Das Deutsche Schulbarometer : Umfrage: Wie Eltern die Schule ihrer Kinder sehen

Ob Hausaufgaben, Klassenarbeit oder Referat: Eltern engagieren sich stark für den Schul­erfolg ihrer Kinder, oft viele Stunden in der Woche. Das ist ein Ergebnis des Deutschen Schulbarometers, einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlags­gruppe. Die Ganz­tags­schule als verbindliches Modell lehnen Eltern mehrheitlich ab. Das größte Problem in den Schulen ist aus Sicht der Eltern der Unterrichts­ausfall. Dennoch empfiehlt eine über­wältigende Mehrheit die Schule ihrer Kinder weiter. Die vollständigen Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers gibt es exklusiv auf dem Schulportal zum Download.

Annette Kuhn / 04. September 2019

Wer in einer Elternrunde das Thema Schule anspricht, bekommt meist eine lange Mängel­liste präsentiert. Jedem fällt etwas dazu etwas ein, das gerade wieder nicht funktioniert – vom Dauer­brenner Unterrichts­aus­fall, über Mobbing oder ungerechte Benotung bis hin zum unzureichenden Mathe­unterricht. Umso erstaunlicher sind vor diesem Hinter­grund die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers, einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlagsgruppe. Das Institut für angewandte Sozial­wissen­schaft infas hat mehr als 1.000 Eltern von Kindern an Grund­schulen und weiter­führenden Schulen aus ganz Deutschland befragt. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie unten in der großen Info­grafik. Demnach würden 77 Prozent der befragten Eltern die Schule ihrer Kinder weiter­empfehlen. Außer­dem sagen 72 Prozent der Eltern, dass die Lehr­kräfte ihrer Kinder engagiert seien. Bei den weiteren Befragungs­ergebnissen kommt dann aller­dings gleich mehrfach ein „Aber“.

Von Hausaufgaben bis Wander­tag – Eltern engagieren sich für ihr Kind und seine Schule

Das größte Aber zeigt sich darin, dass Eltern trotz der Zufriedenheit mit der Schule ihren Kindern in großem Umfang bei den Haus­aufgaben helfen. Am meisten Unter­stützung bekommen Grund­schul­kinder. 66 Prozent der Eltern helfen hier regel­mäßig, davon die Mehrheit bis zu drei Stunden in der Woche, und mehr als jeder Dritte investiert sogar bis zu sechs Stunden und mehr. An den weiter­führenden Schulen helfen immerhin noch 25 Prozent der Eltern ihren Kindern bei den Haus­aufgaben. Hinzu kommt über alle Schul­arten hinweg die Unter­stützung bei Referaten, der Vorbereitung von Klassen­arbeiten und dem allgemeinen Üben und Lernen.

Auf einen Blick

  • Das Deutsche Schulbarometer ist eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlagsgruppe. Das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft hat für die Studie 1.011 Eltern von Kindern an Grundschulen und weiterführenden Schulen aus ganz Deutschland befragt.
  • Welchen Schulabschluss wünschen sich Eltern für ihr Kind und welchen erwarten sie tatsächlich? Ist das „Muttiheft“ noch immer das Mittel der Wahl, um sich mit den Lehrerinnen und Lehrern auszutauschen? Die vollständigen Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers gibt es hier exklusiv auf dem Deutschen Schulportal zum Download:

Hausaufgaben sind aber nur ein Bereich, in dem die Eltern bei der schulischen Vorbereitung mitwirken. Viele Eltern engagieren sich noch zusätzlich bei Wander­tag und Festen, sind Eltern­sprecher oder Lesepaten, manche betreuen auch eine Schul-AG. Trotz dieser starken Beteiligung an den schulischen Belangen der Kinder finden allerdings nur 18 Prozent der für das Deutsche Schulbarometer befragten Eltern, dass ihre Schule zu viel Engagement von ihnen erwarte. Für die meisten Mütter und Väter scheint der große Einsatz selbst­verständlich zu sein – sie wollen offenbar den schulischen Erfolg der Kinder nicht allein der Schule überlassen.

