Forum Bildung Digitalisierung : Pionierschulen zeigen Wege in die digitale Welt

Auf der Konferenz Bildung Digitalisierung 2018 (#KonfBD18) in Berlin diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis, wie sich Schule in der digitalen Welt verändert. Aus den Erfahrungen von Vorreiter-Schulen in Sachen Digitalisierung will das Forum Bildung Digitalisierung ein Leitfaden für alle Schulen entwickeln.

Florentine Anders / 16. November 2018
Teilnehmer der Konferenz unteralten sich
Die Lehrkräfte der digitalen Pionierschulen nutzten die Konferenz Bildung Digitalisierung, um ihre Erfahrungen auszutauschen.
©Phil Dera

An der Waldschule Hatten in Niedersachsen hat nicht nur jedes Kind ein echtes Huhn auf dem Schulhof, sondern ab der siebenten Klasse auch ein Tablet für den Unterricht. Die Schule gehört zu den 25 Pionierschulen des Forums Bildung Digitalisierung, die am 15. und 16. November in Berlin auf einer Konferenz ihre Erfahrungen austauschten.

Ziel ist es, aus diesen Erfahrungen Handreichungen für alle Schulen zu entwickeln – als Orientierungsrahmen für „Gute Schulen in der digitalen Welt“. Im kommenden Jahr soll dieser Leitfaden veröffentlicht werden.

Sieben große Bildungsstiftungen haben sich vor drei Jahren in dem Verein Forum Bildung Digitalisierung zusammengeschlossen, um Antworten auf die drängenden Fragen zur Schulentwicklung im Zuge der Digitalisierung zu finden. Die jährlich stattfindenden Konferenzen gelten inzwischen als die zentrale Plattform zu dem Thema. Expertinnen und Experten aus der Schulpraxis,  Wissenschaft,  Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen treffen hier aufeinander. Insgesamt 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren auf der diesjährigen Konferenz Bildung Digitalisierung (#KonfBD18) dabei.

Forum Bildung Digitalisierung: Lehrkräfte brauchen Freiräume für Unterrichtsentwicklung

Es gehe darum, die Möglichkeiten zu nutzen, die Digitalisierung für verbessertes Lernen bietet, sagte Uta-Micaela Dürig von der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung auf der Konferenz. Und dabei müssten nicht jede Schule und jedes Bundesland das Rad neu erfinden. Es gebe ausgezeichnete Schulen, die schon sehr weit sind auf dem Weg der Digitalisierung und diese Beispiele sollten sichtbar gemacht werden.

Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Telekom-Stiftung betonte, die Digitalisierung erfordere eine neue Kultur der Zusammenarbeit in der Schule. Dafür seien Freiräume zur Unterrichtsentwicklung für die Lehrkräfte erforderlich, die strukturell verankert werden müssten, sagte Winter. Auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher forderte im Interview mit dem Schulportal anlässlich der Konferenz mehr Zeit für Lehrkräfte außerhalb des Unterrichts, um neue Konzepte zu entwickeln.

Silke Müller, die Schulleiterin der Waldschule Hatten, beschrieb in ihrem Vortrag eingängig die Widrigkeiten auf dem Weg zur digitalen Vorbild-Schule: angefangen vom harten Kampf um Glasfaser und WLan, um Fortbildungen und oder um einen guten Administrator. Nun sei es an der Zeit, die Pionierphase zu beenden und Rahmenbedingungen einzufordern. „Wir sind es leid nach Geld, Ressourcen und Ermäßigungsstunden betteln zu müssen“, sagte die Schulleiterin. Und es dürfe nicht sein, dass 16 Bundesländer 16 verschiedene Strategien entwickeln.

Die Vertreter der Die Kultusministerkonferenz (KMK) zeigten sich aufgeschlossen auf der Tagung. Mit dem Digitalpakt, der am 6. Dezember in der KMK verabschiedet werden soll, verpflichten sich die Länder nicht nur, mit den vom Bund bereitgestellten fünf Milliarden Euro für die nötige Infrastruktur an den Schulen zu sorgen. Die Länder stehen auch in der Pflicht für die nötigen Fortbildungen zu sorgen und dafür wiederum benötigen sie dringend gute Konzepte.

KMK verspricht Handreichung zum Datenschutz

„Wir sind alle Lernende“, sagte Herbert Wolff, Staatssekretär in Sachsen und Vorsitzender der KMK-Lenkungsgruppe „Bildung in der digitalen Welt“, auf der Konferenz. In einem Strategiepapier hat die KMK  bereits einen Kompetenzrahmen für die Digitalisierung festgesteckt. Lehrpläne und Lehrkräfteausbildung müssten nun entsprechend angepasst werden.

Im kommenden Jahr will die KMK zudem eine Handreichung für alle Bundesländer zum Thema Datenschutz veröffentlichen. Zudem soll es einen zentralen „Ideenvermittlungsdienst“ für alle Bundesländer geben, kündigte Wolff an. Anbieter hätten dann einen zentralen Ansprechpartner und müssten nicht mit jedem Bundesland einzeln Kontakt aufnehmen.

Silke Müller von der Waldschule Hatten will den eingeschlagenen Weg weiter voran gehen. Die digitale Transformation der Schule verschaffe den Lehrkräften den Zugang zur Welt der Kinder.

Auf einem Blick

  • Am 15. und 16. November veranstaltet das Forum Bildung Digitalisierung in Berlin die Konferenz Bildung Digitalisierung 2018 #KonfBD18 statt.
  • Hier diskutieren etwa 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam, wie digitale Medien den Schul- und Lern­all­tag verändern, wie ihre Potenziale nutzbar gemacht werden können und stellen Schritte vor, wie sich der digitale Wandel in der Schule gestalten lässt.
  • Die Konferenz gilt als die zentrale Plattform für Expertinnen und Experten aus Bildungspraxis, Bildungspolitik und -verwaltung, Zivilgesellschaft und Forschung, auf der über die Veränderungen des Bildungssystems unter den Bedingungen der Digitalität diskutiert wird.
  • In dem Verein Forum Bildung Digitalisierung engagieren sich derzeit sieben große deutsche Stiftungen: Deutsche Telekom Stiftung, Bertelsmann Stiftung, Dieter Schwarz Stiftung, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Robert Bosch Stiftung, Siemens Stiftung und Stiftung Mercator.
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