Digitale Lernmittel : Vom Lehrer zum IT-Systemelektroniker

Digitale Lernmittel sind auf dem Vormarsch. Doch wer ist an der Schule zuständig für Whiteboards, Computer und Netzwerke? Das Deutsche Schulportal stellt erfolgreiche Modelle vor.

Antje Tiefenthal / 03. Mai 2018
Die Freiherr-vom-Stein-Gemeinschaftsschule ist eine digitale Schule: Der Umgang mit PC, Tablet und Smartphone ist fester Bestandteil des Unterrichts.
Die Freiherr-vom-Stein-Gemeinschaftsschule ist eine digitale Schule: Der Umgang mit PC, Tablet und Smartphone ist fester Bestandteil des Unterrichts.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)

In vielen Klassenzimmern sind der Overheadprojektor und herkömmliche Tafeln noch Alltag. Aus Sicht von Experten schreitet die Digitalisierung der Schule viel zu langsam voran, in Brandenburg zum Beispiel arbeitet das Bildungsministerium aktuell daran, für rund 700.000 Euro einheitliche E-Mail-Adressen für die rund 20.000 Lehrerinnen und Lehrer des Landes einzurichten. Wann und wie das Vorhaben genau umgesetzt wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. Bundesweit soll ein milliardenschwerer Digitalpakt die notwendige Ausstattung mit Computern, WLAN und Cloud-Technik vorantreiben.

Doch es geht auch anders. In einigen Schulen gehören Apps, Whiteboards und Tablet-Klassensätze bereits ganz selbstverständlich zum Unterrichtsalltag, Fachbegriffe wie die Abkürzung „BYOD“ sind weder für die Lehrkräfte noch für die Schülerinnen und Schüler ein Fremdwort. „BYOD“ steht für „Bring Your Own Device“ und heißt übersetzt so viel wie „Bring dein eigenes Gerät mit“. Gemeint ist damit, dass Schülerinnen und Schüler ihr Smartphone nicht wegen eines geltenden Handyverbots im Rucksack lassen müssen, sondern dass das Nutzen des mobilen Geräts im Unterricht nicht nur erlaubt, sondern konzeptionell sogar in die Lernkultur eingebunden ist.

Abi-Vorbereitung via App und eigenem Smartphone

Am Elisabeth-Gymnasium im thüringischen Eisenach etwa bereiten sich die Jugendlichen der elften Klassen mithilfe einer App auf das Mathe- und Englisch-Abi im kommenden Schuljahr vor. Vorangetrieben hat diese Idee Lehrer Jörg Kleinsteuber. Er arbeitet bereits seit 30 Jahren in der Schulwelt und unterrichtet am Elisabeth-Gymnasium Mathematik, Informatik und Physik. In seinem Unterricht setzt Jörg Kleinsteuber auf Abwechslung – methodisch und medial. Seine Schülerinnen und Schüler dürfen deshalb auch im Unterricht mit dem eigenen Handy arbeiten. Um in das komplexe Thema Integralrechnung einzuführen, vertraut ihr Lehrer auf eine spezielle Lern-App.

Vorzeigeschule für die Digitalisierung ist auch die Erlanger Realschule am Europakanal. „Innovatives Unterrichten mit modernen Medien ist bei uns selbstverständlich, und das nicht nur in unseren acht iPad-Klassen“, erklärt auf ihrer Website die Schule, die sich schon 2006 auf den Weg gemacht hat, die Digitalisierung in Unterricht und Schule voranzutreiben. Die Realschule arbeitet eng mit einem kommunalen Betrieb für Informationstechnik zusammen, der die nötige technische Infrastruktur stellt. Ziel der Kooperation war es von Anfang an, die IT-Ausstattung an Schulen und deren Verwaltung zu verbessern. Mit Erfolg: Schon 2010 ist die Realschule am Europakanal, unter anderem auch für ihr digitales Konzept, mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden.

Digitales Klassenzimmer ist Herzensthema

Auch die Freiherr-vom-Stein-Gemeinschaftsschule in Neumünster sieht sich als „digitale Schule“. Die Kinder und Jugendlichen lernen mit digitalen Medien, und sogar bei der Schulentwicklung spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Zuständig für die IT ist Lehrer Lars Röscheisen, der an der Stein-Gemeinschaftsschule Mathematik und Sport unterrichtet. Ist mal ein Drucker kaputt und Lars Röscheisen kann ihn nicht mit ein paar Kniffen zum Laufen bringen, kommt IT-Unterstützung von außen ins Haus. „Auch den Server der Schule haben wir outgesourct“, erklärt der Lehrer. Das heißt, dass die Computer der Schule mit einem externen Zentralcomputer verbunden sind. Um den Server muss sich Lars Röscheisen also nicht kümmern, bei ihm laufen aber die verschiedenen Fäden zusammen, und er behält den Überblick.

Erst vor sechs Jahren hat er eine Weiterbildung zum Thema Informatik gemacht, seit vier Jahren arbeitet er als Lehrer in Neumünster und war von Anfang an für diesen Bereich verantwortlich. „Was wirklich wichtig ist, welche Ausstattung man braucht und worauf ich achten muss, habe ich aber nicht in der Weiterbildung gelernt. Das lernt man beim Machen“, sagt Röscheisen. Insgesamt 2,5 Unterrichtsstunden werden ihm für diesen Einsatz vom wöchentlichen Pensum abgezogen, sein tatsächlicher Aufwand ist aber viel höher. „Das ist aber kein Drama“, so Röscheisen. Im Gegenteil, das digitale Klassenzimmer sei für ihn ein Herzensthema. Denn er und seine Kolleginnen und Kollegen wissen: Die Technik muss zwar funktionieren, doch ohne eine strategisch-konzeptionelle Ausrichtung zum digitalen Lernen nützt auch das neueste Update und die beste Technik nichts. Letztendlich geht es um die Unterrichtsqualität, um individualisiertes Lernen – und um Kompetenzen, die im 21. Jahrhundert gebraucht werden.

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