Forsa-Umfrage : Viele Lehrkräfte sind immer noch Einzelkämpfer

Fast jede zweite Lehrkraft plant noch immer den Unterricht lieber allein als im Team mit anderen Kolleginnen und Kollegen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Schulakademie. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, fordert, Teamarbeitszeiten fest in der Unterrichtsverpflichtung von Lehrerinnen und Lehrern zu integrieren.

Florentine Anders / 10. September 2018
Illustration über Wunsch nach Kooperation

Sind Lehrerinnen und Lehrer eher Teamplayer oder eher Einzelspieler? Das wollte die Deutsche Schulakademie wissen und hat eine repräsentative Forsa-Umfrage zum Thema Kooperation an Schulen in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1.016 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen. Das Ergebnis der jetzt veröffentlichten Erhebung: Der fachbezogene Austausch unter den Lehrkräften einer Schule ist keineswegs selbstverständlich. Zwar gaben 57 Prozent der Befragten an, dass sie gern mit Kolleginnen und Kollegen bei der Unterrichtsgestaltung zusammenarbeiten würden, doch ein großer Teil sprach sich auch gegen eine solche Teamarbeit aus. Insgesamt 41 Prozent der Lehrkräfte sagten, sie würden ihren Unterricht lieber weitgehend für sich planen und gestalten.

Lehrkräfte an Gymnasien kooperieren seltener als an Grundschulen

Allerdings gibt es zwischen den Schulformen große Unterschiede. An der Grundschule wünschen sich 73 Prozent der befragten Lehrkräfte einen Austausch. An den weiterführenden Schulen lässt der Wunsch nach Kooperation nach. An den Gymnasien wollen 52 Prozent der Pädagoginnen und Pädagogen den Unterricht lieber für sich planen.

Das spiegelt sich auch in der Praxis wieder. 40 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer am Gymnasium gaben in der Umfrage an, sie würden sich selten oder so gut wie nie mit anderen Kolleginnen und Kollegen im Team treffen, um in der Gruppe Unterrichtsthemen zu besprechen. An Grundschulen dagegen sind solche regelmäßigen Teamtreffen an festgelegten Terminen eher an der Tagesordnung. Nur 16 Prozent der Befragten sagten hier, dass Teamtreffen selten oder so gut wie nie stattfinden, an Haupt-, Real- und Gesamtschulen lag dieser Anteil bei 21 Prozent.

Im bestehenden Unterrichtsdeputat für Lehrkräfte müssen auch Stunden für die Abstimmung angerechnet werden.
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes

Häufig fehlen an den Schulen Zeitfenster für Teamarbeit

Warum sind Teambesprechungen zu Unterrichtsthemen noch immer an vielen Schulen die Ausnahme? Und welche Gründe gibt es dafür, dass dieser Austausch an weiterführenden Schulen seltener stattfindet als an Grundschulen?

„Mich wundert das Ergebnis der Befragung nicht“, sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, dem Schulportal. Meidinger sieht vor allem ein Zeitproblem. „Wir begrüßen eine stärkere Teamarbeit“, sagte der Gewerkschafter. Die Zusammenarbeit sei ein wichtiges Kriterium für innovativen Unterricht. Doch häufig verlange das von den Lehrkräften sehr viel Einsatz in ihrer Freizeit.

Anders als an den Grundschulen sei es an Gymnasien wegen des Nachmittagsunterrichts und des Fachlehrerprinzips schwieriger, gemeinsame Freiräume und Zeitfenster für Teambesprechungen zu schaffen. Meidinger fordert deshalb, Teamarbeitszeiten fest in die Unterrichtsverpflichtung zu integrieren. „Im bestehenden Unterrichtsdeputat für Lehrkräfte müssen auch Stunden für die Abstimmung angerechnet werden“, sagte der Präsident des Lehrerverbandes. Und diese dürften dann auch nicht in Vertretungsstunden umgewandelt werden.

Kooperation bringt Arbeitsentlastung und Kompetenzgewinn

Auch gegenseitige Hospitationen befürwortet Meidinger. Wichtig sei dabei, dass die Teams nicht von oben verordnet werden, sondern die Lehrkräfte sich die Partner selbst wählen können. Die Erfahrung zeige, dass sich Kooperation auszahle. Vor allem die Zufriedenheit mit dem eigenen Unterricht wachse.

Das zeigte sich auch in der Forsa-Umfrage der Schulakademie: 75 Prozent der befragten Lehrkräfte, die sich mehrmals im Jahr austauschen, empfanden diese Kooperation als „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“. Weitere 22 Prozent konnten zumindest teilweise einen Nutzen für die eigene Arbeit daraus ziehen. Vorteile sahen die Lehrkräfte vor allem im Ideen- und Erfahrungsaustausch. Auch die Steigerung der eigenen Kompetenz und die Arbeitsentlastung wurden in der Umfrage häufig als positive Effekte angegeben.

Die vollständigen Umfrage-Ergebnisse finden Sie auf der Website der Deutschen Schulakademie: Forsa-Studie „Kooperation an Schulen“

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Mehr zum Thema

  • Am 13. und 14. September diskutieren in Berlin etwa 500 Lehrerinnen und Lehrer über verschiede Formen der Kooperation in der Schulpraxis.
  • Auf dem Kongress „Nicht mehr allein! Gute Schulen kooperieren“ der Deutschen Schulakademie geht es sowohl um unterrichtsbezogene Zusammenarbeit als auch um Fragen kooperativer Schulleitungen und zur Vernetzung der Schule in ihrem Umfeld.
  • Das Schulportal ist vor Ort, und wird über den Kongress berichten.
  • Die ganze forsa.-Umfrage „Fachbezogene Kooperation an Schulen“ können Sie hier herunterladen.
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