Kurfürst-Moritz-Schule : Warum jede Schule ihr eigenes Profil braucht

„Hinter dem scheinbar Selbstverständlichen steckt jahrelange konsequente Schulentwicklungsarbeit und der Mut, sich mit etwas zu profilieren, das man besonders gut kann.“ Mit diesen Worten schließt die Laudatio auf die Kurfürst-Moritz-Schule – eine von sechs Schulen, die 2019 mit dem Deutschen Schulpreis gewürdigt wurden. Im Gespräch mit dem Schulportal erklärt Schulleiter Heiko Vogel, welche Ziele er mit seinem Team erreichen will und warum ein klar definiertes Schulprofil dabei unverzichtbar ist.

Antje Tiefenthal / 07. Oktober 2019
Schülerinnen und Schüler der Moritz-Schule in Sachsen spielen gemeinsam in einer Band.
Die Kurfürst-Moritz-Schule setzt seit vielen Jahren konsequent auf eine musisch-künstlerische Profilierung.
©Traube 47

Schulportal: Herr Vogel, herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Schulpreis 2019! Was bedeutet die Auszeichnung für die Schulentwicklung der Kurfürst-Moritz-Schule?
Heiko Vogel: Der Deutsche Schulpreis ist für uns ein Tor, das in drei Richtungen führt. Zum einen wertschätzt der Preis unsere Arbeit in den vergangenen Jahren. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber wie bewerten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis unsere Entwicklung? Das weiß man erst, wenn man zum Schulpreis antritt. Wir freuen uns über das positive Feedback. Zum anderen erschließt sich uns ein neuer Kreis. Mit der Auszeichnung haben wir Zugang zu Schulen, die ähnlich ticken wie wir. Wir werden oft von Studierendengruppen und Kollegien besucht, die sich bei uns Anregungen holen wollen und Rat suchen. Nun haben auch wir die Chance, selber Fragen stellen zu können und uns zu Themen auszutauschen, an denen wir arbeiten. Und zu guter Letzt ist der Deutsche Schulpreis ein Label, das uns Rückendeckung gibt. Denn wir legen die Vorschriften der Schulverwaltung oft weit aus, um unsere Schulentwicklung voranzutreiben.

Woran arbeitet die Kurfürst-Moritz-Schule aktuell?
Ganz oben auf der Agenda steht die Digitalisierung. Wir sind schon ziemlich weit. Dafür spricht zum Beispiel, dass wir, statt Handys zu verbieten, in ein stärkeres WLAN investieren, das unsere Schülerinnen und Schüler nutzen können. Denn digitale Medien gehören bei uns ganz selbstverständlich zum Unterricht dazu. Trotzdem belassen wir es nicht dabei. Schließlich kommt mit dem Digitalpakt viel auf uns zu. Wie können wir ihn nutzen? Was bedeutet das für uns? Das sind Fragen, mit denen wir uns derzeit intensiv auseinandersetzen.

Es hilft nicht, dieses ein bisschen zu können und jenes ein bisschen zu beherrschen. Was wir brauchen, ist die eine Kompetenz, die uns als Schule wirklich auszeichnet.
Heiko Vogel, Schulleiter der Kurfürst-Moritz-Schule

Der Schulbesuch der Jury ist ein elementarer Bestandteil des Auswahlverfahrens für den Deutschen Schulpreis. Dazu gehört auch immer ein ausführliches Feedbackgespräch. Wo sieht die Jury noch Handlungsbedarf?
Wir hatten ein wunderbares Gespräch mit Jurymitglied Thomas Häcker, der das Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung an der Uni Rostock leitet. Er hat uns ganz konkret Rückmeldung gegeben, wo wir in Bezug auf die sechs Qualitätsbereiche des Deutschen Schulpreises noch Entwicklungsarbeit leisten müssen. Dabei gab es keine Überraschungen für uns. Unsere Baustellen sind uns bewusst, wir wissen nur manchmal nicht, wie wir sie am besten anpacken sollen.

