Nachgefragt : Was macht die Grundschule Kleine Kielstraße?

Die Serie Was macht …? fragt nach, was sich an einer Schule oder im Leben einer Persönlich­keit, die in der Bildungs­welt für Auf­sehen gesorgt hat, mittler­weile getan hat.

Im ersten Teil der Serie geht es um die Schule, die vor zwölf Jahren den ersten Deutschen Schul­preis erhalten hat. Maren Reimann, Konrektorin der Grund­schule Kleine Kiel­straße in Dortmund, erzählt von den Veränderungen.

Florentine Anders / 19. April 2018

„Unsere Schule wird von Hospitanten aus ganz Deutschland besucht“

Deutsches Schulportal: Frau Reimann, was macht die Grundschule Kleine Kielstraße zwölf Jahre nach dem Deutschen Schulpreis?
Maren Reimann: Unserer Schule geht es gut! Viele der Konzepte von damals sind noch immer aktuell. Viele neue Ideen sind hinzu­gekommen, und vieles hat sich weiter­ent­wickelt. Zum Beispiel war damals nur unsere Schul­eingangs­phase jahr­gangs­über­greifend organisiert. Dieses Konzept hat uns so sehr über­zeugt, dass wir es auf die dritten und vierten Jahr­gänge aus­geweitet haben. Das jahr­gangs­über­greifende Arbeiten hat unseren Unter­richt sehr individualisiert. Viele Lern­inhalte werden heute in Klein­gruppen mit vier bis fünf Kindern ein­geführt, wobei jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Unser Ziel ist es, kein Kind zu über- oder zu unter­fordern. Die Kern­frage unseres pädagogischen Handelns damals und heute ist: Was ist eine gute Schule für die Kinder, die in unserem Stadt­teil leben und auf­wachsen? Inzwischen haben wir die Frage erweitert um den Zusatz: „… und die in diesen Stadt­teil zuwandern?“.

Die strahlenden Gewinner des ersten Deutschen Schulpreises 2006.
Die strahlenden Gewinner des ersten Deutschen Schulpreises 2006: Für das Siegerfoto posieren die Kinder und das Team der Grundschule Kleine Kielstraße gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.
©Jürgen Detmers (ZDF)
Maren Reimann, Konrektorin der Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße
Maren Reimann ist Konrektorin der Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße. Sie sagt: „Wir freuen uns über das große Interesse an unserer Schule.“
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Eine Luftaufnahme der Grundschule Kleine Kielstraße
Die Grundschule Kleine Kielstraße hat 2006 den ersten Deutschen Schulpreis erhalten. Wie geht es ihr heute – zwölf Jahre nach der Auszeichnung?
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)

Und was bedeutet das konkret?
Sprachbildung war zum Beispiel für uns schon immer ein wichtiges Thema, dafür haben wir in den letzten Jahren ein Konzept zum sprach­sensiblen Unter­richt entwickelt. Darauf auf­bauend haben wir ein ganz­heit­liches Konzept „Willkommen an der Grund­schule Kleine Kielstraße“ entworfen. Wir wollen den neu zugewanderten Kindern, die unsere Schule besuchen, neben einem Deutsch­kurs sofort die Integration in eine Regel­klasse ermöglichen.

Schon bei der Schul­anmeldung nehmen wir die Familien der Kinder mit in den Blick und vermitteln auch die Eltern oder jüngeren Geschwister­kinder in sogenannte Brücken-Angebote. Mit anderen Bildungs­einrichtungen des Stadt­teils haben wir ein ganzes Netz­werk mit verschiedenen Angeboten. Das Schöne dabei ist: Wir alle teilen uns die Verantwortung.

Nähgruppe und Computerkurse für Eltern

Gibt es das „Elterncafé“ noch, und wie wird es heute genutzt?
In unserem „Elterncafé“ ist es immer noch möglich, schnell und einfach in Kontakt mit anderen Eltern zu kommen. Die Eltern können das Café täglich besuchen, um sich dort mit anderen aus­zu­tauschen. Daraus entwickelt sich manchmal auch eine Einzel­fall­beratung. Das „Eltern­café“ bietet auch Sprach­kurse für Eltern an, die noch kein Deutsch sprechen, sowie Sprach­kurse für Fort­geschrittene oder Alpha­betisierungs­kurse. Bei den Angeboten „Von Eltern für Eltern“ führt zum Beispiel ein Vater einen Computer­kurs durch, und eine kurdische Mutter betreut eine Näh­gruppe.

Viele Lerninhalte werden heute in Kleingruppen mit vier bis fünf Kindern eingeführt, wobei jedes Kind sein eigenes Tempo hat.
Maren Reimann, Konrektorin der Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund

Das Interesse der Medien und anderer Schulen an den Preis­träger­schulen ist groß. Ist das auch zwölf Jahre nach dem Preis noch so?
Unsere Schule wird weiterhin von vielen Hospitanten aus ganz Deutschland besucht. Über dieses große Interesse freuen wir uns sehr, zeigt es doch, wie aktuell unsere damals entwickelten Konzepte auch heute noch sind. Wir empfehlen anderen Preis­träger­schulen, die Anfragen und Besuchs­termine zu bündeln – schulische Termine haben immer noch Vor­rang. Etwa sechs Mal im Schul­jahr bieten wir einen Hospitations­tag an, an dem die Lehr­kräfte Besucher in ihrem Unter­richt empfangen. Auch Stiftungen oder Politiker­innen und Politiker fragen regel­mäßig bei uns an, damit wir zum Beispiel unsere Stadt­teil­arbeit vor­stellen. Wir freuen uns über das positive Feed­back.

Fakten und Zahlen

  • Die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund hat etwa 435 Schüler­innen und Schüler aus 38 Nationen, 25 Grund­schul­lehrer­innen und -lehrer, 3,5 Sonder­pädagog­innen und -pädagogen, 1 Schul­sozial­arbeiterin und derzeit 2 Lehr­amts­anwärter.
  • Schulleiterin der Grundschule Kleine Kielstraße ist seit August 2017 Julia Krippenstapel. Maren Reimann ist seit vier Jahren die Konrektorin.
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