Umfrage des Monats : Sollte der Unterricht morgens nach 8 Uhr beginnen?

Ab Sonntag gilt wieder die Winterzeit. Die Uhren werden in der Nacht davor zurückgestellt. Es fühlt sich noch am Montag an, als würde der Wecker eine Stunde später klingeln, als würde die Schule erst zur zweiten Stunde beginnen. Doch der Effekt der einen geschenkten Stunde ist schnell verpufft. Was bleibt, ist die Diskussion über den Unterrichtsbeginn. Was ist Ihre Meinung: Sollte der Unterricht später beginnen?

Annette Kuhn / 25. Oktober 2019
Kinder mit Uhr in der Hand
Kinder zeigen bei der Präsentation der Kika-Umfrage, wann sie morgens gern mit dem Unterricht beginnen würden.
©dpa

Wenn am Montag nach Zeitumstellung der Wecker klingelt, fühlt es sich für viele an, als hätten sie eine Stunde länger geschlafen. Immerhin zeigt sich dann draußen auch schon das Tageslicht. Doch weil die meisten ja auch abends später ins Bett gehen, fühlt sich das morgendliche Aufstehen schon nach wenigen Tagen an wie immer.

Wer Schulkinder hat, weiß, wie schwer es ist, sie morgens aus dem Bett zu holen. Der kennt die müden und übelgelaunten Gestalten am Frühstückstisch und die verschlafene Desorientierung, die ein morgendliches Gespräch fast unmöglich macht. Besonders ausgeprägt zeigt sich das während der Pubertät.

Lehrerinnen und Lehrern geht es beim Unterrichtsbeginn meist nicht besser. Sie stehen da nicht selten vor einer Gruppe Jugendlicher, die an ihrem Platz vor lauter Müdigkeit souffleartig in sich zusammensacken.

Schlafforscher sind für späteren Unterrichtsbeginn

Sollte die Schule also morgens eine Stunde später beginnen? Die Meinungen dazu gehen auseinander. Gegner eines späteren Schulbeginns argumentieren, dass sich der Unterricht länger in den Nachmittag ziehen müsste und dann mit Freizeitaktivitäten kollidieren würde. Außerdem gebe es ja auch wieder das Problem des nachmittäglichen Tiefs.

Viele Jugendärzte und Schlafforscher befürworten aber eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns nach hinten. „Jugendliche werden abends erst später müde, können demzufolge erst später einschlafen und brauchen morgens länger Schlaf, um ihren physiologischen Schlafbedarf zu denken“, erklärte Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin in einem dpa-Interview. Das habe negative Auswirkungen auf die Lernfähigkeit: Bereits eine halbe Stunde weniger Schlaf könne die Leistungsfähigkeit in der Schule um 30 Prozent reduzieren.

In anderen europäischen Ländern fängt die Schule erst um 9 Uhr an

Auch die meisten Schülerinnen und Schüler in Deutschland würden gern später mit der ersten Stunde starten. Selbst in der Grundschule ist das Votum dazu schon eindeutig. Nach einer repräsentativen Umfrage des Kinderkanals Kika wünscht sie die überwiegende Mehrheit der befragten Kinder einen Schulbeginn zwischen 8.30 und 8.50 Uhr.

Der Schulbeginn ist in den Bundesländern übrigens nicht einheitlich. Die meisten Schulen beginnen tatsächlich um 8 Uhr. An einigen Schulen geht es aber sogar schon um 7.30 Uhr los oder es gibt an einzelnen Tagen für bestimmte Klassenstufen eine sogenannte „nullte“ Stunde, die dann oft um 7.15 Uhr anfängt. Nur sehr wenige Schulen haben bislang den morgendlichen Unterrichtsstart nach hinten verschoben, zum Beispiel mit einem Gleitzeitmodell.

Dazu gehört auch das Gymnasium der Stadt Alsdorf, welches 2013 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Hier ist der Schulbeginn für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe flexibel gestaltet. Dafür wurde eine von zwei täglichen Selbstlernzeiten, so genannte Dalton-Flex-Stunden, in die erste Stunde verlegt.

In den meisten Nachbarländern ist ein späterer Unterrichtsbeginn übrigens durchaus üblich.  In Frankreich, Spanien, Italien oder Skandinavien geht es erst zwischen 8.30 und 9 Uhr los. Was meinen Sie:

Sollte der Unterricht morgens später als 8 Uhr beginnen?
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