Frankfurter Schulen : Der Schülerrat wird lauter

Viele Schüler wissen wenig von ihrer Vertretung auf Stadtebene. Ein paar Engagierte wollen das ändern – trotz und wegen Corona. Dabei ist das Amt des Stadtschulsprechers zur Zeit vakant.

Dieser Artikel erschien am 02.03.2021 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Florentine Fritzen
Schüler am Schreibtisch
Viele Frankfurter Schüler wissen kaum etwas von ihrer Vertretung auf Stadtebene. In Corona-Zeiten ist es noch schwieriger geworden, sich zu organisieren. (Symbolbild)
©Getty Images

Seit November gibt es keinen Stadtschulsprecher mehr, und der Stadtschülerrat kann sich wegen der Pandemie nicht versammeln, um einen neuen zu wählen. Trotzdem will die Vertretung der Frankfurter Schüler gerade jetzt von sich reden machen. Bisher sei das Gremium nur „bedingt bekannt“ gewesen, sagt Geronimo Rajabi. Das will der Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums ändern – zusammen mit Harrison Krampe von der Schillerschule, Hannes Kaulfersch von der Wöhlerschule und vielen anderen.

Anfang Februar hat der Rat die drei Oberstufenschüler zu Koordinatoren bestimmt. Sie sollen helfen, besser durch die Krise zu kommen. Die hat mit Corona zu tun und damit, dass Ende November der bisherige Stadtschulsprecher und Vorsitzende des Rats, Paul Harder, die Ämter niederlegte, weil er „aktuell nicht mehr die Zeit und Ausdauer“ dafür habe. In der Pandemie können sich die mehr als 100 Delegierten nicht versammeln. Aus Datenschutzgründen dürfen sie einen Nachfolger auch nicht digital wählen.

Viele Frankfurter Schüler wissen kaum etwas von ihrer Vertretung auf Stadtebene. Dabei könne die viel erreichen, sagen die Koordinatoren. Geronimo Rajabi nennt als Beispiel die Streiks für schärfere Corona-Regeln an den Schulen Ende November. Da waren die Schulen noch ganz geöffnet. Dann kam der Distanzunterricht. Inzwischen haben die Zwölftklässler, wie schon länger die Abschlussklassen, wieder Unterricht in der Schule. Der Elftklässler Harrison Krampe zweifelt da am Nutzen, denn viele könnten besser zu Hause lernen statt wie jetzt auf zwei Räume verteilt mit einem Lehrer, der sich auch „zweiteilen“ müsse. Beim Homeschooling sehen die Schülervertreter aber auch eine Gefahr: dass es keine Trennung mehr zwischen dem Klassenzimmer und dem eigenen Zimmer gebe. Diesen Raum der Entspannung verbänden Schüler jetzt „nur noch mit Stress“.

Alle weiterführenden und beruflichen Schulen entsenden je zwei Delegierte und den Schulsprecher zum Stadtschülerrat. Bei den Vollversammlungen beraten Vertrauenslehrer. Die drei Koordinatoren vertreten jetzt die Beschlüsse der Schülervertretung nach außen; Ende März werden schon wieder drei neue bestimmt. Im Rat sind sie den anderen gleichgestellt.

Dort arbeitet auch Lillian Rusgiarto mit. Die Abiturientin der Musterschule beschreibt sich als politisch interessiert, und die Schülervertretung biete die „perfekte Möglichkeit“, sich zu engagieren. Zum Beispiel mit einem Arbeitskreis zur Geschlechtergerechtigkeit. Der will mit einer selbst entworfenen Studie erforschen, wie in den Schülervertretungen in der Stadt die Machtpositionen verteilt sind. Dabei möchte die Schülerin „Geschlecht“ inklusiv verstanden wissen, also nicht nur als männlich und weiblich. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Stadtschülerrat sich selbst als „StadtschülerInnenrat“ oder auch „Stadtschüler*innenrat“ bezeichnet. Lillian Rusgiarto sagt, blöde geschlechtsbezogene Kommentare und Lehrer-Sätze wie „Ich brauche mal vier starke Jungs“ seien nach wie vor Alltag.

Harrison Krampe bringt sich stattdessen mit dem „Schülerfirmen-Contest“ im Rat ein. Seine eigene Schülerfirma druckt Motive auf nachhaltige Klamotten – möglichst in Werkstätten, in denen behinderte Menschen arbeiten. Und während Lillian Rusgiarto Amnesty International unterstützt, ist Geronimo Rajabi in der Jungen Union. Gerade bringt der Stadtschülerrat eine Broschüre zur Bildungspolitik heraus. Auch die soll ihn bekannter machen – und seine Stimme lauter.