Buchtipp : Wie sieht guter Ganztag aus?

Ganztagsangebote an Schulen sollen in allen Bundesländern ausgebaut werden. Der Koalitionsvertrag verspricht künftig sogar einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschule. Doch welche Qualitätsmerkmale hat eine gute Ganztagsschule? Welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig? Diese zentralen Fragen beantwortet das Buch „Gute Ganztagsschulen entwickeln: Zwischenbilanz und Perspektiven“, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung, erschienen im Frühjahr 2019.

Florentine Anders / 07. Mai 2019

Forschungsergebnisse zeigen, dass ein guter Ganztag wesentlichen Einfluss auf die Lernerfolge der Kinder und Jugendlichen haben kann. Da ist es nur folgerichtig, dass im Koalitionsvertrag beschlossen wurde, den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz bis 2025 einzuführen. Doch wodurch zeichnet sich eine gute Ganztagsschule aus? Und wie kommen die Schulen dorthin?

„Momentan stehen dem Vorhaben drei Hürden im Weg: Es gibt kein gemeinsames Konzept, es fehlen pädagogische Fachkräfte, und es mangelt an finanziellen Mitteln“, schreibt Dirk Zorn aus dem Autorenteam des in diesem Frühjahr von der Bertelmann Stiftung herausgegebenen Bands „Gute Ganztagsschulen entwickeln: Zwischenbilanz und Perspektiven“. Wenn es mit dem Rechtsanspruch wirklich klappen soll, dann müsse etwas passieren – und zwar schnell, schreibt Zorn weiter. Und die Autorinnen und Autoren liefern auch Antworten auf die Frage, was genau passieren sollte.

Im ersten Teil der Publikation werden die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zusammengefasst. Wie haben sich die Ganztagsschulen in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland entwickelt, und welchen Einfluss hat der Ganztag tatsächlich auf die Lernerfolge der Kinder?

Im zweiten Teil wird dargestellt, wie vor allem die Rahmenbedingungen für ganztägiges Lernen derzeit aussehen und wie sich diese bis 2030 entwickeln müssten. Derzeit gleichen die Ganztagsangebote in Deutschland einem Flickenteppich, heißt es da. Bei der Gestaltung und in der Qualität gebe es große Unterschieden zwischen den Ländern. Folgt man den Berechnungen der Autoren Klaus Klemm und Dirk Zorn, wird deutlich, dass die zwei Milliarden Euro, die der Bund in Aussicht gestellt hat, bei Weitem nicht ausreichen.

Der für Schulen und Verwaltungen interessanteste Themenblock der neuen Publikation dürfte jedoch der Teil sein, in dem die Autorinnen und Autoren Qualitätsmerkmale für guten Ganztag entwickelt haben. Welche Professionen und welche Kooperationsformen braucht eine gute Ganztagsschule, wie sollte die räumliche Ausgestaltung sein, wie viel Zeit braucht guter Ganztag? Insgesamt werden Gelingensbedingungen in fünf zentralen Handlungsfeldern beschrieben. Darüber hinaus beschreibt Zorn wichtige Faktoren, die Schulleitungen dabei helfen, für Akzeptanz im Kollegium bei der Entwicklung zum gebundenen Ganztag zu sorgen.

Für anschauliche Einblicke in die Praxis sorgen die zwölf Porträts von erfolgreichen Ganztagsschulen.

Auf einem Blick

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): „Gute Ganztagsschulen entwickeln: Zwischenbilanz und Perspektiven“, 259 Seiten, 28 Euro, erschienen 2019 im Verlag Bertelsmann Stiftung. Autorenteam: Thomas Bäumer, Nicole Hollenbach-Biele, Werner Jahn, Klaus Klemm, Tobias Linberg, Falk Radisch, Markus Seyfried, Anja Miriam Simon, Christine Steiner, Olaf Struck, Klaus-Jürgen Tillmann, Dirk Zorn