„Der Bildungserfolg von Kindern darf nicht von der regel­mäßigen Unter­stützung der Eltern abhängen“, sagt dazu Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung in der Robert Bosch Stiftung. „Lehrerinnen und Lehrer müssen darauf reagieren und ihren Unterricht und die eigene Haltung entsprechend verändern, damit Kinder von Beginn der Schul­lauf­bahn an gleiche Bildungs­chancen haben.“

Schule bereitet nicht ausreichend auf das Leben vor

Hier kommt das zweite Aber der Eltern: Auf die Frage, ob die Schule die Kinder ausreichend gut auf das Leben nach der Schule allgemein und insbesondere das Berufsleben vorbereitet, äußert sich nicht einmal die Hälfte der befragten Eltern zustimmend. Dabei haben sie hohe Erwartungen: 69 Prozent der Befragten wünschen sich für ihr Kind den höchsten Schul­abschluss, das Abitur.

Außerdem findet nur etwa jeder Zweite, dass sich die Pädagoginnen und Pädagogen um leistungs­schwächere Kinder kümmern. Bei leistungs­stärkeren Kindern sieht es noch schlechter aus. Nur 32 Prozent der Eltern von Grund­schul­kindern sagen, es gebe hier spezielle Angebote, an weiter­führenden Schulen sind es immerhin 45 Prozent.

Eltern lehnen gebundene Ganz­tags­schule als verbindliches Modell ab

Ein Großteil der Eltern lehnt die gebundene Ganztags­schule als verbindliches Modell für alle Schulen ab. Nicht mal ein Viertel der für das Deutsche Schulbarometer Befragten möchte, dass alle Schulen in Deutschland Ganz­tags­schulen werden. Als Argumente dagegen sagen zwei Drittel der Eltern, dass ihre Kinder den Nach­mittag lieber zu Hause als in der Schule verbringen, 45 Prozent befürchten einen Verlust gemeinsamer Zeit in der Familie.

Angesichts dieser Skepsis der Eltern betont Bundesbildungs­ministerin Anja Karliczek gegen­über dem Deutschen Schulportal: „Eine Sorge der Eltern, am Ende stünde die verpflichtende, gebundene Ganz­tags­schule für alle, ist unbegründet. Ob Angebote der Kinder- und Jugend­hilfe, offene oder gebundene Ganz­tags­schule – die Vielfalt der Angebote werden wir bei der Ausgestaltung des geplanten Rechts­anspruchs berücksichtigen.“

Karliczek sieht im Ganztag große Chancen – für die individuelle Förderung der Kinder und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Damit tatsächlich alle Schülerinnen und Schüler als Kernzielgruppe profitieren, muss allerdings die Qualität der Angebote stimmen.“

Wir werden die Chancen des Rechts­anspruchs nur erschließen können, wenn der Ganz­tag in seiner Ausgestaltung über­zeugt.
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek

Eine qualitativ hochwertige Ganztags­betreuung müsse die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen. „Eins ist klar: Wir werden die Chancen des Rechts­anspruchs nur erschließen können, wenn der Ganztag in seiner Ausgestaltung überzeugt. Denn davon werden Eltern und Kinder abhängig machen, ob sie die Angebote nutzen oder nicht“, führte die Bundes­bildungs­ministerin gegenüber dem Deutschen Schulportal weiter aus.

Noch scheint die Skepsis bei den Eltern aber groß zu sein. Selbst die Eltern, deren Kinder eine voll­gebundene Ganz­tags­schule besuchen, sprechen sich nur zu 37 Prozent dafür aus, dass alle Schulen in Deutschland Ganz­tags­schulen werden. Und das, obwohl diese Eltern in Bezug auf die Förderung ihrer Kinder deutlich bessere Noten vergeben als die Eltern, deren Kinder eine Schule mit einer anderen Organisations­form besuchen.

Bestätigt wird das auch durch die Studie zur Entwicklung von Ganz­tags­schulen (StEG). Seit 2005 wird in diesem Forschungs­programm, an dem alle 16 Länder teilnehmen, die Ganz­tags­schule unter die Lupe genommen. Demnach bietet sie nicht nur für Familien, in denen beide Eltern­teile berufs­tätig sind, eine sichtbare Entlastung, es zeige sich auch, dass Ganz­tags­schulen das Familien­klima verbessern, weil es offenbar weniger Streit um Haus­aufgaben gibt. Das kann wiederum Auswirkungen auf den Lern­erfolg haben.

Das Deutsche Schulbarometer
©Henriette Anders