung zur Verfügung.

Ein literarisches Denkmal für den Lehrer

Für den kleinen Jacques stehen die Chancen denkbar schlecht: Sein Vater starb im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter, halb taub, sprachbehindert und Analphabetin, trägt gemeinsam mit der Großmutter zum bitterarmen Haushalt bei. Doch Jacques hat Glück. Sein Lehrer erkennt seine Begabung und Intelligenz und fördert ihn. Albert Camus beschreibt in der Figur von Jacques seine eigene Kindheit und Jugend als Nachkomme französischer Siedler in Französisch-Nordafrika, heute Algerien. In „Der erste Mensch“ – erst 1994 nach Camus’ Tod veröffentlicht – setzt Camus ein Denkmal für all das, was gute Lehrerinnen und Lehrer bei der Persönlichkeitsentwicklung und Bildung eines kleinen Menschen bewirken können.

Albert Camus: „Der erste Mensch“, Rowohlt, 288 Seiten, 10 Euro
Albert Camus: „Der erste Mensch“, Rowohlt
Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“, Suhrkamp, 422 Seiten, 22 Euro
Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“, Suhrkamp

Schlüssel zum besseren Leben

Die beiden Freundinnen Lila und Elena wachsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Sie träumen davon, einen Roman zu schreiben, damit reich zu werden, herauszukommen aus dem Armenviertel und aus der Frauenrolle, die für sie vorgezeichnet ist. Beide sind klug und wissbegierig, doch während die eine nach der Grundschule nicht weiter lernen darf, besucht die andere eine Oberschule und studiert sogar. So trennen sich die Wege der beiden Freundinnen, doch aus dem Blick verlieren sie einander nie. Bildung als Schlüssel zu einem besseren Leben – das ist das Leitmotiv in Elena Ferrantes 2011 erschienenen Roman „Meine geniale Freundin“.

Odyssee eines Sonderlings

Alles beginnt mit einem harmlosen Spiel, das sich die Jungen in der Schulpause ausdenken. Den elfjährigen Raymond Marks küren sie zum Erfinder des „Fliegenfangens“. Der wird dafür aber nicht als Held gefeiert, sondern fliegt von der Schule. Von allen Seiten wird ihm gesagt, dass er nicht „normal“, sogar „falsch“ sei. Abgestempelt als Sonderling, versucht er, seinen Weg durchs Leben zu bestreiten. Der britische Autor Willy Russell bringt seine Leserinnen und Leser mit „Der Fliegenfänger“, erschienen 2001, zum Kopfschütteln und zum Lachen.

Willy Russell: „Der Fliegenfänger“, Heyne, 528 Seiten, 21,95 Euro
Willy Russell: „Der Fliegenfänger“, Heyne
François Bégaudeau: „Die Klasse“, Suhrkamp, 232 Seiten, 12,90 Euro
François Bégaudeau: „Die Klasse“, Suhrkamp

Die raue Realität des Schulalltags

Die Pariser Banlieues sind voller tragischer Geschichten – doch keine ist so echt erzählt wie „Die Klasse“. Der Autor François Bégaudeau war nämlich selbst Lehrer an einer Brennpunktschule am Pariser Stadtrand und weiß genau, wovon er schreibt. Ganz ungeschönt schildert er den Schulalltag mit respektlosen und lauten 13- bis 15-jährigen Teenagern seiner Klasse. Sie kommen aus Nordafrika, Afrika oder China und erleben zu Hause Gewalt und Hilfslosigkeit. An gewöhnlichen Unterricht ist hier gar nicht zu denken. „Die Klasse“, erschienen 2006, ist ein Roman, der zum Nachdenken bringt.

Lehrstück für die Gesellschaft

Der junge Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf in Oberösterreich, um in Wien als Lehrling in einer Trafik, einem Kiosk, anzuheuern. Dort begegnet er vielen spannenden Persönlichkeiten: dem Betreiber der Trafik, der Varietétänzerin Anezka und nicht zuletzt Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalye, der als Jude in Wien seine Flucht plant. „Der Trafikant“, erschienen 2012, zeichnet ein authentisches Bild der sich zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse Ende der 1930er-Jahre. Die erfrischend-naive und gleichzeitig menschliche Art des Protagonisten machen den Roman von Robert Seethaler zu einer Geschichte, die Leserinnen und Leser zutiefst berührt.

