Ihre Meinung : Ergebnisse der beliebtesten fünf Umfragen 2019

In regelmäßigen Abständen haben wir unsere Leserinnen und Leser in den „Umfragen des Monats“ nach ihrer Meinung zu aktuellen Debatten in der Bildungswelt befragt. Es ging um das Schreibenlernen, um Fridays for Future oder um Smartphones im Unterricht. Hier sehen Sie die Ergebnisse der fünf Umfragen mit den höchsten Beteiligungen im Jahr 2019.

Florentine Anders / 27. Dezember 2019

Sollten Kinder eine Schreibschrift lernen?

Sollten Kinder in der Grundschule noch eine Schreibschrift beziehungsweise eine verbundene Ausgangsschrift erlernen? Das fragten wir am 23. September die Nutzerinnen und Nutzer des Schulportals. Obwohl die Umfrage in der zweiten Jahreshälfte lag, hatte sie schon Mitte Dezember mit Abstand die meisten Stimmen. 2.234 Leserinnen und Leser haben sich an der Umfrage beteiligt. 63 Prozent waren dafür, dass die Kinder auch weiterhin eine verbundene Ausgangsschrift erlernen. 37 Prozent dagegen waren der Meinung, es reiche aus, wenn die Kinder die auf Druckbuchstaben basierende Grundschrift erlernen und dann ihre eigene Handschrift ausbilden. In vielen Bundesländern ist es den Grundschulen inzwischen freigestellt, ob die Kinder nach der Grundschrift noch eine Schreibschrift lernen. Und was sagt die Wissenschaft dazu? In einem Interview mit dem Schulportal betonte der Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, Michael Becker-Mrotzek: „Die Schriftform macht keinen Unterschied. Das ist etwa so, als würden Sie fragen, ob das Schwimmenlernen mit roten oder blauen Schwimmflügeln besser gelingt.“

Stand der Umfrage am 13. Dezember 2019

Sollte der Unterricht morgens nach 8 Uhr beginnen?

Die Frage nach dem Unterrichtsbeginn am Morgen ist ein Dauerthema. Am 25. Oktober wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern wissen, was sie davon halten würden, den Unterricht morgens eine Stunde später zu beginnen. Schließlich sind viele Kinder und Jugendliche oft in der ersten Stunde noch nicht richtig aufnahmefähig. Die meisten Schülerinnen und Schüler in Deutschland würden gern später mit der ersten Stunde starten. Laut einer repräsentativen Umfrage des Kinderkanals KiKA wünschte sich die überwiegende Mehrheit der befragten Kinder einen Schulbeginn zwischen 8.30 und 8.50 Uhr. Doch nur sehr wenige Schulen haben bislang den Unterrichtsstart nach hinten verschoben, obwohl die Schulen die Zeiten eigenverantwortlich regeln können. In unserer Umfrage sprach sich die deutliche Mehrheit für einen späteren Unterrichtsbeginn aus, 26 Prozent sagten dagegen, die Schule solle nicht später als um 8 Uhr beginnen. Insgesamt hatten sich bis zum 13. Dezember 651 Leserinnen und Leser an der Umfrage beteiligt.

Stand der Umfrage am 13. Dezember 2019

Sollte es einen Eignungstest für Lehrkräfte geben?

Auf großes Interesse stieß auch die Frage nach verpflichtenden Eignungstests für angehende Lehrkräfte, in denen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale geprüft werden. Gute Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern tragen schließlich wesentlich zum Lernerfolg bei. Und die Fähigkeit, Beziehungen professionell gestalten zu können, hängt auch von der Persönlichkeit ab. Gesprächskompetenz, Empathie und Geduld sind zum Beispiel wichtige Voraussetzungen. In Finnland müssen deshalb Bewerberinnen und Bewerber, die ein Lehramtsstudium aufnehmen wollen, ein Aufnahmeverfahren absolvieren, in dem solche Persönlichkeitsmerkmale im Fokus stehen. „Wir wollen die Bewerberinnen und Bewerber herausfinden, die für die Arbeit mit Kindern nicht geeignet sind oder den Kindern sogar schaden könnten“, sagte die finnische Bildungsforscherin Sirkku Kupiainen dazu im Interview mit dem Schulportal. Auch an den Hochschulen in Deutschland wird immer wieder diskutiert, ob es Eignungstests für das Lehramtsstudium geben sollte. 305 Leserinnen und Leser haben seit Veröffentlichung der Umfrage am 18. Februar dieses Jahres ihr Votum abgegeben. Eine große Mehrheit von 92 Prozent stimmte bis zum 13. Dezember für einen solchen Eignungstest.

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©Stand vom 13. Dezember 2019

Was halten Sie vom Prinzip „Bring Your Own Device“?

Dass Schülerinnen und Schüler nach dem Prinzip „Bring Your Own Device“ in der Schule ihr Smartphone oder den eigenen Laptop nutzen, ist in Deutschland wenig verbreitet. Das hat in diesem Jahr auch die Vergleichsstudie ICILS 2018 gezeigt. Demnach lag der Anteil der Achtklässlerinnen und Achtklässler, die ihre eigenen digitalen Endgeräte für schulische Zwecke mit in den Unterricht bringen, bei 15,1 Prozent. Zum Vergleich: In Dänemark traf das auf 90,7 Prozent zu. Dabei ist die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten in Deutschland vergleichsweise schlecht. Die privaten Geräte der Schülerinnen und Schüler könnten diese Lücke schließen. Andere halten das Prinzip „BYOD“ für keine gute Lösung. Soziale Unterschiede beim Bildungserfolg könnten noch verstärkt werden, Lehrkräfte mit der Vielfalt der Geräte überfordert sein, so wird argumentiert. Seit dem 13. November ist die Umfrage online, und bereits 222 Leserinnen und Leser hatten einen Monat später abgestimmt. Die Mehrheit fand demnach „BYOD“ in Ordnung, 29 Prozent lehnten das Prinzip ab.

Stand der Umfrage am 13. Dezember 2019

„Fridays for Future“– Demo auch mit Lehrkräften?

Jeden Freitag gehen viele Schülerinnen und Schüler nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg während der Unterrichtszeit auf die Straße, um für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Am ersten global organisierten Klimastreik am 15. März 2019 nahmen fast 1,8 Millionen Menschen teil. Auch viele Lehrkräfte wollen die Klimastreiks unterstützen. Deshalb haben wir in einer Umfrage vom 29. August gefragt, ob Sie es richtig fänden, wenn auch Lehrkräfte an den Freitagen während der Unterrichtszeit mitdemonstrieren. Die Frage bewegte offenbar viele Leserinnen und Leser: 277 Personen haben sich an der Abstimmung beteiligt. 68 Prozent fanden es in Ordnung, wenn auch Lehrkräfte während der Schulzeit für das Klima demonstrieren, 32 Prozent der Leserinnen und Leser sprachen sich dagegen aus.

Stand der Umfrage am 13. Dezember 2019