Deutscher Schulpreis 2020 : Das sind die besten 20 Schulen

Die TOP-20-Liste für den Deutschen Schulpreis steht fest. Die Jury hat 20 Schulen aus neun Bundes­ländern in die nächste Wettbewerbs­runde geschickt. Die meisten Bewerber­schulen liegen in Nordrhein-Westfalen. Alle Bewerber­schulen durch­laufen ein aufwendiges Auswahl­verfahren. Einblicke in den Besuch der Jury­sitzung.

Annette Kuhn / 16. Dezember 2019
Mädchen betrachtet die Trophäe des Deutschen Schulpreises
Die 20 ausgewählten Schulen kommen in die nächste Runde für den Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis 2020. Die Preisverleihung findet im kommenden Jahr in Berlin statt.
©Florian Generotzky

Die Kaffeekannen sind irgendwann leer, die Laptops brauchen Strom, und die Gesichter wirken deutlich blasser als noch am Morgen. Nach mehr als sieben Stunden Sitzung und vielen intensiven Diskussionen zeigen sich an diesem Donnerstag im Dezember erste Erschöpfungs­erscheinungen in einem Konferenz­raum in Stuttgart. Doch es geht um eine wichtige Frage: Welche Schulen kommen in die nächste Runde des Deutschen Schulpreises 2020 und werden von der Jury besucht? Mit dem Preis zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung seit 2006 Schulen aus, die sich durch innovative und erfolg­reiche Konzepte hervorgetan haben. Der Deutsche Schulpreis gilt als wichtigste Auszeichnung für Schulen in Deutschland.

Seit dem Morgen sitzt die zwölf­köpfige Jury – namhafte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis – zusammen, um sich über die Bewerbungen aus­zu­tauschen und Entscheidungen zu treffen. Zuvor haben sie schon jeder für sich und in Juroren-Tandems über viele Stunden Bewerbungs­unter­lagen gründlich geprüft. Im November tagte die Vorjury. Ihre Aufgabe war es, aus den insgesamt 81 eingereichten Bewerbungen bis zu 50 herauszufiltern, die nun von der Jury begutachtet werden. Das ist keine leichte Entscheidung, „zumal sich auch in diesem Jahr wieder so viele gute Schulen beworben haben“, sagt Michael Schratz, Gründungsdekan der School of Education der Universität Innsbruck und Sprecher der Schulpreis-Jury. „Es ist doch erstaunlich, wie viele Schätze immer noch geborgen werden, obwohl es den Schulpreis nun schon so lange gibt.“ Geholfen habe dabei auch die Unterstützung durch die sechs Regionalbüros des Deutschen Schulpreises und der Deutschen Schulakademie.

Die TOP 20 für den Deutschen Schulpreis 2020 kommen aus neun Bundes­ländern

Am Nachmittag sind die Namen von 18 Schulen auf eine Stellwand unter die Rubrik TOP 20 geheftet. Zwei Slots sind noch offen, um die sechs weitere Schulen konkurrieren. Es ist die vielleicht schwierigste Entscheidung des Tages, weil jede dieser Schulen ein interessantes Konzept, eine beeindruckende Entwicklung zeigt. Doch in der Diskussion kristallisieren sich recht klar zwei Favoriten heraus. Die Top-20-Liste ist komplett und wird von allen Jury-Mitgliedern einstimmig beschlossen.

Die TOP-20-Schulen liegen in neun Bundes­ländern, und mit sieben Bewerber­schulen ist Nordrhein-Westfalen am stärksten vertreten. Von den Schul­arten führen Grund­schulen wie schon in den Vorjahren die Liste an, gefolgt von Gesamt­schulen und Gymnasien. Auch Gemeinschafts­schulen und berufliche Schulen sind in der Auswahl. Schon unter allen eingereichten Bewerbungen lag der Anteil der Grund­schulen bei 32 Prozent. Das entspricht dem großen Anteil, den Grund­schulen in der Bildungs­land­schaft unter den unter­schiedlichen Schul­arten einnehmen. Schratz, der der Jury des Deutschen Schulpreises von Anfang an angehört, hat aber noch zwei weitere Erklärungen. Zum einen seien Grund­schulen meist kleiner und damit beweglicher: „Es ist doch viel leichter, 20 als 100 Lehrkräfte an einen Tisch zu bekommen, um sich auf einen gemeinsamen Weg zu verständigen. Und zum anderen ist es komplizierter, eine gemeinsame Philosophie umzusetzen, wenn es vielfach differenzierten Fach­unterricht gibt. Den gibt es in den Grund­schulen noch weniger“.

Jetzt bewerben für den Deutschen Schulpreis 2021

Allgemeinbildende und berufliche Schulen in öffentlicher oder privater Trägerschaft in Deutschland sowie Deutsche Auslandsschulen können sich für den Deutschen Schulpreis 2021 bewerben. Die Bewerbungsfrist für das 15. Wettbewerbsjahr endet am 15. Oktober 2020.