Robert Seethaler: „Der Trafikant“, Kein & Aber, 256 Seiten, 22 Euro
Robert Seethaler: „Der Trafikant“, Kein & Aber
Britta Teckentrup: „Die Schule“, Jacoby und Stuart, 128 Seiten, 19 Euro
Britta Teckentrup: „Die Schule“, Jacoby und Stuart

Einfühlsamer Blick auf Schule

„Die Schule“ von Britta Teckentrup ist kein Roman, sondern ein liebevoll illustriertes Bilderbuch, das Einblicke in den Schulalltag gewährt. Große Gesichter und Augen: Mit wenig Text und vielen Bildern gewährt die Illustratorin einen tiefen Blick ins Innerste ihrer Figuren. Die verschiedenen Charaktere erzählen ihre persönlichen Geschichten. Es geht weniger darum, bestimmte Aussagen an den Pranger zu stellen, „Die Schule“, erschienen 2018, richtet den Blick vielmehr aufs Zuhören. Eine wunderbare Grundlage, um eine Diskussion zu beginnen rund um die Frage, wie Schule sein sollte.

Sinnsuche in New York

Der 17-jährige Holden Caulfield ist von der Schule geflogen – und das nicht zum ersten Mal. Voller Scham traut er sich nicht, nach Hause zu gehen. Stattdessen lässt er sich durch die Straßen New Yorks treiben und zeigt den Leserinnen und Lesern seine Heimatstadt. „Der Fänger im Roggen“ von J.D. Salinger ist nicht nur eine Reise durch die Stadt, die niemals schläft. Der Roman von 1951 gibt einfühlsam Einblicke in das zerrissene Innere eines Jugendlichen. Eine Geschichte, die versucht, Antworten zu finden auf die große Frage nach dem Sinn des Lebens.

J.D. Salinger: „Der Fänger im Roggen“, Rowohlt, 272 Seiten, 10 Euro
J.D. Salinger: „Der Fänger im Roggen“, Rowohlt
Philip Roth: „Nemesis“, Hanser, 219 Seiten, 18,90 Euro
Philip Roth: „Nemesis“, Hanser

Ein Sportlehrer als tragischer Held

Newark, 1944: Als zwei Kinder an Polio erkranken, bricht Panik an der Ostküste der USA aus. Der junge Sportlehrer Bucky Cantor versucht, die Ruhe zu bewahren und seine Schülerinnen und Schüler vor der Krankheit zu schützen. Dabei führt er einen Kampf, den er eigentlich nicht gewinnen kann. „Nemesis“ von Philip Roth, erschienen 2010, ist ein Roman über Schuld und Scham, Schicksal und Zufall, Zweifel und Glaube.

Ideologie im Klassenzimmer

Ein Lehrer bemerkt bei der Korrektur einer Klassenarbeit, dass sich einer seiner Schüler diskriminierend gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe äußert. Seine Meinung fügt sich in die vorherrschende Haltung des Mediendiskurses ein. Trotzdem entschließt sich der Lehrer, den Jungen beiseitezunehmen und auf seine Äußerungen anzusprechen – und wird daraufhin vom Schüler und dessen Vater vor der Schulleitung denunziert. Auch dieser über 80 Jahre alte Klassiker von Ödön von Horváth wirkt im 21. Jahrhundert wieder sehr aktuell. Die Geschichte von „Jugend ohne Gott“ passt vor dem Hintergrund des Diskurses um die AfD-Meldeportale für Lehrer sehr gut auch in unsere Zeit.

Ödön von Horváth: „Jugend ohne Gott“, dtv, 176 Seiten, 8,90 Euro
Ödön von Horváth: „Jugend ohne Gott“, dtv
William Golding: „Herr der Fliegen“, Fischer, 281 Seiten, 7,90 Euro
William Golding: „Herr der Fliegen“, Fischer

Appell an die Mitmenschlichkeit

Sie brachen auf, um dem Atomkrieg zu entkommen –, gelandet sind sie nichtsdestotrotz in einem Horrorszenario. Nach einem Flugzeugabsturz, bei dem alle Erwachsenen ums Leben kommen, findet sich eine Gruppe Schüler zwischen sechs und zwölf Jahren allein auf einer Insel wieder. Alle Regeln der Zivilisation, die die Jungen kannten, werfen sie über Bord. Einsamkeit und Verzweiflung fördern nur die extremsten Eigenschaften zu Tage. In Zeiten, in denen Europa durch simple politische Polemik ins Wanken gerät, könnte der Roman von 1954 aktueller nicht sein. William Goldings Klassiker „Herr der Fliegen“ öffnet die Augen darüber, wie wichtig es ist, dass bereits die jüngste Generation Empathie, Selbstbewusstsein, kritisches Denken und Haltung entwickelt.

Empfehlungen aus der Community

Unsere Leserinnen und Leser auf Facebook haben auch einige literarische Empfehlungen:

  • „Lehrerzimmer“, Markus Orths
  • „Unterm Rad”, Hermann Hesse
  • „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“, Peter Høeg
  • „Hausaufgaben“, Jakob Arjouni
  • „Die Schule am Meer”, Sandra Lüpkes
  • „Spieltrieb”, Juli Zeh
  • „Der erste Lehrer”, Tschingis Aitmatow
  • „Der Hals der Giraffe”, Judith Schalansky

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