Transferzirkel Jede(r) ist besonders : Schulen engagieren sich gemeinsam für mehr Vielfalt

Jede(r) ist besonders: Unter dieser Maxime entwickeln Schulen Konzepte für den Umgang mit Vielfalt. Bei ihrem Schulentwicklungsprozess erhalten die Schulen intensive Unterstützung von der Deutschen Schulakademie.

Antje Tiefenthal / 16. Oktober 2018
Kinder sitzen an Tischen im Klassenzimmer und arbeiten
In der Erich Kästner Schule in Hamburg werden alle Kinder willkommen geheißen. Das wollen auch die Schulen des Transferzirkels „Jede(r) ist besonders“ leisten: Sie entwickeln gemeinsam Konzepte für den Umgang mit Vielfalt – mit dabei ist unter anderem die Wartburg-Grundschule Münster, die Preisträger des Deutschen Schulpreises 2008 ist.
©Theodor Barth/RB Stiftung

„Der Austausch mit anderen Schulen ist eine enorme Bereicherung“, sagt Marion Weist-Konen. Sie und ihre Kollegin Christiane Gränitz sind Lehrerinnen an der Wartburg-Grundschule Münster. Gemeinsam moderieren sie den Transferzirkel „Jede(r) ist besonders“ in der Region West. Der Zirkel ist ein Zusammenschluss von Schulen, die sich gemeinsam auf den Weg machen, um nachhaltige Konzepte für den Umgang mit Vielfalt zu entwickeln.

Der Startschuss für die Initiative fiel bereits 2014. „Damals wurden fünf Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises aus verschiedenen Regionen von einer weiteren Schulpreisträgerschule bei ihrem Schulentwicklungsprozess begleitet“, erklärt Christiane Gränitz. Das gemeinsame Ziel: Ideen und Strategien für den Umgang mit Heterogenität und Inklusion zu konzipieren. „Beim Umgang mit Vielfalt spielt die Haltung jeder und jedes Einzelnen sowie jeder Schule zu diesem Thema immer wieder eine grundlegende Rolle“, erklärt Weist-Konen. Die Wartburg-Schule, an der sie und ihre Kollegin unterrichten, ist Preisträger des Deutschen Schulpreises 2008 und gehört zur ersten Generation des Transferzirkels.

Von „Anders sein ist normal“ zu „Jede(r) ist besonders“

Der Transferzirkel ist Beleg dafür, dass für viele Schulen nach der Auszeichnung mit dem Deutschen Schulpreis das Thema Schulentwicklung weiterhin von besonderer Bedeutung ist. Intensive Unterstützung erhalten die Schulen dabei von der Deutschen Schulakademie. Inzwischen befindet sich das Projekt „Jede(r) ist besonders“, das anfangs noch unter dem Titel „Anderssein ist normal“ gestartet ist, mitten in der zweiten Phase. Die fünf Schulen der ersten Generation haben in ihrer Region eigene Zirkel gegründet und helfen nun mit ihrer Expertise und Erfahrung nun wiederum selbst Schulen, die Vielfalt stärken und leben wollen.

Die inhaltliche Arbeit ist dabei in insgesamt acht Modulen strukturiert. Im ersten Modul haben sich die Schulen des Transferzirkels West, den Weist-Konen und Gränitz organisieren, mit der Begrifflichkeit „Vielfalt“ auseinandergesetzt. Bei den folgenden Modulen standen Themen wie „Lernumgebung“, „Schulleben“, „Schulentwicklung“ oder „Kooperation“ im Fokus. Mittlerweile haben die Schulen des Transferzirkels bereits das siebte Modul – „Auswertung“ – durchlaufen. Der Münsteraner Skateboard-Pionier Titus Dittmann vermittelte den Lehrerinnen und Lehrern seinen besonderen Zugang zum Thema „Jede(r) ist besonders“: Mit seiner Initiative „Skaten statt Ritalin“ hilft er Kindern mit ADHS-Symptomen.

Transferzirkel „Jede(r) ist besonders“ plant eigenes Netzwerk

Im November 2018 folgt das letzte Modul – das eigentlich kein Ende, sondern ein Anfang sein soll: „Wir wollen dann gemeinsam mit den anderen Schulen überlegen, ob wir ein gemeinsames Netzwerk gründen“, erklärt Marion Weist-Konen. Denn von dem Austausch haben alle teilnehmenden Schulen profitiert, auch die Wartburg-Schule. Die beiden Lehrerinnen sind sich einig: „Schließlich ist Schulentwicklung ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.“

Mehr zum Thema

  • Fünf Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises haben zwei Jahre lang gemeinsam an Konzepten zum Umgang mit Vielfalt gearbeitet.
  • Diese fünf Schulen haben im Anschluss daran eigene Zirkel in ihrer Region gegründet: Seit Anfang 2017 unterstützen sie Schulen bei deren Entwicklung.
  • Gestartet ist das Projekt unter dem Namen „Anders sein ist normal“ (ASIN), inzwischen heißt der Zirkel „Jede(r) ist besonders“ (JIB). Dieser Name spiegelt die aktuelle wissenschaftliche Diskussion besser wieder.
  • Die Deutsche Schulakademie unterstützt den Transferzirkel „Jede(r) ist besonders“.
  • Weitere Informationen zum Transferzirkel gibt es hier.

Erfahren Sie mehr über Inklusion und Vielfalt

Zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion für Schulen nach wie vor ein aktuelles Thema: Wie sieht inklusive Schule aus? Welche Herausforderungen muss Schule meistern und wie gelingt der Umgang mit Vielfalt? Die Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreis zeigen mit ihren Konzepten aus der Praxis, in welche Richtung der Weg gehen kann. Darüber hinaus berichtet das Schulportal regelmäßig über Inklusion und Vielfalt.

Eine Auswahl:

  • Die Meusebach-Grundschule im brandenburgischen Geltow hat sich auf den Weg gemacht, eine inklusive Schule zu werden. Das Schulportal begleitet die Schule bei ihrer Entwicklung. Hier geht es zum Auftakt der Serie.
  • „Das eigentliche Ziel der Inklusion ist verfehlt“: Im Gespräch mit dem Schulportal kritisiert der Bildungsforscher und Sonderpädagoge Hans Wocken die Ergebnisse der Inklusionsreform. Hier geht es zum Interview.
  • Das Regionale Berufsbildungszentrum Wirtschaft, eine Berufliche Schule in Kiel, macht vor, wie Schulen der Heterogenität von jugendlichen Geflüchteten begegnen können. Hier geht es zum Konzept.
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