Haben Sie ein Beispiel?
Neben der Digitalisierung ist das direkte Messen des Lernstandes unsere zweite große Herausforderung. Wie effizient ist der Unterricht gelaufen? Wie weit sind die Schülerinnen und Schüler? Das lässt sich nicht ganz leicht beantworten. In Mathematik geht das vielleicht besser, in anderen Fächern ist das deutlich schwieriger.

Wie wollen Sie das Thema jetzt angehen?
Wir haben kurz vor Ende des vergangenen Schuljahres die Mitglieder der Steuergruppe der Schule, zu der ein Viertel des Kollegiums gehört, zu einer Auftaktveranstaltung geladen und gemeinsam Ideen gesammelt und diskutiert. Auf dieser Grundlage hat die erweiterte Schulleitung sich im zweiten Schritt noch vor Beginn des neuen Schuljahres zusammengesetzt und die grobe Linie besprochen. Als Nächstes kommt erneut die Steuergruppe zusammen und entwickelt einen entsprechenden Fortbildungsplan. So arbeiten wir uns Schritt für Schritt vorwärts. Dabei kommen wir immer wieder im Team zusammen und bereiten gemeinsam genau vor, wie wir was wann angehen. Helfen wird uns sicherlich auch das Netzwerk der Preisträgerschulen.

Unsere Baustellen sind uns bewusst, wir wissen nur manchmal nicht, wie wir sie am besten anpacken sollen.
Heiko Vogel, Schulleiter der Kurfürst-Moritz-Schule

Die Kurfürst-Moritz-Schule setzt seit vielen Jahren auf eine konsequent musisch-künstlerische Profilierung. Wie beeinflusst das die Schulentwicklung?
Enorm. Unser klar definiertes Profil sorgt für Orientierung – auf jeder Ebene. Es hilft nicht, dieses ein bisschen zu können und jenes ein bisschen zu beherrschen. Was wir brauchen, ist die eine Kompetenz, die uns als Schule wirklich auszeichnet. Dieses Alleinstellungsmerkmal hilft den Eltern bei der Suche nach einer weiterführenden Schule für ihr Kind: Sie schicken ihren Nachwuchs zu uns, weil ihnen genau dieses Profil gefällt. Und für uns als Schule ist das musische Profil ein Fundament, auf dem alles andere aufbauen kann.

Wie meinen Sie das?
So ein Profil hat keine Begrenzung. Es schließt nicht aus, auch im MINT-Bereich klasse zu sein. Wenn wir nach digitalen Konzepten suchen, dann heißt das für uns eben nicht einfach nur „iPad-Klasse“, sondern wir unterrichten die Kinder in Licht- und Tontechnik. Für mich als Musiklehrer ist unser Profil von besonderer Bedeutung, aber auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen profitieren davon. Was meinen Sie, was für ein Höhepunkt der Auftritt der Lehrerband für die Kinder ist! Da spielen alle Kolleginnen und Kollegen mit, die ein Instrument beherrschen. Und wer das nicht kann, der singt. Ganz klar: Ein Profil stiftet Identität und gibt der Schulgemeinschaft enorm viel Kraft.

Auf einen Blick

  • Die Kurfürst-Moritz-Schule ist eine Oberschule in der sächsischen Gemeinde Moritzburg im Ortsteil Boxdorf. Sie ist eine von sechs Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises 2019.
  • Bereits 2013 bewarb sich die Kurfürst-Moritz-Schule um die begehrte Auszeichnung und schaffte es auf Anhieb unter die TOP 20.
  • Noch 2004 drohte die Schließung der Schule, die Anmeldezahlen waren drastisch zurückgegangen.
  • Lesen Sie im ausführlichen Porträt der Kurfürst-Moritz-Schule, wie sie den Weg aus der Krise schaffte.