Film „Teachers for Life“ : So erfüllend kann der Lehrerberuf sein

Der Dokumentarfilm „Teachers for Life“ begleitet drei ungewöhnliche Lehrerpersönlichkeiten in Deutschland, England und Frankreich bei ihrer Arbeit. Sie erzählen, was sie antreibt und was sie sich für ihre Schülerinnen und Schüler wünschen. Und der Film zeigt auch, was im Alltagsstress oft untergeht: wie schön, wie wichtig und erfüllend der Beruf sein kann. Ein Film-Tipp zur Weihnachtszeit.

Annette Kuhn 22. Dezember 2021 Aktualisiert am 16. Januar 2022
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Dieser Film wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Die Ruhe, die er ausstrahlt, scheint so gar nicht zu dem Ausnahmezustand zu passen, in dem sich die Schulen seit fast zwei Jahren befinden. Aber gerade deshalb tut es so gut, „Teachers for Life – Lernen aus Verbundenheit“ jetzt anzuschauen. Der Dokumentarfilm rückt in den Fokus, was im Stress um Hygienemaßnahmen, Aufholen von Lernrückständen und Kompensation des Lehrermangels manchmal verloren zu gehen droht: Die Beziehungsarbeit zwischen Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern.

„Teachers for Life“ zeigt, wie wichtig Beziehungsarbeit ist

Der Dokumentarfilm „Teachers for Life“ begleitet eine Referendarin, einen Schulleiter und einen Fußballtrainer: Richard Dunne, Schulleiter einer Grundschule In England, Lisa Viehoff, die gerade ihre zweite Staatsprüfung an der evangelischen Schule Berlin Zentrum abgelegt hat, und Trainer Philippe Bretaud, der an der Fußball-Talentschmiede in Clairefontaine bei Paris junge Nachwuchsspieler coacht.

Zu Wort kommt auch Helle Jensen, dänische Psychologin und Co-Autorin des 2019 verstorbenen Familientherapeuten Jesper Juul. Für sie ist klar: Eine notwendige Voraussetzung für die zwischenmenschliche Beziehungsarbeit sei die Beziehung zur eigenen Person. „Wenn wir unsere Persönlichkeit als ein Werkzeug in unserer Arbeit sehen, dann ist es auch notwendig, für dieses Werkzeug zu sorgen.“

Teachers for Life Lehrerin in Yogahaltung
Yoga hilft der Lehrerin Lisa Viehoff im Alltag, und sie macht auch mit ihren Schülerinnen und Schülern Achtsamkeitsübungen.
©Teachers for Life
Teachers for LifeSchüler in Berglandschaft
Einmal im Jahr fährt Schulleiter Richard Dunne mit Schülerinnen und Schülern zum Mont-Blanc-Massiv - für ihn das beste Klassenzimmer der Welt.
©Teachers for Life
Fußballtrainer mit Spielern
Fußballtrainer Philippe Bretaud begleitet junge Nachwuchsspieler durch Höhen und Tiefen. Sein Wunsch: Dass sie selbst den Schlüssel zu sich finden.
©Teachers for Life

Die Protagonistinnen und Protagonisten im Film suchen nach Wegen, wie Lehrkräfte gute, einfühlsame Beziehungen zu Kindern aufbauen können, wie sie Schülerinnen und Schüler stärken können, damit sie sich entwickeln, kreative Lösungen für Probleme finden können und dem Mut haben, Verantwortung zu übernehmen. Die Filmemacherin Kathrin Höckel sagt zur Idee von „Teachers for Life“ im Interview mit „film-rezensionen.de“: „Wir haben uns für dieses Projekt nach Pädagogen umgeschaut, welche eine gewisse Haltung gegenüber Bildung repräsentieren. Diese umfasst, dass Bildung nicht nur als Qualifikation für Schulabschlüsse gesehen wird oder als Anhäufung von Wissensbeständen, sondern vielmehr als Persönlichkeitserweiterung verstanden wird.“

Wenn wir unsere Persönlichkeit als ein Werkzeug in unserer Arbeit sehen, dann ist es auch notwendig, für dieses Werkzeug zu sorgen.
Helle Jensen, dänische Familientherapeutin

