Dieser Artikel erschien am 04.12.2018 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Autor: Matthais Trautsch

Offenes W-Lan in Schulen : Lehrergewerk­schaft warnt vor Gefahren

Die Lehrergewerkschaft warnt vor den Gefahren offener W-Lan-Zugänge in Frank­furter Schulen. Über ein Netz ohne Zugangs­beschränkung könnten auch Schul­fremde auf die Geräte von Schülern und Lehrern zugreifen.

Schülerin mit Smartphone
©dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissen­schaft (GEW) ist gegen den Kompromiss, den die Römer-Koalition für die Aus­stattung der Schulen mit kabel­losem Internet geschlossen hat. Die Lehrer­gewerk­schaft warnt vor den Gefahren, die sich durch offene W-Lan-Zugänge ergäben. Außer­dem spricht sich die GEW gegen die Möglichkeit aus, dass sich Schulen von privaten Anbietern mit W-Lan versorgen lassen. CDU, Grüne und SPD hatten vor einer Woche einen monate­langen Streit beigelegt, in dem Bildungs­dezernentin Sylvia Weber (SPD) auf einer restriktiven W-Lan-Struktur für 14 Pilot­schulen beharrt hatte, die CDU dagegen forderte, auch kabel­lose Netz­werke zuzulassen und somit mehr Schulen zu versorgen. Der Kompromiss sieht vor, Pilot­schulen auf deren Wunsch hin auch mit offenen Internet­zugängen aus­zustatten und außerdem 15 weiteren Schulen eine Versorgung durch private Firmen zu erlauben.

Laut GEW sind die von der CDU durchgesetzten Änderungen problematisch. Während der W-Lan-Zugang in Webers Pilot­schul-Modell über feste Nutzer­namen geregelt ist, könne sich bei der offenen Variante „jeder einloggen und alle Inhalte, die das Internet so bietet, aufrufen“. Das Netz sei somit nicht nur offen, sondern ungeschützt. „Dies halten wir an einem Ort, an dem Schüler ab der fünften Klasse sind, für voll­kommen inakzeptabel.“ Unter anderem sei ungeklärt, was geschehe, wenn illegale Inhalte geladen würden, und wer die sach­gemäße Nutzung kontrolliere. Außer­dem könnten über ein Netz ohne Zugangs­beschränkung auch Schul­fremde auf Geräte von Schülern und Lehrern zugreifen.

Rechtliche und technische Bedenken

Gegen die Option, W-Lan durch private Anbieter installieren zu lassen, führt die GEW rechtliche und technische Bedenken an. Es sei unklar, wie die Bedingungen und wer die Vertrags­partner seien, welche Daten wo gespeichert würden und wer die Einhaltung dieser Standards durch „gewinn­orientiert arbeitende Unter­nehmen“ sicher­stelle. Schulen seien Orte, an denen Kinder geschützt lernen sollten. Dafür müsse es kontrollierte Internet-Zugänge geben, aber „keine Experimente mit Spar­modellen und Privatisierungs­ideen“.

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