Kooperation : „Wir brauchen ein neues Berufsverständnis“

Kooperation unter Lehrkräften bei der Unterrichtsgestaltung ist an vielen Schulen noch die Ausnahme. Das hat eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Schulakademie ergeben. Hans Anand Pant, Bildungsforscher und Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, fordert im Interview mit dem Schulportal bessere Rahmenbedingungen für Teamarbeit und ein neues Berufsverständnis.

Florentine Anders / 10. September 2018
Schild mit der Aufschrift Lehrerzimmer an der Wand
Häufig fehlen an Schulen Räume und feste Zeiten für die Teamarbeit der Lehrkräfte.
© Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Schulportal: Die Deutsche Schulakademie hat eine umfangreiche Forsa-Umfrage zum Thema Teamarbeit unter Lehrkräften erstellen lassen. Warum ist die Kooperation bei der Unterrichtsplanung aus Sicht der Schulakademie so wichtig?
Hans Anand Pant: Kooperation ist ein starker Motor für die Schul- und Unterrichtsentwicklung. In guten Schulen arbeiten Kollegien auf allen Ebenen und mit allen Beteiligten zusammen. Das zeigen uns viele Beispiele von Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. Teamarbeit hat für Lehrkräfte viele Vorteile: Arbeitsentlastung, Erfahrungsaustausch oder Steigerung der Unterrichtsqualität, um nur einige zu nennen. Kooperation hat Studien zufolge auch einen positiven Effekt auf die Arbeitszufriedenheit der Lehrkräfte. Schülerinnen und Schüler profitieren davon, dass durch Kooperation besserer Unterricht entstehen kann.

Portrait von Hans Anand Pant
Bildungsforscher Hans Anand Pant ist Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie.
©David Weyand (Die Deutsche Schulakademie)

Wie kann die Kooperation unter Lehrkräften gestärkt werden?
Gute Kooperation beginnt mit der Verständigung auf gemeinsame pädagogische Ziele und Werte. Es ist vor allem die Aufgabe von Schulleitungen, die Prozesse und Strukturen aufzubauen schaffen, die dafür nötig sind.

Brauchen wir dafür andere Strukturen oder eher einen Bewusstseinswandel – oder beides?
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass wir nicht nur ein Strukturproblem in den Schulen haben, sondern auch ein Mentalitätsproblem bei vielen Lehrkräften. Wir brauchen deshalb ein neues Berufsverständnis: Lehrkräfte dürfen sich nicht länger als Einzelspielerinnen und Einzelspieler begreifen, sondern als Teamplayer.

Dieses Verständnis muss schon in die Ausbildung der Lehrkräfte integriert werden. Teamarbeit muss außerdem durch geeignete Rahmenbedingungen unterstützt werden: Lehrkräfte brauchen geeignete Räume in der Schule und feste Kooperationszeiten im Arbeitsalltag.

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