Lehrer-Umfrage : Elternarbeit ist eine der größten Heraus­forderungen

Jede fünfte Lehrkraft nennt in einer Forsa-Umfrage die Zusammen­arbeit mit Eltern als eine der größten Heraus­forderungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Zudem sieht laut Umfrage die Hälfte der Lehr­kräfte Probleme beim Einsatz von Quer­einsteiger­innen und Quer­einsteigern an ihren Schulen.

Florentine Anders / 28. Februar 2019
©Pia Bublies

Neben dem Lehrermangel und der Inklusion gehört die Zusammen­arbeit mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler derzeit zu den größten Heraus­forderungen für die Lehrerinnen und Lehrer an den allgemein­bildenden Schulen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Insgesamt wurden von Mitte November bis Mitte Dezember 2018 bundesweit 1.001 Lehrerinnen und Lehrer an allgemein­bildenden Schulen befragt.

Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung, sagte dazu dem Deutschen Schulportal: „Beim Deutschen Schulpreis stellen Bewerber­schulen eine individuelle Heraus­forderung in den Fokus ihrer Bewerbung. Das kann eine gesellschaftliche, lokale oder pädagogische Heraus­forderung sein, auf die die Schule Antworten gefunden hat. Mit der Forsa-Umfrage wollten wir nun erstmals repräsentative Aussagen dazu bekommen, worin Lehr­kräfte allgemein­bildender Schulen die größten Heraus­forderungen für ihre Schule sehen, unabhängig davon, ob die Schule bereits Wege gefunden hat, mit diesen umzugehen.“

Besonders an Grund­schulen sind Schwierig­keiten mit den Eltern groß

Zu Beginn wurden die Lehrkräfte offen und ohne jede Vorgabe befragt, welches zurzeit die größten Heraus­forderungen an ihrer Schule sind. Am häufigsten nannten die Befragten mit 30 Prozent das Problem des Lehrer­mangels. Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler gaben 23 Prozent der Lehr­kräfte als eine der größten Heraus­forderung an, gefolgt von der Inklusion (22 Prozent).

Für 21 Prozent der befragten Lehrkräfte gehört auch die Kommunikation und Kooperation mit den Eltern zu den größten Heraus­forderungen an ihrer Schule. Am schwierigsten ist der Einfluss der Eltern offenbar für die Lehrerinnen und Lehrer an den Grund­schulen. Jede dritte Lehr­kraft dort sieht darin eine besonders große Heraus­forderung. An den weiter­führenden Schulen der Sekundar­stufe I sind es 20 Prozent. Seltener, mit nur 15 Prozent, werden die Eltern von den Lehrkräften am Gymnasium unter den „größten Herausforderungen“ benannt. Auch die Probleme, die sich aus dem Lehrermangel und der Inklusion ergeben, werden an Grund­schulen deutlich häufiger genannt als an den Gymnasien.

Zwischen Helikopter­eltern und Eltern, die den Kontakt zur Schule ablehnen

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrer­verbands, ist wenig über­rascht, dass neben Lehrer­mangel und Inklusion die Eltern weit oben stehen bei den Benennungen der größten Heraus­forderungen für Lehr­kräfte. Erfolg­reiche Bildungs­arbeit sei eng verknüpft mit einer funktionierenden Erziehungs­partnerschaft zwischen Eltern­haus und Schule. „Wenn es da zu größeren Konflikten kommt, hat das massive direkte Auswirkungen auf Schule und Unterricht und beeinträchtigt auch das Lehrer­handeln“, sagte Meidinger dem Schulportal.

Angesichts einer ebenso wie bei der Schülerschaft immer hetero­gener gewordenen Eltern­schaft sei es schwierig, wenn nicht unmöglich geworden, sich ohne Weiteres mit den Eltern einer Klasse noch auf gemeinsame Erziehungs­ziele zu einigen, zum Beispiel im Umgang mit Computern.

Wachsende Probleme gebe es nach Angaben von Meidinger auch mit Eltern, die sich kaum um die schulische Entwicklung der Kinder kümmern oder aus anderen Gründen die Kontakt­auf­nahme ablehnen. Daneben gebe es die sogenannten Helikopter­eltern, die in ihrer Für­sorge ständig Lehr­kräfte mit ihren Forderungen bedrängten. Und dann gebe es noch eine weitere schwierige Gruppe von Eltern, die sich vor allem als „Anwälte“ ihrer Kinder verstehen und nur dann vor­stellig würden, wenn schlechte Noten oder Schul­strafen drohen.

