Dieser Artikel erschien am 04.10.2018 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Autorin: Marie Dettmar

Handy-Regeln an Schulen : Smart wär’s ohne Phone

Seit Monaten wird über die Handynutzung an Schulen debattiert. Einem Aufruf der Landesanstalt für Medien NRW an Schüler, sich Gedanken über Handy-Regeln zu machen, ist bislang aber niemand gefolgt. Das könnte seine Gründe haben.

Handy im Unterricht
©dpa

Die Landesanstalt für Medien NRW hat eine Social-Media-Kampagne zu Handyordnungen an Schulen ins Leben gerufen. Seit ein paar Tagen sind die Schüler und Schülerinnen aus der „Handysektor“-Community aufgerufen, ihre Vorschläge einzureichen. Handysektor ist ein gemeinsames Projekt der Landesmedienanstalt und des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest in Kooperation mit der EU-Initiative „klicksafe.de“. Dem Aufruf, sich Gedanken über eine Handyordnung an der eigenen Schule Gedanken zu machen, ist allerdings bislang niemand gefolgt. Und dass, obwohl die Handynutzung an Schulen ein großes Thema ist. Dass das Echo an dieser Stelle ausbleibt, könnte seine Gründe haben.

Als Beispiele bietet die Website verschiedene schon durchgesetzte Handyordnungen an Schulen, die in „Erlaubnisse mit Einschränkungen“ und „Verbote mit wenigen Ausnahmen“ geteilt werden. Sie sollen als Inspiration dienen. Die Instagram-Seite von Handysektor dient als Diskussionsplattform, verweist aber hauptsächlich auf die Inhalte der offiziellen Internetseite. Man möchte Schüler und Schülerinnen zu Wort kommen lassen und sie zur Eigeninitiative bewegen. Ein „Rezept“ soll ihnen helfen, zusammen mit Lehrkräften und gegebenenfalls Eltern eine fortschrittliche und zeitgemäße Handyordnung an der eigenen Schule zu entwickeln.

Vier Jahre alte Beiträge

Dafür bietet die Website eine Fülle an Informationen zum Umgang mit mobilen Medien. Das ist allerdings ein ziemliches Sammelsurium. Da gibt es etwa den Handysektor-eigenen Youtube-Kanal, Ende 2013 gegründet. Er kommt in der Regel auf nicht mehr als zehntausend „Views“, hat 604 angemeldete Nutzer, Kommentare gibt es so gut wie keine. Aktiv war der Kanal das letzte Mal vor fünf Monaten. Die meisten Videos handeln von Themen, die andernorts längst abgehandelt wurden. Auf der Website der Pro-Sieben-Sendung „Galileo“ zum Beispiel finden sich vier Jahre alte Beiträge zu Themen, die beim Handysektor erst viel später aufgetaucht sind.

Da gibt es Beiträge zum Thema Datenschutz, Urheberrechte, Anonymität im Netz und dem Umgang mit veränderten Nutzungsbedingungen bei Diensten wie Whatsapp. Dann aber genauso Artikel wie „Herzklopfen online: So klappt’s mit dem Flirten“, „Die Top 7 der verrücktesten Smartphone-Hüllen“ oder „DIY Kopfhörer: Der Regenbogen für deine Ohren“. Man merkt, dass die Macher der Seite bei Jugendlichen ankommen wollen. Ihre Jugendsprache aber wirkt aufgesetzt, und die Erklärhaltung wirkt wie aus der „Sendung mit der Maus“.

Und dann die Sache mit der Reichweite: 2446 Follower auf Instagram und 604 Abonnenten auf Youtube sind so gut wie nichts, ein deutschlandweiter Diskurs an den Schulen kann sich da kaum entwickeln. Man hätte zum Beispiel darüber nachdenken können, einen Youtuber für sich einzuspannen. Ein Paradebeispiel ist das Projekt „Space Cabin“, eine Zusammenarbeit des Bundesamtes für politische Bildung mit den „Space Frogs“, die in einer Reihe von Videos die Haltung der Parteien zu Themen wie Bildung oder Straßenverkehr einfach erklärt und damit knapp eine Million Abonnenten erreicht haben. Sie begegnen den Jugendlichen auf Augenhöhe, anstatt ihnen von oben herab etwas erklären zu wollen – auch wenn die Zusammenarbeit mit einem angesagten Youtuber nicht per se als Erfolgsgarant zu deuten ist.

Erstaunlich ist auch, dass sich Handysektor exklusiv an Jugendliche richtet. Klüger wäre es, will man die Rolle als Vermittler wirklich ernst nehmen, auch und vor allem die Pädagogen anzusprechen. Zur Lösung des Konflikts, den es an Schulen mit Blick auf die Nutzung von Smartphones gibt, gehören schließlich zwei Parteien.