Vorausgegangenen ist der Entscheidung für die TOP-20-Schulen ein mehr­stufiges Auswahl­verfahren. Bis Mitte Oktober konnten sich allgemein­bildende und berufliche Schulen in öffentlicher oder privater Trägerschaft in Deutschland sowie Deutsche Aus­lands­schulen online bewerben. Die Bewerbungen wurden im nächsten Schritt von einer Vorjury begutachtet.

Grundlage für die Beurteilung sind die sechs Qualitäts­bereiche, auf denen der Deutsche Schul­preis beruht: Leistung; Umgang mit Vielfalt; Unterrichts­qualität; Verantwortung; Schul­klima; Schul­leben und außer­schulische Partner, Schule als lernende Institution. In allen Bereichen müssen die Schulen gute Ergebnisse erzielen, um ausgewählt zu werden. „Wir zeichnen nicht ein spektakuläres Leucht­feuer in einem speziellen Bereich aus, sondern schauen vor allem darauf, welche Innovationen sich im ganzen System Schule entwickeln“, so Schratz. Die Vorjury kann bis zu 50 Schulen an die Jury weiter­empfehlen. Die zwölf Mitglieder der Jury haben nun daraus die Top-20-Liste erstellt.

Im Januar und Februar werden die nominierten Schulen von der Jury besucht

Die 20 Schulen werden im Januar und Februar von Mitgliedern der Jury sowie der Vorjury besucht. Dann fällt die Jury im März die Entscheidung, welche 15 Schulen sie für den Deutschen Schulpreis 2020 nominiert. Es ist gleichsam die „Shortlist“ für den Schulpreis, der voraussichtlich Ende Mai in Berlin verliehen wird. Ausgezeichnet werden dann insgesamt sechs Schulen.

Gewonnen haben aber nicht nur diese Schulen. Denn von der Teilnahme am Wettbewerb profitieren alle Bewerber­schulen. Die Teilnahme ist eine gute Möglichkeit zur Selbst­evaluierung und zur Fokussierung auf die eigene Schulentwicklung. Die nominierten Schulen, die nicht ausgezeichnet werden, bekommen außer­dem alle einen Anerkennungspreis in Höhe von jeweils 5.000 Euro.

Bis zu 20 Bewerberschulen profitieren vom Schul­entwicklungs­programm des Schulpreises

Außerdem können bis zu 20 Schulen vom Entwicklungs­programm für exzellente Schulen des Deutschen Schulpreises profitieren. Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden sie in ihrem Entwicklungs­prozess begleitet, können Seminare besuchen und sich mit anderen Bewerber­schulen vernetzen. Einige dieser Schulen bewerben sich später noch einmal für den Deutschen Schulpreis. In diesem Jahr sind erstmals auch Absolventen des Entwicklungs­programms unter den TOP-20-Schulen. Gespannt schauen die Juroren des Deutschen Schulpreises nun also erst einmal den Schul­besuchen im neuen Jahr entgegen. Sie werden noch viel mehr Einblick in die Arbeit der TOP-20-Schulen bieten.

Die TOP-20-Schulen

  • BBS Einbeck (Berufliche Schule), Niedersachsen
  • Blücherschule-Europaschule (Grundschule), Wiesbaden, Hessen
  • Friedensburg-Oberschule (Integrierte Sekundarschule), Berlin
  • Gesamtschule Gescher, Nordrhein-Westfalen
  • Gesamtschule Waltrop, Nordrhein-Westfalen
  • GGS Nikolaus-Schule, Bornheim-Waldorf, Nordrhein-Westfalen
  • Grund- und Mittelschule (GMS) Thalmässing, Bayern
  • Grundschule Schuttertal, Baden-Württemberg
  • Gymnasium Essen Nord-Ost, Nordrhein-Westfalen
  • Gymnasium Ottobrunn, Bayern
  • Hardtschule Durmersheim (Gemeinschaftsschule), Baden-Württemberg
  • Kinderschule Bremen (Grundschule)
  • Lernhaus im Campus in Osterholz-Scharmbeck (Oberschule), Niedersachsen
  • Marie-Kahle-Gesamtschule, Bonn, Nordrhein-Westfalen
  • Oswald-von-Nell-Breuning-Schule (Integrierte Gesamtschule), Rödermark, Hessen
  • Otfried-Preußler-Schule (Grundschule), Hannover, Niedersachsen
  • Städtisches Gymnasium Norf in Neuss, Nordrhein-Westfalen
  • Stadtschule Travemünde in Lübeck, Schleswig-Holstein
  • Stadtteilschule Öjendorf, Hamburg
  • Willy-Brandt-Berufskolleg (Berufliche Schule), Duisburg-Rheinhausen, Nordrhein-Westfalen

Diese Schulen hatte die Jury des Deutschen Schulpreises 2019 auf die TOP-20-Liste gesetzt.