Nordrhein-Westfalen : Schulen ohne Leitung: Teilzeitmodell soll helfen

In Nordrhein-Westfalen startet zum neuen Schuljahr ein Pilotprojekt, das auch in anderen Bundesländern mit großem Interesse beobachtet wird. Erstmals sollen dort Schulleitungen in Teilzeit erprobt werden.

22. August 2018
Yvonne Gebauer sm Mikrofon
Yvonne Gebauer (FDP), Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen, startet ab dem neuen Schuljahr das Pilotprojekt Schulleitung in Teilzeit.
©Rolf Vennenbernd (dpa)

Kreative Maßnahmen sind dringend gefragt, denn der Mangel an Ressourcen trifft bundesweit auch die Schulleitungen. In Nordrhein-Westfalen (NRW) sind nach Angaben des Schulministeriums derzeit 20 Prozent Leitungsstellen an Schulen offen.

Damit ist das Bundesland nicht allein. In vielen Ländern fehlen Lehrkräfte, die bereit oder in der Lage sind, die Managementfunktionen zu übernehmen. Die Belastung ist hoch, gerade in Zeiten, in denen vor allem der Personalmangel verwaltet werden muss. Gleichzeitig kommen immer neue Aufgaben hinzu. Die meisten Schulleiterinnen und Schulleiter fühlen sich von der Politik allein gelassen.

Das hatte im Frühjahr eine Forsa-Umfrage vom Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) ergeben. 82 Prozent der 1.200 in ganz Deutschland befragten Schulleiterinnen und Schulleiter gaben an, es belaste sie, dass Politiker bei ihren Entscheidungen den Schulalltag nicht genug beachteten. In NRW lag die Quote sogar bei 84 Prozent. Die Befragten klagten vor allem über zu wenig Zeit und zu wenig Geld. Besonders überraschend: Schulleiterinnen und Schulleiter unter 40 Jahren gaben mehrheitlich an, dass sie sich vorstellen könnten, ihren Job zu teilen.

In Nordrhein-Westfalen wird genau das jetzt ausprobiert. Denn allein die Erhöhung der Gehälter durch die Vorgängerregierung hatte hier nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Im vergangenen Jahr hat die damals noch rot-grüne Landesregierung die Bezahlung der Schulleiterinnen und Schulleiter angehoben. Durch den Sprung von der Besoldungsgruppe A13 auf A14 gab es brutto rund 950 Euro mehr. Seit CDU und FDP in NRW regieren werden nun auch die Stellvertreter besser bezahlt.

Mehr Zeit und mehr Geld für Schulleitungen in Teilzeit

Doch die Zahl der Schulen ohne Schulleitung ist weiter gestiegen. War Anfang des Jahres jede siebte Stelle vakant, ist jetzt jede fünfte offen. Im neuen Schuljahr sollen nun zunächst fünf Grundschulen im Regierungsbezirk Arnsberg mit jeweils zwei Teilzeitkräften besetzt werden. Künftig soll der Versuch dann auch auf die anderen Bezirke ausgeweitet werden.

Als zusätzlichen Anreiz wird die Stelle mit 120 Prozent ausgestattet. Denkbar wäre zum Beispiel eine 80 Prozent-Stelle und eine 40-Prozent-Stelle auf dem Posten. Damit gebe es mehr Zeit und auch mehr Geld. Schließlich brauchen die Teilzeitkräfte in der Schulleitung auch Zeiten, an denen sie gemeinsam anwesend sind, um ihre Arbeit miteinander abzustimmen. „In der heutigen Zeit muss es möglich sein – auch gerade für Frauen – dass sie Führungsaufgaben in Teilzeit übernehmen“, sagte Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, bei der Vorstellung des Programms.

Neben der Teilzeitregelung soll es noch weitere Verbesserungen für Schulleitungen geben. So sollen Schulverwaltungsassistenten die Schulleitungen entlasten. Allerdings gibt es zunächst dafür nur 45 Stellen für die mehr als 5.000 öffentlichen Schulen. Außerdem startet ein Mentoren-Programm, bei dem Nachwuchskräfte durch erfahrene Schulleiterinnen und Schulleiter beraten werden.

Auf einen Blick

  • 20 Prozent der Schulleitungen in Nordrhein-Westfalen müssen aktuell besetzt werden.
  • Das Pilotprojekt Schulleitung in Teilzeit startet zum neuen Schuljahr zunächst mit fünf Grundschulen, kann aber ständig erweitert werden.
  • Wenn sich zwei Lehrkräfte eine Leitungsstelle teilen, wird diese mit 120 Prozent ausgestattet.
  • Neue Schulleiterinnen und Schulleiter erhalten Unterstützung durch ein Mentorenprogramm. An einigen Schulen werden zusätzlich Verwaltungsassistenten eingesetzt.
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