Dieser Artikel erschien am 12.03.2019 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Autorin: Lisa Becker

Digitale Schule : Lehrer: Deutschland hinkt hinterher

Dieses Jahr könnten noch die ersten Mittel für die Digitalisierung der Schulen fließen. Deutschlands Lehrer befürchten aber, dass sie nicht ausreichen. Und sie sehen noch einige andere Hürden.

Schüler mit iPads
Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden.
©dpa

Deutschlands Schulen hinken in der Digitalisierung inter­national hinter­her. Das bemängeln viele Bildungs­forscher, und eine andere Berufs­gruppe, die besonders nah am Geschehen ist, sieht das genauso: die Lehrer. In einer repräsentativen Befragung, die am Dienstag vorgestellt worden ist, stimmten 95 Prozent dieser Aussage zu. Auftrag­geber der Umfrage ist Bitkom, der Branchen­verband der deutschen Informations- und Telekom­branche.

Den digitalen Medien steht die Lehrer­schaft aufgeschlossen gegenüber; gut die Hälfte würde sie gerne öfter im Unterricht einsetzen, scheitert aber vor allem daran, dass die entsprechenden Geräte nicht vorhanden sind. Drei Viertel sagen außer­dem, es fehle jemand, der sich um die Technik kümmert und Probleme beseitigt. Beklagt werden auch das Fehlen und die Qualität digitaler Lehr­materialien. Die Umfrage­ergebnisse legen außerdem nahe, dass die Lehrer zu wenig über das Unterrichten mit digitalen Medien wissen: 85 Prozent würden sich gerne zu Digital­themen weiter­bilden.

Bundesländer in der Pflicht

Die Lehrer befürworten den zwischen Bund und Länder ausgehandelten Digital­pakt Schule, nur 13 Prozent lehnen ihn ab. Der Bund macht darin die Zusage in den kommenden fünf Jahren 5 Milliarden Euro in die technische Aus­stattung der Schulen zu investieren. Die ersten Mittel könnten noch in diesem Jahr fließen; aller­dings muss der Bundesrat der Grund­gesetz­änderung noch zustimmen, die den Pakt möglich macht und die den Bundes­tag schon passiert hat.

Die Lehrer (90 Prozent) glauben allerdings, dass die 5 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Ebenso viele stellen fest, dass die Schulen neben mehr Geld digitale Konzepte, digitale Inhalte und entsprechend kompetente Lehrer brauchen, um für das digitale Zeit­alter gewappnet zu sein. Dafür müssen nach dem Digital­pakt die Bundes­länder sorgen.

Die hatten in den Verhandlungen mit dem Bund über die Grund­gesetz­änderung immer wieder auf ihre Kultus­hoheit gepocht. Knapp die Hälfte der Lehrer hat Verständnis dafür, dass die Länder darum fürchten. Auf die Frage, wer für Bildungs­politik zuständig sein sollte, zum Beispiel für Schul­formen, Fächer­angebot, Lehr­plan­gestaltung und Finanzierung, antworten aber nur 20 Prozent „die Bundes­länder allein“. Gut 40 Prozent wünschen sich eine gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern und 37 Prozent sogar eine alleinige des Bundes.

Nur Grund­aus­stattung

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten nutzen Deutschlands Lehrer schon digitale Geräte; die Aus­stattung ihrer Schule bewerten sie mit befriedigend bis ausreichend. Die meisten Schulen verfügten über eine digitale Grund­aus­stattung, sagte Bitkom-Haupt­geschäfts­führer Bernhard Rohleder. Beamer, White­boards und Tablets gebe es aber in der Regel nur als Einzel­geräte oder in speziellen Fach­räumen. „Dabei sollten sie in allen Unter­richts­räumen Standard sein“, meint Rohleder.

Tablets, die beim Unterrichten mit digitalen Medien eine besonders große Rolle spielen könnten, setzen bisher erst 3 Prozent der Lehrer täglich ein und 14 Prozent regel­mäßig. Knapp ein Fünftel setzt Apps ein, die Hälfte davon aller­dings nur in Ausnahmefällen.


Von einem Einsatz digitaler Medien im Unterricht versprechen sich fast 90 Prozent der Befragten motiviertere Schüler und eine anschaulichere Vermittlung von Inhalten. Gut 50 Prozent sehen auch die Vorbereitung auf ein Leben und Arbeiten in der digitalen Welt als Vorteil sowie ein besseres Eingehen auf den einzelnen Schüler. Doch sie sehen auch Nachteile, vor allem sorgen sie sich um Schreib­fertig­keiten der Schüler, wenn weniger mit der Hand geschrieben wird. Sie fürchten auch eine Störung des konzentrierten Lernens. Und knapp die Hälfte sagt „Ich fürchte eine stärkere Über­wachung meines Unterrichts.“