Ländervergleich : Inklusionsquote an Schulen wächst weiter

Wie viel Prozent der Schülerinnen und Schüler mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf werden derzeit an einer Regelschule unterrichtet? Diese Frage stellte Das Schulportal den Bildungsministerinnen und Bildungsministern der 16 Bundesländer. Das Ergebnis: Die aktuelle Inklusionsquote liegt im Bundesdurchschnitt bei 47,5 Prozent und ist damit mehr als doppelt so hoch wie vor zehn Jahren (18,4 Prozent). Allerdings werden in vielen Bundesländern auch häufiger sonderpädagogische Förderbedarfe bei den Schülerinnen und Schülern diagnostiziert. Damit relativiert sich der Wert. Die Inklusionsquote sollte also nicht isoliert von der Förderquote betrachtet werden. Ein Ranking der Bundesländer ist daher nicht sinnvoll, zumal auch der Inklusionsanteil teilweise unterschiedlich erfasst wird.

Florentine Anders / 05. Juni 2018
Eine Schule für alle: Nahezu die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernt an Regelschulen.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
  • In Baden-Württemberg lernten im Schuljahr 2016/17 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen. Bei 7,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler wurde 2015/16 ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. Vor zehn Jahren war sie laut Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung um 1 Prozentpunkt niedriger.
  • Im Schuljahr 2016/17 verzeichnete Bayern eine Inklusionsquote von 27,4 Prozent. Die Förderquote lag im Ländervergleich 2015/16 bei 6,5 Prozent und damit um 1 Prozentpunkt höher als im Schuljahr vor Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention vor zehn Jahren.
  • In Berlin ist die Inklusionsquote im aktuellen Schuljahr mit 65 Prozent vergleichsweise hoch. Im Schuljahr 2015/16 hatten 7,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler einen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf. Vor zehn Jahren waren es 7,1 Prozent.
  • In Brandenburg liegt die Inklusionsquote im Jahr 2017/18 nach Angaben des Bildungsministeriums bei 49 Prozent. Insgesamt 8,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler hatten 2015/16 einen festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf. Damit war die Förderquote trotz eines geringen Rückgangs im Bundesvergleich immer noch hoch.
  • Der Stadtstaat Bremen hatte mit 88,9 Prozent im Schuljahr 2016/17 die höchste Inklusionsquote bundesweit. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wurde, lag vor zwei Jahren bei 6,8 Prozent und war damit etwas niedriger als vor zehn Jahren.
  • In Hamburg lag der Inklusionsanteil im Schuljahr 2016/17 bei 64,2 Prozent. Die Zahl für dieses Schuljahr lag zum Zeitpunkt der Abfrage noch nicht vor. In Hamburg ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf von 5,7 Prozent im Schuljahr 2008/09 bis auf 8,6 Prozent im Schuljahr 2015/16 gestiegen.
  • In Hessen liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf an Regelschulen in diesem Schuljahr bei 29,7 Prozent. Der Förderbedarf wird vergleichsweise selten diagnostiziert. Die Förderquote lag vor zwei Jahren bei 5,7 Prozent. Das war der niedrigste Wert bundesweit. Vor zehn Jahren war die Quote mit 4,8 Prozent aber noch niedriger.
  • In Mecklenburg-Vorpommern lag die Inklusionsquote im Schuljahr 2016/17 bei 38 Prozent. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wurde, war im Jahr 2015/16 mit 10,8 Prozent der höchste im Bundesvergleich. Allerdings ist er seit Inkrafttreten der UN-Konvention um knapp 1 Prozentpunkt gesunken.
  • Die Inklusionsquote in Niedersachsen lag im vergangenen Schuljahr bei 61,4 Prozent. Niedersachsen verzeichnete jedoch auch einen Anstieg der Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf von 4,7 Prozent (2008/09) auf 6,2 Prozent (2015/16).
  • In Nordrhein-Westfalen lernen in diesem Schuljahr 41,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den Regelschulen. Die Förderquote ist innerhalb von sieben Jahren von 6 Prozent auf 7,5 Prozent (2015/16) gestiegen.
  • In Rheinland-Pfalz liegt der Inklusionsanteil im Jahr 2017/18 bei 33 Prozent. Die Förderquote war im Ländervergleich 2015/16 mit 5,8 Prozent niedrig. Der Ausgangswert vor zehn Jahren war aber mit 4,5 Prozent noch geringer.
  • Im Saarland wurde die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den Regelschulen zuletzt für das Jahr 2015/16 erfasst. Damals lag der Inklusionsanteil laut Ländervergleich der Friedrich-Ebert-Stiftung bei 48,6 Prozent. Die Förderquote erreichte im selben Schuljahr 8,7 Prozent. Im Vergleich zum Schuljahr 2008/09 ist sie sogar um 2,5 Prozentpunkte gestiegen.
  • Sachsen verzeichnete im Schuljahr 2016/17 einen Inklusionsanteil von 32,8 Prozent. Im Jahr 2015/16 wurde bei 8,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Die Förderquote hat sich damit in den vergangenen Jahren kaum verändert.
  • Sachsen-Anhalt kommt in diesem Schuljahr auf eine Inklusionsquote von 35 Prozent an den Schulen. Mit 9,2 Prozent war der Anteil der Schülerinnen und Schüler, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde, im Jahr 2015/16 vergleichsweise hoch. Seit der Unterzeichnung der UN-Konvention ist die Förderquote geringfügig zurückgegangen.
  • In Schleswig-Holstein lag der Inklusionsanteil nach Angaben des Ministeriums im vergangenen Schuljahr bei 68 Prozent. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Förderbedarf festgestellt wurde, ist in den vergangenen Jahren um 1 Prozent gestiegen und lag im Jahr 2015/16 bei 6,3 Prozent.
  • Thüringen hat in diesem Schuljahr nach Angaben des Bildungsministeriums eine Inklusionsquote von 42 Prozent. Die Förderquote ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, von 9 Prozent im Jahr 2008/09 auf 6,6 Prozent im Schuljahr 2015/16.

Auf einen Blick

  • Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf an Regelschulen liegt derzeit bundesweit bei 47,5 Prozent.
  • Die höchste Inklusionsquote hat Bremen mit 88,9 Prozent. Am geringsten fällt die Quote in Bayern mit 27,4 Prozent aus.
  • Bundesweit wird häufiger ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert als vor zehn Jahren. Die Förderquote lag im Ländervergleich der Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2015/16 im Durchschnitt bei 7,1 Prozent und war damit um 1 Prozentpunkt höher als vor zehn Jahren.
  • 4,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler lernten laut Ländervergleich der Friedrich-Ebert-Stiftung im Schuljahr 2015/16 an einer Förderschule. Diese sogenannte Exklusionsquote hat sich seit Inkrafttreten der UN-Konvention kaum verändert.
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