Umfrage : Wie passen Fußball-WM und Schule zusammen?

Am 14. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland und die Hoffnung auf einen fünften Stern für Deutschland ist groß: Das ganze Land ist im Fußballfieber. Doch was ist mit den vielen fußballbegeisterten Schülerinnen und Schülern? Dürfen sie nach einem wichtigen Spiel am nächsten Tag später zum Unterricht kommen oder müssen die schulischen Pflichten streng eingehalten werden? Das Schulportal fragt nach – bei den zuständigen Kultusministerien der Länder, bei Lehrkräften, Schulleitungen, Kindern und Jugendlichen.

Antje Tiefenthal / 13. Juni 2018 / 2 Kommentare
Ein kleiner Junge reißt die Arme hoch und Konfetti in Deutschlandfarben fällt herunter
Mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland wächst die Fußballbegeisterung hierzulande. Für junge Fußball-Fans, die nach einem WM-Spiel am nächsten Morgen zur Schule müssen, gelten unterschiedlichen Regelungen – je nach Schule und Bundesland.
©Getty Images

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD):
„Als Ministerin für den Sport stehe ich gedanklich nicht nur unserer Mannschaft zur Seite, sondern auch allen Fans in den Schulen.
Das Fieber für den Fußball wird in den nächsten Wochen viele erfassen, auch Schülerinnen und Schüler. Dennoch bitte ich um Verständnis dafür, dass wir in MV die Schulorganisation nicht ändern werden.
Selbstverständlich freue ich mich, wenn das Thema Fußball im Unterricht auf verschiedene Art und Weise aufgegriffen wird und das nicht nur im Sportunterricht!“

Sächsisches Staatsministerium für Kultus:
„Der Unterrichtsbeginn hat einen beweglichen Rahmen. Die Schule kann also in eigener Verantwortung entscheiden, ob der Unterrichtsbeginn während der Fußball-WM verlegt wird. Aber letztlich hängt die Entscheidung auch immer von anderen wichtigen Faktoren ab, wie zum Beispiel den Busverbindungen für die Schüler.“

Helmut Holter (DIE LINKE), Thüringens Minister für Bildung, Jugend und Sport:
„Schule und Fußball-WM lassen sich in Thüringen gut miteinander vereinbaren. Pünktlich zum Beginn der Achtelfinalspiele starten hier die Sommerferien. Auch die Gruppenspiele der deutschen Mannschaft liegen terminlich so günstig, dass für Debatten über Schulausfall kein Anlass besteht. Also erst Schule, dann Fußball – in dieser Reihenfolge passt das gut zusammen.“

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Baden-Württemberg:
„Die diesjährige Fußballweltmeisterschaft in Russland ist für die Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg eine spannendes Event und eine aufregende Zeit. Auch während der WM sollen den Schülern und Eltern zuverlässige Unterrichtszeiten und ein verlässlicher Schulalltag garantiert sein. Verschobener Unterrichtsbeginn sowie früheres Unterrichtsende sollten die Ausnahme sein – wir sind aber sicher, dass die Schulen hier im Sinne der Schüler die richtige Abwägung treffen.“

Die Schule kann in eigener Verantwortung entscheiden, ob der Unterrichtsbeginn während der Fußball-WM verlegt wird.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Hessisches Kultusministerium:
„Da es in Hessen keinen allgemein gültigen Schulanfang am Morgen gibt, sondern diese Entscheidung ohnedies bei den Schulen liegt, erübrigt sich eine Einzelfallregelung für Fußball-Großereignisse durch das Hessische Kultusministerium.
Auch bei vergangenen Turnieren hat es diesbezüglich nie einen Regelungsbedarf gegeben. Der Ermessensspielraum der Schulleiter wurde von diesen in aller Regel verantwortungsvoll genutzt. Wir gehen nicht davon aus, dass ein verspäteter Schulbeginn nötig sein wird. Besonders im ländlichen Raum würde dies für die Schulträger zu erheblichem organisatorischem Aufwand bei den Schulbussen führen und auch die Betreuungsfrage für alle berufstätigen Eltern wäre bei einem späteren Schulbeginn umständlich zu lösen.
Darüber hinaus beginnen in Hessen am nächsten Freitag die Sommerferien, so dass nur ein kleiner Teil der Spiele in die Schulzeit fällt.“

Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt:
„Sachsen-Anhalt ist in der glücklichen Lage am 28. Juni mit den Ferien zu beginnen. Zwei der drei Vorrundenspiele finden am Wochenende statt, das dritte Vorrundenspiel am letzten Schultag um 16 Uhr. Aus Sicht des Bildungsministeriums werden schulische Belange somit nicht beeinträchtigt. Eine Umorganisation des schulischen Alltags gestaltet sich in einem Flächenland auch äußerst schwierig, weil beispielsweise der Schülerverkehr sich nicht kurzfristig anpassen lässt. Darüber hinaus werden viele Lehrkräfte aber einen thematischen Bezug zur WM – beispielsweise durch gezielte Betrachtung der teilnehmenden Länder oder gesellschaftliche Analysen – in den Unterricht einbauen. Wir wünschen allen Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften viel Freude und natürlich der Nationalmannschaft viel Erfolg bei Fußball-WM.“

Bayerns Kultusminister Bernd Sibler (CSU):
„Ich habe vollstes Verständnis für jeden Fan, der die Spiele seiner Mannschaft verfolgen möchte. Aber auch während der WM wollen wir eine verlässliche Schule für unsere Schülerinnen und Schüler und deren Eltern! Ein späterer Unterrichtsbeginn, ein früheres Unterrichtsende oder das Verschieben von lange geplanten Schulaufgaben und Abschlussprüfungen aufgrund eines Fußballspiels wird im Regelfall an unseren Schulen nicht möglich sein. Dafür bitte ich um Verständnis.“
(aus einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus)

Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg:
Auf die Frage des Schulportals ob ein späterer Unterrichtsbeginn, ein früheres Unterrichtsende oder das Verschieben von Arbeiten eine Option während der Fußball-Weltmeisterschaft ist, antwortet die Behörde für Schule und Berufsbildung der Freien und Hansestadt Hamburg: „Nein, in Hamburg findet regulärer Unterricht statt.“

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU):
„Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist immer ein besonders Ereignis und ich habe großes Verständnis dafür, dass man möglichst wenig davon verpassen möchte. Aber – um es mit  Detlev Buck zu sagen – „Erst die Arbeit und dann…“ gilt auch für die Schulen. Unterricht geht vor. Glücklicherweise liegen aber in Schleswig-Holstein die Ferien in diesem Jahr recht früh. Ab dem Achtelfinale können wir uns alle ganz entspannt auf die WM konzentrieren und unserer Mannschaft die Daumen drücken.“

Saarländisches Ministerium für Bildung und Kultur:
Im Saarland beginnen am 25. Juni die Schulferien. Da zwei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft an Wochenenden stattfinden und eines bereits in den Ferien liegt, werden schulische Belange bei diesen Spielen nicht beeinträchtigt.
Im Saarland liegt die Entscheidung über den Unterrichtsbeginn ohnehin grundsätzlich bei den Schulen. Die Festlegung der regelmäßigen Anfangszeit des täglichen Unterrichts ist Sache der jeweiligen Schulkonferenzen (vgl. Schulmitbestimmungsgesetz). Jede Schule regelt also den Unterrichtsbeginn eigenverantwortlich. Die sogenannte Schulregionkonferenz kann den zuständigen Stellen Empfehlungen zur Abstimmung des Unterrichtsbeginns und Unterrichtsendes unterbreiten.“

Wir gehen nicht davon aus, dass ein verspäteter Schulbeginn nötig sein wird.
Hessisches Kultusministerium

Samuel (14), Schüler vom Gymnasium Allermöhe in Hamburg:
Die Fußball-WM finde nur alle vier Jahre statt, da könne man im Schulalltag schon mal eine Ausnahme machen, meint der 14-jährige Samuel. „In Hamburg beginnen am 5. Juli die Ferien, da passiert im Unterricht sowieso nicht mehr so viel“, sagt der Schüler. Er könne sich auch gut vorstellen, dass alle zusammen in der Schule ein Spiel anschauen. „Das stärkt die Gemeinschaft“.