Helle Jensen hat viele Menschen gefragt, was eine gute Lehrerin, einen guten Lehrer ausmacht, der oder dem das gelingt. Die Antwort, die sie immer wieder bekam: dass sich die Lehrkraft für die Schülerinnen und Schüler interessiert. Und die Referendarin Lisa Viehoff, die im Film kurz vor und kurz nach ihrer zweiten Staatsprüfung begleitet wird, drückt es so aus: „Das grundsätzliche Interesse an Menschen und der Idealismus, dass man ihnen den Einstieg ins Leben ermöglichen möchte, dass man sie begleitet, wie sie erwachsen werden – das muss man wollen.“ Sie will das, sie arbeitet gern mit Kindern und Jugendlichen und das merkt man auch, wenn man im Film Gast ihres Unterrichts ist.

Die porträtierten Lehrkräfte verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz

Aber wie gelingt das? In „Teachers for Life“ stellen die Pädagogin und die zwei Pädagogen den Schülerinnen und Schüler viele Fragen. Schulleiter Richard Dunne fragt einen Schüler: „Wie fühlst du dich bei den Geometrieaufgaben?“ Eine ungewöhnliche Frage im Mathematikunterricht, aber mit dem Dialog, der sich daraus entspinnt, wird sich der Junge schnell darüber klar, was ihn in motiviert und was ihm an Mathe gefällt, aber auch, was ihn frustriert.

Auch am Rande des Fußballplatzes in Clairefontaine setzt sich Trainer Philippe Bretaud mit den jungen Fußballern auf eine Bank und fragt sie, warum etwas gerade nicht läuft, was sie besser machen könnten, wo sie hinwollen. Der Coach durchlebt mit den Jungen Höhen und Tiefen im Leistungssport, er macht ihnen Mut, muss sie aber auch immer wieder aus dem Traum von der großen Karriere in die harte Trainingsrealität zurückzuholen. Bretaud weiß, dass es später nur die wenigsten Schüler in Clairefontaine bis ganz nach oben schaffen. Er hat dies selbst erlebt. Als Junge war er talentiert, aber seine Körpergröße reichte nicht für eine Fußballkarriere. Die Botschaft, die er den jungen Fußballern nun mitgeben will, lautet: „Egal, was passiert, du darfst niemals akzeptieren, dass jemand anders entscheidet, was du aus deinem Leben machst.“

Weniger Prüfungen, mehr Erleben

Und noch etwas verbindet die Psychologin, die Referendarin, den Schulleiter und den Trainer: der ganzheitliche Ansatz. Richard Dunne sagt: „In den meisten Einrichtungen wird Bildung auf Grundlage der fachlichen Bedürfnisse geplant und in getrennten Fachgebieten gelehrt. Das führt dazu, dass alles als getrennt betrachtet und verstanden wird. Die Schüler entwickeln eine Denkweise, die alles getrennt sieht. Aber wenn wir uns die Welt anschauen, ist das genaue Gegenteil der Fall.“

Nur mit einem interdisziplinären Blick könne man die Herausforderungen der Zukunft bewältigen, den Klimawandel zum Beispiel. An seiner Schule versucht er einen anderen Ansatz. Wann immer es geht und es zum Lernen passt, verlässt er den Klassenraum – zum Gärtnern oder für den Kunstunterricht. Und einmal im Jahr fährt Dunne mit Schülerinnen und Schülern nach Chamonix und lässt sie bei einer Bergwanderung im Angesicht des Mont-Blanc-Massivs Natur ganz nah spüren.

Die eindrucksvollen Bilder und die vielen klugen Sätze in diesem Film würde man gern bewahren, um sie abzurufen, wenn der Alltagsstress in der Schule mal wieder überhandnimmt.

Zum Film

  • Der Dokumentarfilm „Teachers for Life“ wurde erstmals auf dem DOK.fest München 2021 gezeigt, einem der größten Dokumentarfilmfestivals in Europa.
  • Zu sehen ist er auf den gängigen Streaming-Plattformen. Für Schulen und andere Bildungseinrichtungen stellt das AVE Institut, das „Teachers for Life“ produziert hat, den Film sowohl in voller Kinolänge (85 Min.) als auch in gekürzter Fassung (52 Min.) nach einer Registrierung über dieses Formular kostenlos zur Verfügung. Demnächst soll es hier auch pädagogisches Begleitmaterial geben.
  • Mehr Informationen zum Film gibt es auf der Filmwebsite.