Der Präsident des Lehrerverbands plädiert dafür, den gegenseitigen Austausch zu intensivieren: Häufiges Miteinander-Reden verringere Konflikte und schaffe Vertrauen. Dabei sollten Lehr­kräfte nicht nur bei Problemen den Kontakt zu den Eltern suchen. Sinn­voller sei es, mehr Zeit­fenster für die Eltern­arbeit bereit­zu­stellen – etwa durch die Reduzierung der Unterrichts­deputate.

Die Konfrontationen zwischen Eltern­haus und Schule sind Schwer­punkt­thema 2019 im Bundes­eltern­rat

Auch der Bundeselternrat habe die oft konfrontativen Positionen zwischen Eltern und Lehr­kräften als aktuelle Heraus­forderung erkannt und das Thema zum Schwer­punkt in 2019 gemacht, betont Erika Takano-Forck vom Vorstand der Eltern­vertretung. Infolge der neuen Partner­schaft­lich­keit zwischen Eltern und Lehr­kräften an den Schulen brächen auch Konflikte auf, die früher durch die vorherrschenden Hierarchien unter­drückt worden seien. Es gebe auf beiden Seiten noch wenige Erfahrungen in der Kommunikation ohne Schuld­zu­weisungen. „Wir sehen aber auch, dass an immer mehr Schulen die Eltern mit ihrem Feedback ernst genommen werden und damit einen wichtigen Beitrag zur Qualitäts­sicherung leisten können“, sagt Takano-Forck. Fest­gelegte Austausch-Stunden für Eltern und Lehr­kräfte könnten dafür sehr förderlich sein.

©Pia Bublies

In Bezug auf die Bewältigung des Lehrer­mangels wurden die Lehrkräfte in der Forsa-Umfrage auch nach ihren Erfahrungen mit Quer­ein­steiger­innen und Quer­ein­steigern befragt. Gut die Hälfte der Lehr­kräfte (54 Prozent), an deren Schule Quer­ein­steigende unterrichten, meinen, dass es mit deren Einsatz Probleme gebe. An den Grund­schulen, an denen besonders viele Quer­ein­steigerinnen und Quer­ein­steiger zum Einsatz kommen, gaben sogar 68 Prozent der Lehr­kräfte an, dass damit Probleme verbunden sind. An den Gymnasien waren es nur 46 Prozent.

Als Gründe für die Probleme wurden am häufigsten „mangel­hafte pädagogische Fertig­keiten“ dieser Kolleginnen und Kollegen und „Probleme im Umgang mit Schülerinnen und Schülern“ (62 Prozent) genannt. „Der akute Mangel an Lehr­kräften ist auf­grund der demo­grafischen Entwicklung aktuell besonders stark in den Grund­schulen spürbar und wird in den nächsten Jahren die weiter­führenden Schulen erreichen“, sagte Dagmar Wolf von der Robert Bosch Stiftung. Hinzukomme, dass gerade an den Grund­schulen, an denen Kinder das erste Mal mit Lesen, Schreiben und Rechnen konfrontiert werden, der Einsatz von Quer­ein­steigern mit fehlenden didaktischen und pädagogischen Grund­lagen große Risiken berge, unabhängig vom Engagement der jeweiligen Lehr­kraft.

©Pia Bublies

Interessant sind auch die Meinungen der befragten Lehr­kräfte zu einem einheitlichen Gehalt. Insgesamt 74 Prozent der Befragten fände es laut Forsa-Umfrage richtig, wenn alle Lehr­kräfte an allgemein­bildenden Schulen das gleiche Gehalt (A13 oder E13) bekommen würden. Doch immerhin jede/r Vierte sprach sich gegen ein einheitliches Gehalt aus. Am stärksten war diese Ablehnung unter den Lehr­kräften an den Gymnasien. Wenn Sie auf dem Schulportal registriert sind, können Sie alle Umfrage­ergebnisse hier downloaden.

Mehr zum Thema

Für die Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung wurden von Mitte November bis Mitte Dezember 2018 bundesweit 1.001 Lehrerinnen und Lehrer an allgemein­bildenden Schulen befragt.

Thematisiert wurden in der Umfrage folgende Schwer­punkte:

  1. Die größten Heraus­forderungen an der Schule
  2. Gründe für die Wahl des Lehrer­berufes
  3. Meinungen zu einem einheitlichen Gehalt bei Lehr­kräften
  4. Besetzung der Lehrer­stellen und in der Schul­leitung
  5. Quereinsteiger in den Lehrer­beruf
  6. Ausstattung der Schule mit digitalen Medien
  7. Angebote zur Verbesserung und Weiter­entwicklung der eigenen Schule
  8. Informations­quellen über Schul­themen im Internet
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