Dieser Artikel erschien am 24.07.2018 in der Süddeutschen Zeitung
Autor: Jakob Wetzel

Platznot in Schulen : München braucht mehr Schulcontainer

- München hat Platznot in den Schulen – darum werden vielerorts Container aufgestellt, in denen weitere Klassen- und Gruppenräume unterkommen.
- Der Stadtrat soll nun ein weiteres Programm bewilligen, bei dem neue Container aufgestellt werden. Kostenpunkt: mehr als 300 Millionen Euro.
- Voraussichtlich werden aber auch diese Provisorien nicht ausreichen.

Ein bunter Schulcontainer
Außen bunt, innen Grundschule: Die Provisorien an der Grundschule Guardinistraße in Hadern.
©Florian Peljak

Die Hoffnung ist trügerisch gewesen: Vier Mal bereits hat die Stadt München seit 2015 im großen Stil Container für Schulen und Kinder­tages­stätten auf­stellen lassen, um die steigende Zahl an Kindern und Jugendlichen unter­zubringen. Die Pavillons sollten behelfs­mäßig Platz schaffen, bis neue Schulen und Kitas fertig sind. Mehr als 320 Millionen Euro hat die Stadt für diese Provisorien bereits bewilligt – und zuletzt gehofft, der Bedarf an Containern sei damit weit­gehend gedeckt.

Nun aber zeigt sich: Es reicht hinten und vorne nicht. Die Stadt wächst zu rasant, die Bau­pläne halten nicht Schritt. An diesem Mittwoch berät der Stadt­rat daher über eine fünfte Runde im Container­bau. Das Bildungs­referat rechnet allein für dieses neue Programm mit Kosten von bis zu 302,5 Millionen Euro. Und ein Ende ist damit wohl immer noch nicht erreicht.

Grund für das Nachbessern ist einerseits, dass Gymnasien durch die Rückkehr zu G 9 künftig wieder mehr Klassen unter­bringen müssen. Anderer­seits würden die Prognosen zum Bevölkerungs­wachstum laufend nach oben korrigiert, heißt es aus dem Bildungs­referat. Nur mit Containern könne man darauf flexibel genug reagieren. So wird München jüngsten Prognosen zufolge Ende 2022 die Marke von 1,7 Millionen Einwohnern über­schreiten. Zum Jahres­ende 2030 soll es demnach gar 1,8 Millionen Münchner geben.

Auf diese Dynamik müsse die Stadt dringend reagieren, steht in der Vorlage an den Stadtrat. Bis zum Schul­jahr 2019/20 sollen nun 18 neue Pavillon­anlagen gebaut werden, die meisten im Norden der Stadt. Um diese Frist einzu­halten, müsse man sofort mit den Aus­schreibungen und Vergaben beginnen; daher legt das Bildungs­referat den Plan nicht wie üblich erst verschiedenen vorbereitenden Ausschüssen vor, sondern direkt der Voll­versammlung des Stadt­rats.

Konkret sollen in den neuen Containern 110 neue Klassen­zimmer entstehen, außerdem 15 Gruppen­räume für die Ganz­tags­betreuung und eine Mensa sowie Räume für 18 Krippen-, 27 Kinder­garten- und 21 Hort­gruppen. Die mit 53,3 Millionen Euro größte Einzel­summe entfällt dabei auf den Vor­läufer­bau des künftigen Gymnasiums im Münchner Norden.

Die Klassen­zimmer fehlen

Hier schließt die Stadt eine Lücke: Feldmoching-Hasenbergl ist der einzige Stadt­bezirk Münchens ohne Gymnasium; manche Schüler mussten deshalb bisher ins Umland pendeln. Eine Initiative von Eltern hat durch­gesetzt, dass Abhilfe geschaffen wird. An der Georg-Zech-Allee soll jetzt vorerst eine neue Schule in Container-Bau­weise mit je drei Parallel­klassen pro Jahr­gang errichtet werden. Gleich­zeitig soll ein dauer­haftes sechs­zügiges Gymnasium auf dem Lerchenauer Feld entstehen, in das die Schüler später umziehen können.

Anderswo reagiert die Stadt darauf, dass in bestehenden Schulen Räume fehlen. So kommt etwa die mit 38,3 Millionen Euro zweit­größte Einzel­summe hauptsächlich der Mittel­schule an der Reichenau­straße 5 zugute. Die Aubinger Schule verfügt laut Bildungs­referat derzeit über 15 Klassen­zimmer, es gibt aber im aktuellen Schul­jahr bereits 19 Klassen. Künftig sei mit bis zu 29 Klassen zu rechnen. Die Schule soll deshalb mit Containern erweitert werden, die einen knappen Kilo­meter entfernt an der Boden­see­straße stehen sollen. Diesen Stand­ort mietet bislang ein Auto­händler von der Stadt; ihm sei schon gekündigt worden.

Weil der Stadtbezirk zudem in München mit am schlechtesten mit Kinder­tages­stätten versorgt ist, soll in der künftigen Anlage auch Platz für drei Kindergarten- und drei Krippen­gruppen geschaffen werden. Die mit 25,9 Millionen Euro dritt­größte Summe ist für Container vorgesehen, um die Raumnot an der Grund­schule und dem Sonder­pädagogischen Förder­zentrum an der Rothpletz­straße im Münchner Norden zu lindern.

Die Stadt investiert Millionen in Neubauten

Parallel zum Containerbau investiert die Stadt Milliarden Euro in den Neubau und die Sanierung von Schulen. 2016 hat sie bereits ein Bau­programm mit einem Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro beschlossen; im Juli 2017 hat sie in einer zweiten Offensive mit knapp 2,4 Milliarden Euro nachgelegt. Weitere Pakete sollen folgen. Doch der Neubau einer Schule dauert etwa fünf Jahre, zu lange für die Schulen, in denen es jetzt schon zu eng ist. Ihnen versucht die Stadt, mit Containern schnell zu helfen. Seit 2015 hat sie schon 44 Pavillon­anlagen in Betrieb genommen, sechs sollen noch in diesem Jahr folgen, eine weitere etwas später. So wurden und werden Räume für etwa 345 Klassen, zwölf Mensen und zwei Kitas geschaffen.

Ein Ende ist auch nach Abschluss des fünften Container­bau-Programms nicht in Sicht. Nach Angaben des Bildungs­referats zeichnet sich bereits ab, dass 2020 bis zu zehn weitere Pavillon-Anlagen gebraucht würden. Schon in diesem Herbst soll der Stadtrat über eine sechste Runde im Pavillon­bau beraten. Dann soll es auch bereits um das nächste Paket für den Schul­bau gehen.