Dieser Artikel erschien am 17.10.2018 in DIE ZEIT
Autor: Hannah Knuth

Schulleiter : Gar nicht so schlimm?

Ein Forschungsprojekt zeigt: Schulleiter sind davon überzeugt, dass sie ihren Job erfolgreich meistern.

Vom Umgang mit Schülerinnen und Schülern bis zur Verwaltung der Schule: Die befragten Schulleiter bewerten ihre Arbeit als durchweg erfolgreich.
Vom Umgang mit Schülerinnen und Schülern bis zur Verwaltung der Schule: Die befragten Schulleiter bewerten ihre Arbeit als durchweg erfolgreich.
©Getty Images

Wie ergeht es Schulleitern in ihrem Job? Dieser Frage ist ein Forschungs­projekt der Universität Duisburg-Essen nach­gegangen: Das Forscher­team befragte 1471 Direktoren aus neun Bundes­ländern, wie gut sie ihre Aufgaben umsetzen können und welche Unter­stützung sie dabei brauchen. Die Ergebnisse des „Schul­leitungs­monitors“ zeigen: Die befragten Schul­leiter bewerten ihre Arbeit als durchweg erfolg­reich – vom Umgang mit Schülern und Eltern bis zur Verwaltung und Entwicklung der Schule.

Der „Schulleitungsmonitor“ ist der bisher erste Versuch, die Wahr­nehmungen und Bedürfnisse von Schul­leitern in Deutschland systematisch zu erfassen. Er liegt der ZEIT vorab vor. Die Ergebnisse der Studie sind zwar nicht repräsentativ, da es keine flächen­deckenden Daten zu deutschen Schul­leitern gibt. Dennoch verraten sie viel über den Job.

Wie bewegt man Lehrer zur Reflexion über den eigenen Unter­richt?

Die befragten Direktoren wünschten sich vor allem in zwei Bereichen Unter­stützung: bei der Führung und Entwicklung von Personal – den Lehrern, Sekretären und Haus­meistern an der Schule – und bei der Organisations­entwicklung. Beides sind Aufgaben­felder, die erst im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte Teil des Anforderungs­profils von Schul­leitern wurden.

Als herausfordernd empfanden die befragten Schul­leiter den Umgang mit dem Lehr­personal: Wie bewegt man Lehrer zur Reflexion über den eigenen Unterricht? Wie motiviert man sie zur Fort- und Weiter­bildung? Über 56 Prozent der Direktoren gaben zudem an, dass sie Probleme haben, Innovationen für den Unterricht zu planen oder Unter­richts­besuche durchzuführen.

Überraschend ist, dass die äußeren Bedingungen wie die Schulform oder der sogenannte Sozial­raum, also das soziale Milieu der Schüler und die geografische Lage der Schule, für die Befragten kaum eine Rolle spielen. Schul­leitungen einer Haupt­schule halten sich für ähnlich erfolgreich wie die von Gymnasien oder Grund­schulen. Auch macht es in der Wahr­nehmung offenbar keinen Unter­schied, ob die Schule städtisch oder dörflich gelegen ist, im sozialen Brenn­punkt oder nicht. Das ist interessant, gibt es doch Forschungen, die nachweisen, dass stand­ort­spezifische Faktoren immerhin einen Einfluss darauf haben, mit welchen Heraus­forderungen Schul­leiter konfrontiert sind. Warum spiegelt sich das in der Wahr­nehmung der Schul­leiter nicht wider?

Es kann sein, dass Direktoren an Schulen in sozial benachteiligter Lage große Visionen und ein innovatives Kollegium haben.
Dominique Klein, Erziehungswissenschaftlerin der Universität Duisburg-Essen

„Da können wir nur mutmaßen“, sagt Dominique Klein, Erziehungs­wissen­schaftlerin der Universität Duisburg-Essen, die mit ihrer Kollegin Jessica Schwanenberg das Projekt koordiniert. „Es kann sein, dass Direktoren an Schulen in sozial benachteiligter Lage gerade wegen ihrer besonderen Heraus­forderungen große Visionen und ein innovatives Kollegium haben“, sagt Klein. Und deshalb Erfolgs­erlebnisse wahrnehmen.

Finanziert wird das weiterlaufende Forschungs­projekt von der Wübben Stiftung, die die Bildungs­chancen sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher fördern will. In zwei Jahren werden die Schul­leiter noch einmal befragt.

Auch die Ziele des Forschungs­projekts sind lang­fristig angelegt. So soll nicht nur auf­gezeigt werden, wo sich Schul­leiter Unter­stützung wünschen. Diese Wünsche sollen auch in einen Kontext gestellt werden, damit man den Bedingungen der einzelnen Schulen Rechnung tragen kann. „Nur so kann man Fort­bildungen möglichst pass­genau gestalten“, sagt Schwanenberg.

Die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer werden nicht aufgeschlüsselt

Bislang werden Qualifizierungs­maßnahmen für Schul­leitungen kaum an individuellen Bedürfnissen der Schul­leiter ausgerichtet, sondern an allgemeinen Aufgaben- und Rollen­beschreibungen einer Schul­leitung.

Hier wünschen sich Direktoren Unterstützung:

58 % bei der Beschaffung von Drittmitteln
42 % bei der Umsetzung von Rechtsvorschriften
37 % beim Gewinnen von Eltern für ein Engagement

Die Forscherinnen werden ihre Ergebnisse auf­geschlüsselt an die Bundes­länder zurück­geben, sodass diese damit arbeiten können. Teil­genommen haben unter anderem Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Für die Öffentlichkeit sind die bundes­land­spezifischen Ergebnisse aller­dings nicht ein­seh­bar. „Wir wollen kein Ranking“, sagt Dominique Klein. „Weil Bundes­länder dadurch oft in Legitimations­zwang kommen. Das hemmt einen offenen Umgang mit Heraus­forderungen.“

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