Prävention : So können Schulen einer Läuse-Epidemie vorbeugen

Kuscheltiere ins Tiefkühlfach legen, Jacken und Mützen in Tüten packen, Bettbezüge waschen, Haare feucht auskämmen: Was davon hilft wirklich bei Kopf­laus­befall? Und was können Schulen tun, um zu verhindern, dass sich die Kopf­laus ausbreitet? Experte Hermann Feldmeier, emeritierter Professor der Charité Berlin, liefert Antworten.

Antje Tiefenthal / 22. Januar 2019
Jacken am Garderobenhaken
Kopfläuse bekämpft man nicht, indem man die Mützen an der Garderobe verschwinden lässt, sagt der Experte Hermann Feldmeier.
©Getty Images

Was kann man tun, um sich vor Kopfläusen zu schützen?
Das hängt immer ganz von den Gegebenheiten ab. Unter­suchungen aus Norwegen haben gezeigt, dass Kopf­läuse das ganze Jahr über in der Kinder­population zirkulieren. Doch man sieht sie nicht: Kopf­läuse sind ja sehr klein. Meistens erkennt man Kopf­laus­befall nur daran, dass das Kind sich kratzt. Dieses Kratzen aber ist ein allergisches Phänomen: Die Kopfhaut reagiert auf Produkte, die im Speichel der Läuse enthalten sind. Das betrifft allerdings nur etwa ein Drittel der Kinder. Achtet man also lediglich auf Kinder, die sich den Kopf jucken, über­sieht man 70 Prozent der Kinder, die Kopf­läuse haben. Deshalb die Empfehlung aus Norwegen: Wer wirklich verhindern will, dass sich Kopfläuse in einer Kita oder in der Schule festsetzen und zu einem Ausbruch führen, muss regel­mäßig die Köpfe der Kinder unter­suchen.

Was heißt in diesem Fall regel­mäßig?
Etwa alle drei Monate. Wichtig: Man kann Kopfläuse mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Es gibt eigentlich nur eine zuverlässige Methode, die wirklich Sicher­heit gibt, nämlich das sogenannte feuchte Auskämmen. Wer dabei keine Läuse entdeckt, hat auch keine. Wenn es nur um die Fest­stellung geht, ob in einer Einrichtung Läuse zirkulieren, genügt es, diese zeit­auf­wendige Methode auf Mädchen zu begrenzen. Sie sind wesentlich häufiger betroffen als Jungen. Das Kontrollieren und Auskämmen ist übrigens ganz klar Aufgabe der Eltern. Lehrkräfte oder pädagogische Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen noch nicht mal die Haare der Kinder anfassen!

Können Schulen denn gar nichts tun, um dem Ausbruch einer Läuse-Epidemie vor­zu­beugen?
Doch, natürlich. Wenn das Schild „Achtung, Läuse!“ aushängt, muss aller­dings eine vollkommen andere Art der Prävention angewendet werden, damit die Epidemie zeitnah zum Still­stand kommt. Alle Kinder dieser Einrichtung und die Kontakt­personen – also diejenigen, die Kopf-zu-Kopf-Kontakt hatten – müssen am selben Tag gegen Läuse behandelt werden, unabhängig davon, ob man im Einzel­fall Kopf­läuse findet oder nicht. Selbst­verständlich sind hier wieder die Eltern gefragt, aber die Schul­leitung sollte bei der Organisation unter­stützen.

Kann „Kopf-zu-Kontakt“ eigentlich auch bedeuten, dass Lehr­kräfte dicht neben Kindern sitzen und mit ihnen gemeinsam Aufgaben lösen?
Nein! „Kopf-zu-Kopf-Kontakt“ heißt nicht Neben­einander­sitzen, sondern dass die Haare von zwei Personen dicht aneinander­liegen. Kopf­läuse können weder springen noch fliegen. Sie können sich nur von einem Haar auf ein anderes Haar hinüber­hangeln. Sie haben sechs Beine. Die Kopflaus hält sich mit drei Beinen an einem Haar fest, dann kommt ein anderes Haar damit in Kontakt und die Kopf­laus greift mit den übrigen drei Beinen danach – schon sitzt die Laus auf einem anderen Kopf.

In manchen Schulen und Kitas werden die Jacken und Mützen der Kinder einzeln in Plastik­tüten verpackt und in die Garderobe gehängt. So will man vermeiden, dass sich die Läuse ausbreiten. Was halten Sie davon?
Das ist alles Unsinn. Solche Aktionen vergrößern nur die Hektik und die Schuld­zuweisungen. Dabei ist längst wissen­schaftlich bewiesen, dass diese Methoden gar nichts bewirken. Kopf­läuse beseitigt man, indem man sie behandelt – und nicht die Stoff­tiere oder die Textilien. Sprich: Auch das Reinigen der Bett­wäsche ist an dieser Stelle über­flüssig.

Manche bringen Kopflaus­befall mit unzureichender Hygiene in Verbindung. Ist das auch so ein hart­näckiges Klischee?
Absolut. Ob ich meine Haare häufig oder selten wasche, ob ich Shampoo benutze oder nicht – es hat keinen Einfluss darauf, ob ich seltener oder häufiger Kopf­läuse habe. In allen wissen­schaftlichen Fach­veröffentlichungen heißt es: Kopf­laus­befall ist kein Hygiene­problem!

Zur Person

  • Hermann Feldmeier ist Professor an der Charité Berlin und Experte auf dem Gebiet der Tropen­medizin.
  • In seiner wissenschaftlichen Arbeit befasst sich Hermann Feldmeier seit vielen Jahren mit Kopf­laus­befall (Pediculosis capitis).
  • Wie muss eine Schule bei Kopf­laus­befall reagieren? Wie funktioniert das feuchte Auskämmen? Welche Rolle spielt das Gesund­heits­amt? Auf der Website der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin informiert Hermann Feldmeier umfassend über Kopflausbefall.