Manuel Neuer : „Kein Kind darf auf der Strecke bleiben“

Bayern-Keeper und Welttorhüter Manuel Neuer ist Vorbild für Millionen Menschen. Im Interview mit dem Deutschen Schulportal spricht er darüber, wie er selbst Schule und Fußball unter einen Hut bekommen hat, warum es die Nerven beruhigt, einen guten Abschluss in der Tasche zu haben und was aus seiner Sicht gute Schulen ausmacht. Mit der Manuel Neuer Kids Foundation engagiert er sich selbst für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Florentine Anders / 15. Mai 2018
Schirmherr Manuel Neuer im Interview
2017 war Manuel Neuer der große Überraschungsgast, hier im Gespräch mit Schulpreis-Moderator Lennert Brinkhoff. In diesem Jahr übernahm er zum zweiten Mal die Schirmherrschaft für den Deutschen Schulpreis.
©Tobias Bohm

Deutsches Schulportal: Herr Neuer, Sie sind Schirmherr des Deutschen Schulpreises 2018. Was ist aus Ihrer Sicht der Schlüssel zu einer guten Schule? Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre eigene Schulzeit?
Manuel Neuer: Die Schulleitung und alle Verantwortlichen müssen darauf achten, dass kein Kind auf der Strecke bleibt. Die Jugendlichen müssen sinn­voll und varianten­reich auf das folgende Berufs­leben vorbereitet werden. Zudem muss das Sozial­verhalten verständlich und nachvoll­ziehbar gelehrt werden, so dass jeder die Möglichkeit hat, sich zu integrieren und integriert zu werden.

Für mich war Schule eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit aufgrund der Doppel­belastung aus Schule und Fuß­ball. Dennoch ist es das, was in meiner Erinnerung lebt: Gemeinsam zu lernen und gemeinsam Fuß­ball zu spielen – das hat mir in Kind­heit und Jugend sehr viel Spaß gemacht.

Unmittelbar nach dem Ende Ihrer Schulzeit haben Sie Ihr erstes Bundes­liga­spiel für den FC Schalke 04 absolviert. Wie ist es Ihnen gelungen, Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen?
Das waren manchmal schon echte Herkules­aufgaben! Natürlich wurde ich von meinen Eltern immer dazu angehalten, der Schule Vorrang zu geben. Mich aber zog es schnellst­möglich auf den Trainings­platz. Das gab Diskussionen, die ich gar nicht verhehlen möchte. Aber mit einem guten Zeit­management und vor allem Konzentration auf die jeweils bevor­stehende Aufgabe war das gut möglich.

Natürlich wurde ich von meinen Eltern immer dazu angehalten, der Schule Vorrang zu geben. Mich aber zog es schnellstmöglich auf den Trainingsplatz.
Manuel Neuer, Welttorhüter und Schirmherr des Deutschen Schulpreises

Im Jahr 2006, dem Jahr der Weltmeisterschaft im eigenen Land, hatten Sie gerade das Fach­abitur in der Tasche. Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie ein paar Jahre später selbst Welt­meister sind?
Davon kann man träumen, rechnen aber kann man damit natürlich nicht. Es ist in der Tat für mich in diesen Jahren perfekt gelaufen, wobei ich davon über­zeugt bin, dass es für mich nicht nur nervlich eine gute Basis war, dass ich eine abgeschlossene Schul­ausbildung in der Tasche hatte.

Sie sind mehrfacher Deutscher Meister, Champions League-Sieger und Weltmeister. Wie wichtig ist das Team für den Erfolg?
Das Team steht in jedem Mannschafts­sport über allem und jedem. Der Einzelne kann nichts gewinnen. Von daher ist der Fußball eine ganz gute Schule für das normale Leben, in dem man ja auch oft auf die Hilfe anderer angewiesen ist, um weiter­zukommen.

Als Sportler wissen Sie, dass auch Niederlagen dazugehören. Wie gehen Sie persönlich mit Rückschlägen um?
In dem Moment, wo sie passieren, beschäftige ich mich nicht näher damit, weil dann die Konzentration beschädigt würde. Ist das Spiel vorüber, analysiere ich das Geschehene sehr genau, diskutiere mit wenigen Menschen meines Vertrauens, verarbeite alles, ziehe meine Schlüsse und hake es dann endgültig ab.

Sie sind nicht nur Profifußballer, sondern auch Identifikations­figur und Vorbild für Millionen Menschen weltweit. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?
Ich bemühe mich, die Grundwerte, die ich durch die Erziehung meiner Eltern gelernt habe, zu leben und weiter­zugeben. Dazu gehören Fairness, Anstand und Respekt. Natürlich unter­laufen auch mir Fehler, zu denen man dann stehen muss. Ich bin mir jedenfalls meiner Aufgabe bewusst.

Sie haben 2010 eine eigene Stiftung gegründet, die Manuel Neuer Kids Foundation. Mit welchem Auftrag?
Als Kind des Ruhrgebiets habe ich ja tagtäglich erlebt, woran es mangelt. Mir ging es immer gut, wofür ich meinen Eltern sehr dankbar bin. Aber um mich herum konnte ich damals schon fest­stellen, dass es bei vielen nicht reicht. Da fehlte mal das Pausen­brot und manchmal das Geld für die Klassen­fahrt. Ich habe in meinem Leben bislang sehr viel Glück gehabt und möchte ein wenig zurück­geben, in dem ich Kindern und Jugendlichen, denen es nicht so gut geht, helfe und sie unter­stütze.

2014 haben Sie das Manus-Kinderhaus in Gelsenkirchen eröffnet. Was erwartet die Kinder und Jugendlichen dort?
Ein reichhaltiges Lern- und Spielprogramm unter professioneller Führung. Und gesunde Ernährung. Wir planen ein zweites MANUS in München. Hier gilt es, neben dem MANUS ein über­greifendes Angebot zur Berufs­förderung und ein außer­ordentliches Sport­angebot unter einen Hut zu bekommen.

Sie sind seit 2017 Schirmherr des Deutschen Schulpreises. Warum engagieren Sie sich für dieses Projekt?
Die Schulen sind heute im Rahmen ihrer Möglichkeiten angehalten, weit über Schulpläne und ähnliche Vorgaben hinaus, innovativ und kreativ auf die Erziehung der Kinder und Jugendlichen einzuwirken. Das verdient Unter­stützung. Und da ich als Sportler immer gerne den Wett­bewerbs­charakter fördere, habe ich mich für diese Initiative der Robert Bosch Stiftung gerne zur Verfügung gestellt.

Zur Person

  • Manuel Neuer wurde am 27. März 1986 in Gelsenkirchen-Buer geboren und durchlief sämtliche Jugendmannschaften des FC Schalke 04.
  • 2010 gründete er eine eigene Stiftung, die Manuel Neuer Kids Foundation.
  • Seit 2011 ist er beim FC Bayern München unter Vertrag und seit Sommer 2017 dort auch Mannschaftskapitän.
  • 2014 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister.
  • 2016 folgte er auf Bastian Schweinsteiger als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.
  • Seit 2017 ist er Schirmherr des Deutschen Schulpreises.
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