Buchtipp : Weckruf für eine neue Schule

Deutschlands Lehrerinnen und Lehrer klagen über mangelnde Anerkennung. In dem Buch „Lob den Lehrer*innen“ analysiert die Autorin und ehemalige Schulleiterin Ulrike Kegler, warum das so ist und wie sich Schule ändern muss, damit alle Beteiligten sich dort wohlfühlen.

Regina Köhler / 20. Februar 2019
"Lob den Lehrer*innen" von Ulrike Kegler
Das neue Buch von Ulrike Kegler zeigt an vielen Praxisbeispielen, wie gute Schule gestaltet werden sollte.
©Beltz-Verlag

Was macht eine Schule aus, in der sich sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer anerkannt und wohl fühlen? Dieser Frage geht Ulrike Kegler in ihrem Buch „Lob den Lehrer*innen. Wer Beziehungen stärkt, macht Schule gut. Ein Weckruf“ nach. Bis Januar 2019 war Kegler Schulleiterin der Montessori Oberschule in Potsdam, einer der erfolgreichsten Schulen in Deutschland. Kurz bevor sie sich in den Ruhestand verabschiedete, veröffentlichte sie im vergangenen Herbst ein Buch, mit dem sie aus ihrer Sicht dringend notwendige Veränderungen anstoßen will.  

Lehrerausbildung muss praktisch sein

Das Buch lebt von vielen praktischen Beispielen, die Ulrike Kegler an ihrer ehemaligen Schule in den vergangenen 25 Jahren umgesetzt hat. Kegler analysiert, wo die Probleme liegen, und geht mit der Schule, wie sie gegenwärtig häufig stattfindet, hart ins Gericht. Am Ende fasst sie in zehn Punkten zusammen, wie sich Schule ändern sollte.

Ein wichtiger Punkt ist für sie die Lehrerausbildung. Sie sollte bereits während der ersten drei Semester viele Praxisanteile haben und eine Grundausbildung in allen schulrelevanten Bereichen enthalten, schreibt sie. Studierende sollten viel über Beziehungen, Konflikte, Nähe und Distanz, Auftreten, Stimme und Bewegung lernen und diesbezüglich möglichst viele eigene Erfahrungen machen können.

Kegler spricht sich außerdem gegen den Beamtenstatus von Lehrerinnen und Lehrern aus und plädiert für eine Präsenzzeit an der Schule von 8 bis 16.30 Uhr. Das setze allerdings voraus, dass es an jeder Schule Besprechungs- und Ruheräume, Arbeitszimmer und Küchen für Pädagoginnen und Pädagogen gibt, schreibt sie weiter.

Die herkömmlichen Fächer abschaffen

Auch den Unterricht will Kegler reformieren. Individuelle Lernphasen sollten sich mit gemeinschaftlicher Arbeit abwechseln, die herkömmlichen Fächer abgeschafft werden. Schülerinnen und Schüler sollten stattdessen lernen, Phänomene und Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und fachlichen Richtungen zu betrachten.

Zur neuen Schule gehört für Kegler auch, dass die Kinder nicht mehr nach Leistungskriterien voneinander getrennt und in verschiedenen Schulformen unterrichtet werden. „Die personelle Ausstattung ist so umfassend, dass (fast) alle Kinder und Jugendlichen gemeinsam lernen können. Die weiterführende Schule in Deutschland heißt für alle Gymnasium“, schreibt sie.

Provokante Thesen, die Kegler mit Handlungsempfehlungen kombiniert und mit vielen Beispielen untermauert. Einiges sei auch schon umgesetzt, bemerkt sie in ihrem Buch, allerdings nur in Einzelteilen und an verschiedenen Orten. Deshalb sei es dringend geboten, ein Konzept zu entwerfen, das für alle Schulen des Landes gilt.

Ein schöner Traum? An der Montessori Oberschule Potsdam ist zu erleben, dass dieser Traum wahr werden kann.

Auf einen Blick

Ulrike Kegler: „Lob den Lehrer*innen. Wer Beziehungen stärkt, macht Schule gut. Ein Weckruf“,

256 Seiten, 17,95 Euro. Erschienen im Beltz-Verlag.

Zur Person

  • Ulrike Kegler war von 1995 bis Januar 2019 Schulleiterin der staatlichen Montessori Oberschule Potsdam. 470 Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur zehnten Jahrgangsstufe besuchen die Schule.
  • Ein dauerhaftes Anliegen der Schulentwicklung ist die Umgestaltung der Innen-, Außen- und Zeiträume, ebenso wie die Etablierung neuer Unterrichtskonzepte und Leistungsbeurteilungsformen.
  • 2007 erhielt die Schule den Deutschen Schulpreis.
  • Ulrike Kegler ist auch Autorin beziehungsweise Mitautorin der Bücher „In Zukunft lernen wir anders. Wenn die Schule schön wird“, „Wo sie wirklich lernen wollen. 7 Jahre Jugendschule Schlänitzsee“ und „Die Montessori-Gesamtschule in Potsdam“.