Schulrecht : Welche Rechte und Pflichten haben Lehrkräfte in Teilzeit?

Inwieweit können Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeitszeit reduzieren? Welche Aufgaben müssen Lehrkräfte in Teilzeit genauso wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Vollzeit übernehmen und welche nicht? Was müssen Schulleitungen bei der Gestaltung der Stundenpläne beachten? Regelmäßig beantwortet Schulrechtsexperte Thomas Böhm auf dem Schulportal die wichtigsten Fragen zum Schulrecht – diesmal geht es um Lehrkräfte in Teilzeit.

Annette Kuhn 20. Januar 2022 Aktualisiert am 26. Januar 2022 1 Kommentar
Paragraf auf Tafel Schulrecht
Im Schulalltag stehen Lehrkräfte immer wieder vor Situationen, in denen die Rechtslage kompliziert ist. Unser Rechtsexperte bietet Aufklärung.
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Deutsches Schulportal: In welchem Umfang können Lehrkräfte in Teilzeit arbeiten?
Thomas Böhm: Die Arbeitszeit darf durch Teilzeitbeschäftigung bei Beamten maximal auf die Hälfte der wöchentlichen Pflichtstundenzahl reduziert werden. Für Lehrkräfte im Beamtenverhältnis und Tarifbeschäftigte gelten teilweise unterschiedliche Regelungen, aber die Länder streben in der Schule eine weitgehende Gleichbehandlung an. Bei Tarifbeschäftigten können Voraussetzungen und zeitliche Beschränkungen, die im Beamtenverhältnis gelten, teilweise entfallen.

Bedarf es für die Teilzeitbeschäftigung einer Zustimmung der Schulleitung und der Schulverwaltung?
Eine Teilzeitbeschäftigung bedarf in jedem Fall der Zustimmung des Dienstvorgesetzten. Bei den Gründen, die einer Genehmigung entgegenstehen können, ist zwischen der Teilzeit aus familiären Gründen und der voraussetzungslosen Teilzeit zu unterscheiden.

Bei der Teilzeit aus familiären Gründen, also wenn die Lehrkraft sich um mindestens ein Kind unter 18 Jahren oder einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert, darf eine Genehmigung nur verweigert werden, wenn zwingende dienstliche Belange der Teilzeit entgegenstehen. Es gilt also ein sehr strenger Maßstab.

Bei der voraussetzungslosen Teilzeit, bei der es keine vorgegebenen Gründe gibt, kann die Genehmigung verweigert werden, wenn dienstliche Gründe entgegenstehen. Eine Verweigerung ist also hier leichter möglich. Dienstliche Gründe sind schulorganisatorische oder personalwirtschaftliche Gründe, also Tatsachen, die zu einer Beeinträchtigung der Erfüllung des schulischen Auftrags führen. Grundsätzliches Ziel ist aber, die Teilzeit zu ermöglichen.

Beihilfeansprüche bleiben auch für Lehrkräfte in Teilzeit

Inwieweit kann oder muss die Reduzierung der Arbeitskraft zeitlich befristet sein?
Bei der familiären Teilzeit gibt es zunächst eine Befristung auf fünf Jahre, es kann aber eine Verlängerung beantragt werden. Bei der voraussetzungslosen Teilzeit gibt es keine zeitliche Grenze.

In welchem Umfang reduzieren sich bei der Teilzeitbeschäftigung die Besoldung, Versorgungs- und Beihilfeansprüche?
Die Besoldung und das Ruhegehalt werden entsprechend der Teilzeit im Vergleich zu einer Vollzeitbeschäftigung reduziert. Die Beihilfeansprüche bleiben in vollem Umfang erhalten.

Wie bemessen sich die Pflichtstunden bei Teilzeitkräften?
Die für Vollzeitkräfte geltenden Pflichtstunden werden entsprechend dem Antrag anteilig reduziert. Eventuelle Entlastungsstunden werden anteilig angerechnet.

Kein Anspruch auf einen bestimmten Stundenplan

Was müssen Schulleitungen bei der Gestaltung der Stundenpläne von Teilzeitkräften beachten?
Teilzeitkräfte haben keinen Anspruch auf einen bestimmten, für sie günstigen Stundenplan. Es liegt im Organisationsermessen der Schulleitung, die dienstlichen und privaten Belange unter Berücksichtigung der Fürsorgepflicht gegeneinander abzuwägen.

Rechtswidrig wäre es aber, bei der Teilzeit aus familiären Gründen eine Stundenplangestaltung vorzunehmen, die dem Ziel der Teilzeit aus familiären Gründen völlig widerspricht. Es darf auch keine überproportionale Belastung durch Springstunden geben. Ein freier Tag soll gewährt werden, wenn das aus schulorganisatorischen und pädagogischen Gründen vertretbar ist.

An den Schulen gibt es in der Regel Vereinbarungen der Schulleitung, der für Stundenpläne und Unterrichtsverteilung zuständigen Konferenz und der für die Gleichstellung verantwortlichen Person über die Unterrichtsverteilung und die Stundenpläne, durch die ein fairer Interessenausgleich angestrebt wird. Hier ist die arbeits- und dienstrechtlich geforderte vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten von grundlegender Bedeutung.