Claudia Krötenheerdt, Lehrerin der Hagenbeck-Sekundarschule in Berlin:
„Ich würde es persönlich nicht gut finden, den Unterricht wegen eines Fußball-Spiels später beginnen zu lassen“, sagt die Lehrerin. Schließlich wäre man auch wenig begeistert, wenn die U-Bahn am nächsten Morgen nicht fahren oder der Supermarkt später öffnen würde.

Tina Küchenmeister, Lehrerin der Friedensburg-Sekundarschule in Berlin:
Ausnahmen könnten bei den schulischen Pflichten angesichts der Fußball-WM schon mal möglich sein, allerdings in einem verträglichen Maß, findet die Lehrerin Tina Küchemeister. „Bei der letzten Weltmeisterschaft in Brasilien haben wir sogar ein Public Viewing in der Aula der Schule veranstaltet“, sagt die Lehrerin.

Quyen (13), Schülerin vom Manfred-von Ardenne-Gymnasium in Berlin:
Auch wenn es schön wäre, länger zu schlafen, Unterricht sei wichtiger, meint die Schülerin aus Berlin. Die Fußball-Spiele könne man sich schließlich auch später noch im Internet ansehen.

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, aber auch bei einer Weltmeisterschaft gilt: Bei den Spielen mitfiebern und in der Schule am Ball bleiben. Es besteht aus Sicht des Schulministeriums keine Notwendigkeit, Sonderregelungen zur WM zu treffen, von denen dann ja im Übrigen auch diejenigen betroffen wären, die keine Fußballfans sind. Das Schulministerium ist überzeugt, dass sich Schule und WM vor Ort im Sinne der geltenden Schulpflicht sinnvoll miteinander in Einklang bringen lassen. Und wer auch immer am Ende Weltmeister wird, ausgiebig feiern können dann alle, denn das Finale des Turniers findet am Sonntag vor dem ersten Sommerferientag statt.“

Brandenburgisches Ministerium für Bildung, Jugend und Sport:
„Die diesjährige Fußball-WM in Russland bietet allen Fußballfans mit moderaten Übertragungszeiten Gelegenheit zum Mitfiebern (kaum Zeitverschiebung). Klar, dass auch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte Fußball schauen wollen. Können Sie auch! Aber Schule deswegen ausfallen oder später beginnen lassen? Das sagt die Brandenburger Verwaltungsvorschrift Schulbetrieb §2, Absatz 2 dazu: bravors.brandenburg.de.
Trotz aller Fußballbegeisterung: Einen situationsbedingten Unterrichtsausfall sehen die Brandenburger Verwaltungsvorschriften zum Schulbetrieb nur für außergewöhnlicher Witterungs- und Straßenverhältnisse vor. Ereignisse wie eine Fußball-Weltmeisterschaft können pauschal weder einen Unterrichtsausfall noch die Verschiebung des allgemein festgelegten Unterrichtsbeginns rechtfertigen. Die Schulleitungen können im Einzelfall davon abweichende Regelungen treffen, sofern es vertretbar ist. Einen Anspruch darauf gibt es jedoch nicht. Dasselbe gilt hinsichtlich Klausuren, Klassenarbeiten und sonstigen schulischen Anforderungen.“

Niedersächsisches Kultusministerium:
„Es ist keine Sonderregelung geplant, es gilt auch während der WM der einschlägige Erlass, der im Kern besagt, der Unterricht möge nicht vor 7.30 Uhr starten und der Unterrichtsbeginn sei mit Eltern und Trägern der Schülerbeförderung abzustimmen.“

Diskutieren Sie mit!

Ist die Fußball-WM ein guter Grund für Schülerinnen und Schüler, um am nächsten Morgen den Wecker etwas später klingeln zu lassen? Oder bringt ein späterer Unterrichtsbeginn nur Chaos und alles bleibt am besten so wie es ist? Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit und verraten uns Ihre Meinung im Kommentarfeld!

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