Welche Aufgaben müssen Lehrkräfte in Teilzeit in gleichem Umfang wie ihre vollzeitbeschäftigten Kolleginnen und Kollegen ausführen und welche nicht?
Teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte müssen auch eine Klassenleitung übernehmen und als Prüferin oder Prüfer tätig sein. Ergibt sich aus der Klassenleitung eine überproportionale Belastung, muss ein Ausgleich durch Entlastung an anderer Stelle, beispielsweise bei der Aufsicht, erfolgen. Ein Ausgleich kann auch dadurch erfolgen, dass die Teilzeitkraft im folgenden Jahr keine Klassenleitung übernimmt.

Weitere Aufgaben wie Vertretungen, Aufsicht, Sprechstunden und Elternsprechtage sollen sie proportional zur Arbeitszeitermäßigung wahrnehmen. Bei Wandertagen und Klassenfahrten bezieht sich die Reduzierung in der Regel auf die Anzahl der Veranstaltungen. Sie begleiten eine Klassenfahrt zum Beispiel nur in größeren zeitlichen Abständen. Ist das nicht möglich, ist für einen Ausgleich, insbesondere durch entsprechende Reduzierung außerunterrichtlicher Aufgaben, zu sorgen.

An Elternsprechtagen müssen Teilzeitbeschäftigte den Eltern zur Verfügung stehen, allerdings in zeitlich reduziertem Umfang. Bei Schulfesten, Projekttagen und Projektwochen können Aufgaben so verteilt werden, dass eine proportionale Entlastung gegeben ist.

Zeit für Unterrichtsvorbereitung lässt sich schwer berechnen

Können und müssen Teilzeitbeschäftigte beispielsweise in gleichem Umfang Funktionsaufgaben übernehmen?
Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts dürfen teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte in der Summe ihrer Tätigkeiten, zu denen auch Funktionsaufgaben gehören, nur entsprechend ihrer Teilzeitquote zur Dienstleistung herangezogen werden.

Wie sieht es mit dem Aufwand zur Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung aus?
Da der Zeitaufwand für Tätigkeiten, die nicht Unterrichtsstunden betreffen, nicht exakt messbar ist, lässt sich ein Ausgleich häufig auch nicht genau berechnen. Es muss daher nach der Rechtsprechung einen Ausgleich geben, der sich nachvollziehbar erläutern lässt.

Müssen Lehrkräfte in Teilzeit in gleichem Umfang an Konferenzen teilnehmen wie Kolleginnen und Kollegen in Vollzeit?
Teilzeitbeschäftigte können in Einzelfällen oder nach einem bestimmten Schema von der Teilnahme an Konferenzen befreit werden, wenn der Informationsfluss trotzdem gewährleistet ist und sie von wichtigen Entscheidungen nicht dauerhaft ausgeschlossen werden. Es hängt daher auch von der Bedeutung einer Konferenz ab, ob eine Befreiung von der Teilnahmepflicht möglich ist.

Mehrarbeit nur für einen begrenzten Zeitraum

Wenn es im Kollegium, zum Beispiel krankheitsbedingt, zu größeren Ausfällen kommt: Inwieweit können Teilzeitkräfte zu Mehrarbeit verpflichtet werden? Welche Regeln müssen Schulleitungen dann gegebenenfalls beachten?
Auch hier gilt, dass nur eine proportionale Belastung zulässig ist und eine kurzzeitige überproportionale Belastung für einige Wochen oder Monate auszugleichen ist.

Für Teilzeitbeschäftigte gelten hinsichtlich des Ausgleichs von Mehrarbeit grundsätzlich dieselben Regelungen wie für Vollzeitbeschäftigte. Vergütbare Mehrarbeit ist der über die Pflichtstunden hinaus erteilte Unterricht. Wird nach der Regelung des jeweiligen Landes die Mehrarbeit erst ab einer bestimmten Stundenzahl pro Monat vergütet, ist diese Stundenzahl entsprechend der jeweiligen Teilzeitquote zu kürzen. Bei einer Teilzeitbeschäftigung mit 50 Prozent und drei nicht vergüteten Stunden pro Monat ist also von 1,5 Stunden bei Teilzeitkräften auszugehen.

Bis zum Erreichen der Pflichtstundenzahl einer Vollzeitbeschäftigung erhalten Teilzeitkräfte nicht den niedrigeren Stundensatz für Mehrarbeit, sondern das anteilige Gehalt der Vollzeitbeschäftigten.

Teilzeitkräfte sollen so schnell wie möglich über eine Mehrarbeit informiert werden, um die Auswirkungen auf die mit der Teilzeit verfolgten Ziele so gering wie möglich zu halten.

Zur Person

Porträt Thomas Böhm, Experte für Schulrecht
Experte für Schulrecht: Thomas Böhm
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  • Thomas Böhm hat Rechtswissenschaft, Anglistik und Pädagogik in Bonn und Bochum studiert.
  • Er ist Dozent für Schulrecht und Rechtskunde am Institut für Lehrerfortbildung in Essen-Werden und führt bundesweit Seminare für Lehrkräfte und Schulleitungen durch.
  • Thomas Böhm ist Gründungsherausgeber der Zeitschrift „SchulRecht“.